Motorola Moto X aufgeschraubt Produktionskosten in den USA auf asiatischem Niveau

Das in Amerika gefertigte Google-Smartphone Moto X ist in der Produktion ähnlich günstig wie Handys aus asiatischen Niedriglohnländern. Das belegt ein Teardown von IHS iSuppli, bei dem die Bauteile des Geräts analysiert wurden.

Elektronische Geräte lassen sich besonders günstig in Asien produzieren, dürfte man meinen. Die meisten großen amerikanischen Technologiekonzerne lagern die Fertigung ihrer Geräte nach Fernost aus. Umso überraschender sind die Ergebnisse des jüngsten Teardowns von IHS iSuppli. Die Experten haben das neue Motorola Moto X, in dessen Entwicklung auch Google eingebunden war, auseinandergenommen und die Komponenten analysiert (siehe Bildertrecke).

Das Ergebnis räumt mit dem Gerücht auf, man könne Handys nicht kostengünstig im Westen produzieren. Sowohl Materialkosten als auch Produktionskosten liegen auf ähnlichem Niveau wie bei den marktführenden Modellen, die in Asien zusammengeschraubt werden. Deshalb kann Motorola es zu günstigen Preisen vertreiben und Netzbetreiber ins Boot holen, um eine preiswerte Alternative zu den Top-Geräten von Samsung oder Apple anzubieten.

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Ein Blick unter die Abdeckungen des Motorola Moto X

Teardown Google-Smartphone Motorola Moto X

Die Kostenrechnung

Die Kosten für die Bauteile des Moto X belaufen sich auf 214 US-Dollar – so die vorläufigen Zahlen von IHS. Addiert man geschätzte 12 Dollar für die Herstellung, steigt der finale Produktionspreis auf 226 Dollar. Zum Vergleich: Die US-Version des Samsung Galaxy S4 (16 GB) liegt bei 237 Dollar und das iPhone 5 (16 GB) bei 207 Dollar. Obwohl die Arbeitskosten zur Herstellung des Motorola-Handys etwa 4 Dollar über der Konkurrenz liegt, sind die Gesamtkosten nur 9 Prozent höher als beim aktuellen iPhone und sogar 5 Prozent niedriger als beim S4.

Die Ausgaben für das Material kann Motorola niedrig halten, indem man auf bekannte Bauteile setzt. »Wegen seines Qualcomm-basierten Designs könnte man das Moto X leicht mit einem Smartphone von HTC oder Samsung verwechseln, wenn die Motorola-Logos nicht wären. Der Einsatz von Komponenten, die schon in großen Mengen hergestellt werden, erlaubt es Motorola, die Kosten zu drücken«, erläuterte Andrew Rassweiler von IHS.

Motorolas Taktik

Während die Analysten die Mehrkosten für die Produktion in Amerika als gering einschätzen, profitieren Motorola und Google von dem PR-Rummel um ihr Handy »Made in America«. Außerdem ermöglicht die inländische Fertigung eine einfache Anpassung der Geräte an die Kundenwünsche. In nur vier Tagen können die Kunden des Netzbetreibers AT&T ein modifiziertes Moto X in der Fabe ihrer Wahl erhalten.

Motorola scheint sein neuestes Smartphone preislich unterhalb der Marktführer Samsung und Apple platzieren zu wollen. Während das Gerät ohne Vertrag etwa 540 Dollar kosten wird (16 GB-Version), ist es mit einem Zweijahresvertrag von AT&T schon ab 199 Dollar erhältlich. Den Einschätzungen von IHS zufolge subventioniert der Netzbetreiber das Gerät dann mit knapp über 300 Dollar, wohingegen ein iPhone oder Galaxy-Handy weit über 400 Dollar bezuschusst wird.

Wir gehen leer aus

Ein günstiges Smartphone mit aktueller Technik, das noch dazu in der Heimat produziert wird. Für viele Amerikaner dürfte dieses Konzept interessant werden. Deutsche Kunden dürften leider vergeblich auf das »Googlerola«-Smartphone warten. Denn das Handy soll vorerst nicht in Europa vertrieben werden. Allerdings könnte das Moto X erst der Beginn einer neuen Produktfamilie sein, die auch nach Europa kommt, wie ein britischer Sprecher des Unternehmens dem Technikportal Pocket-lint mitteilte.