Mit 200 Mbit/s durch die Elektroinstallation

Powerline kommt in Deutschland nicht so recht vom Fleck. Zwar ist für den Anwender die Aussicht verlockend, etwa für eine Verteilung von Datenströmen im Eigenheim auch die ohnehin vorhandene Infrastruktur der verlegten Elektroinstallation zu nutzen, aber am Markt haben sich die verfügbaren Geräte bislang nicht durchgesetzt.

Powerline kommt in Deutschland nicht so recht vom Fleck. Zwar ist für den Anwender die Aussicht verlockend, etwa für eine Verteilung von Datenströmen im Eigenheim auch die ohnehin vorhandene Infrastruktur der verlegten Elektroinstallation zu nutzen, aber am Markt haben sich die verfügbaren Geräte bislang nicht durchgesetzt.

Dass Powerline bislang so wenig Akzeptanz findet, liegt nicht zuletzt an WLAN, das den Vorteil genießt, dass die Luftschnittstelle mittlerweile in vielen Laptops integriert ist. Und viele Anwender verbinden ihre Geräte per Ethernet-Kabel, um nach dem Netzübergang zum Netzbetreiber (Gateway) in der eigenen Wohnung ein durchgängiges System zu haben. Auch hat die Diskussion über die Abstrahlungen der Powerline-Frequenzen zu einer Verunsicherung der Anbieter und der Anwender geführt. Schließlich lässt die „Konvergenz“ von PC und TV auf sich warten, und die Übertragung etwa von Datenströmen zu jedem beliebigen Radio, Fernseher oder Rechner im eigenen Haus wird ersetzt dadurch, dass eine DVD von einem Raum in den anderen getragen und dort in das entsprechende Gerät eingelegt wird.

Die Anwendung „Fernsehen“ hat der spanische Powerline-Spezialist DS2 (www.ds2.es) nun ins Visier genommen. Auf der diesjährigen NXTComm in Chicago (www.nxtcommshow.com) konnte der Chipset-Hersteller eine Übertragung von AppleTV (www.apple.com/de/appletv) über Netzadapter zeigen, die mit dem DS2-Powerline- Chipset ausgestattet waren. Die Adapter sind von der amerikanischen Powerline- Organisation, der UPA Universal Powerline Association (www.upaplc.org), zertifiziert. Auf der amerikanischen Unterhaltungselektronik- Messe wurde gezeigt, dass eine 10- Mbyte-Datei über die Elektroinstallations- Infrastuktur – also von Steckdose zu Steckdose – in 20 s übertragen werden kann, viermal mehr, als mit der „AppleTV“-Übertragungstechnik. Die amerikanische UPA und die europäische Open PLC European Research Alliance (OPERA) haben im Juni d. J. ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet, in dem sich die beiden Organisationen, die Standards für den Aufbau von Powerline- Netzwerken mit hoher Datenübertragungsrate (BPL – Broadband over Powerline) betreuen, verpflichten, ihre Standards aufeinander abzustimmen. Die dazu entwickelte Zugangsspezifikation wurde gemeinsam in die IEEEArbeitsgruppe P1901 (www.ieee.org) eingebracht, die sich mit der Standardisierung der Powerline-Verfahren befasst. Darüber hinaus soll die Arbeit an einem einheitlichen Powerline-Standard in IEEE und ETSI (European Telecommunications Standards Institute – www.etsi.org) fortgesetzt werden.

Neue Anwendungsfelder für BPL

OPERA selbst wurde erst kürzlich von der Europäischen Kommission ein Projekt bewilligt, mit dem für einen Betrag von 9,6 Mio. Euro neue Anwendungsfelder für BPL erschlossen werden sollen. Hierzu zählen neben dem breitbandigen Internet-Zugang u.a. ELearning, „Voice over IP“-Telefonie oder „Smart Home“-Anwendungen, aber auch „Video over IP“, „Video on Demand“ und „E-Health“.

Unabhängig von diesen Aktivitäten hatte die UPA im Juli 2007 in London den vierten offiziellen „Plug Test“ für die Feststellung der Interoperabilität mit dem „Digital Home“-Standard (DHS) durchgeführt. Ein Beispiel für einen erfolgreichen Testabschluss ist der Powerline-Ethernet-Adapter ILV- 715 der Firma Ilevo (www.ilevo.com), der nun das Kennzeichen „UPA Plug Tested“ tragen darf. Ilevo wurde als „Spin-off“ von Ericsson gegründet, wo ein Team von Telekommunikationsspezialisten Powerline-Verfahren und Anwendungen mit hoher Datenübertragungsrate entwickelte. 2003 wurde das Unternehmen an Schneider Electric (www.schneider-electric.com) verkauft, von dort kamen die Expertise im Umfeld der Energienetz- Infrastruktur und der finanzielle Hintergrund. Ilevo-Produkte werden heute vertrieben von Schneider Electric Powerline.

Ein weiteres, nunmehr UPA-geprüftes Produkt ist das 200-Mbit/s-Powerline- Ethernet-Modem PL-UDP-L1 von Buffalo Technologies, das Mitte August bei den japanischen Einzelhändlern erhältlich sein wird. Das Modem verwendet den Chipsatz von DS2.

Powerline für die Automatisierung des Haushalts

Die Echelon Corporation (www.echelon.com) hat einen neuen Powerline- Chip speziell für den Bereich „Home Automation“ entwickelt. Mit dem „PL 3170 Smart Line Transceiver“ können etwa Hersteller „weißer Ware“ Geräte mit Netzwerk-Verbindung entwickeln. Der Chip arbeitet nach dem Standard der DHA Digital Home Alliance (www.digitalhome.com), die gegründet wurde, um den Geräteherstellern Entwicklungen mit der LonWorks- Technik zu erleichtern. Auch hier wird ein Kennzeichen vergeben: Das „Digital Home“-Logo zeigt, dass das Gerät mit jedem „Digital Home“-Produkt nach LonWorks – nicht nach DHS – innerhalb des Haus-Netzwerks kompatibel ist.

Der neue Chip integriert den Transceiver für das Powerline-Verfahren von Echelon mit einem Anwendungs-Prozessor, der von einer Software names ISI gesteuert wird. Diese Software sorgt nach dem Einstecken des Geräte- Netzsteckers dafür, dass das Gerät sich selbstständig im Netzwerk installiert. Zusätzlich zum Normalbetrieb ermöglicht der Transceiver die bidirektionale Kommunikation über geschaltete Stichleitungen (switched legs), über die etwa Deckenleuchten versorgt werden. Darüber hinaus sind die Chips mit einem Strommess-Schaltkreis ausgestattet, mit dem die Stromaufnahme des Gerätes laufend überwacht werden kann. jw