Wearable Computing Qualcomm springt mit Toq auf den Smartwatch-Zug auf

Der Chiphersteller Qualcomm hat überraschenderweise eine »Toq« genannte Smartwatch mit Mirasol Display präsentiert. Die Uhr ist auf Energieeffizienz ausgerichtet und soll tagelang ohne Ladevorgang auskommen. Qualcomm will sie noch im vierten Quartal 2013 verkaufen.

Kaum hat Samsung seine langersehnte Smartwatch »Galaxy Gear« vorgestellt, bekommt sie auch schon Konkurrenz. Auf der Entwicklerkonferenz Uplinq in San Diego überraschte Qualcomm mit einer eigenen smarten Uhr namens Toq (sprich »Talk«). Der Halbleiterkonzern, der sein Geld normalerweise mit ICs für Mobilgeräte verdient, designt ein Endgerät, um seine Vision tragbarer Computer aufzuzeigen. Die Smartwatch soll in limitierter Stückzahl bereits in wenigen Monaten verfügbar sein.

Toq soll als zweites Smartphone-Display fungieren, das den Träger diskret über neue Termine, Nachrichten und Anrufe in Kenntnis setzt. Wetter, Kalender, Musik – vom Funktionsumfang unterscheidet sich Qualcomms Modell kaum von existierenden Smartwatches. Immerhin kann man mit der Toq auch auf Nachrichten reagieren, indem man aus vorgefertigten Antworten auswählt.

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Toq: Eine Smartwatch von Qualcomm

Qualcomm Toq Smartwatch

Anders als die anderen

Eine Besonderheit ist das lichtreflektierende Mirasol-Display, das extrem ressourcenschonend arbeitet und damit Akkulaufzeiten von drei bis fünf Tagen ermöglicht. Ähnlich wie bei E-Ink-Displays benötigt es nur Energie, wenn sich der angezeigte Inhalt verändert. Doch die Mirasol-Technik stellt auch Farben dar und kann rasche Bildwechsel besser umsetzen als E-Ink-Displays. Der Bildschirm ist berührungsempfindlich und lässt sich per Touch bedienen.

Ein zweites Highlight ist Qualcomms »WiPower LE« genanntes Verfahren zum kabellosen Laden. Dazu legt man die Uhr einfach auf die mitgelieferte Transportbox und schon beginnt der Ladevorgang. Das ebenfalls kabellos betriebene Stereo-Headset greift auf die Bluetooth-Chips des Konzerns zurück. Es besteht aus zwei unabhängigen Kopfhörern, die sich in derselben Ladeschale aufladen lassen wie die Smartwatch.

Weniger spektakulär ist der schwache, auf eine geringe Energieaufnahme getrimmte ARM Cortex M3 Prozessor, der auf 200 MHz getaktet ist. Die Toq lässt sich mit allen Android-Handys nutzen, auf denen mindestens die Version 4.0.3 installiert ist. Auf der Uhr selbst läuft ein Qualcomm-eigenes Betriebssystem, die Kommunikation zwischen Smartphone und Smartwtach übernimmt die Qualcomm Toq-App.

Im vierten Quartal dieses Jahres soll Toq direkt an die Endkunden ausgeliefert werden. Beim Preis gibt es erste Schätzungen, die bei 300 bis 350 Dollar liegen. Welche Länder mit der Smartwatch versorgt werden, ist allerdings noch nicht bekannt. Wie uns eine Qualcomm-Sprecherin auf Anfrage mitteilte, wird der Verkauft zunächst über mehrere Vertriebswege in den USA starten.

Eher ein Technik-Showcase?

In der Uhr werden neben Mirasol-Display und Technologien zum kabellosen Laden sowie zur Bluetooth-Übertragung auch proprietäre MEMS zum Einsatz kommen. Kurzum: Qualcomm verbaut hier seine modernste Technik und zeigt, was damit alles möglich ist. Die von vornherein limitierte Stückzahl kann man wohl als Hinweis darauf verstehen, dass man sich nicht langfristig als Endgerätehersteller aufstellen möchte. Die Smartwatch ist womöglich eher ein Zugpferd für die inneren Werte, die Qualcomm zukünftig für Produkte anderer Anbieter liefern könnte. So kann man auch die Worte von CEO Paul E. Jacobs deuten: »Die Toq ist ein Showcase für die Vorteile des Mirasol Displays, WiPower LE und die Stereo-Bluetooth-Technologie.« Man werde eher Zehntausende statt Hunderttausende Uhren fertigen lassen, meinte Rob Chandhok, President bei Qualcomm Interactive Platforms, gegenüber Mashable.

Auf jeden Fall scheint das Mirasol-Display, welches in der Vergangenheit nicht nur für positive Schlagzeilen sorgte, eine sinnvolle Verwendung gefunden zu haben. Es wird von Qualcomm MEMS Technologies (QMT) in den eigenen taiwanesischen Produktionsanlagen hergestellt, erklärte uns eine Unternehmenssprecherin. Wer die restlichen Teile beisteuert und die Uhr am Ende zusammenbaut, wollte man nicht verraten. Auch über die genaue Stückzahl können wir nur spekulieren.