Osilloskope Mess-Dokumentation am Scope - einfach gemacht

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für innovative Scope-Funktions-Kombination
Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für innovative Scope-Funktions-Kombination

Wie wäre es, wenn Sie Messergebnisse und Analysen einfach über das Internet austauschen könnten? Wenn Sie Geräteeinstellung und Daten eines entfernten Prüfstands in Ihrem Büro auswerten könnten? Dies ist nur ein Beispiel der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten für eine innovative Oszilloskop-Funktions-Kombination.

Bei der neuen Oszilloskop-Funktion handelt es sich eigentlich um ein Datenbanksystem, in dem mit einem einzigen Tastendruck gleichzeitig Rohdaten aller erfassten Signale, die dazugehörigen Geräteeinstellungen sowie eine Bildschirmkopie gespeichert werden. Viele einzelne dieser Funktionen sind an sich nicht neu, da es heute selbst bei günstigen Geräten üblich ist, Geräteeinstellungen sowie Rohdaten zu speichern und in einen Speicher im Oszilloskop zurückgeladen werden können. Neu ist die praxisgerechte Kombination aller dieser Funktionen sowie deren Implementierung in das Gesamtsystem des Oszilloskops. Der Name dieser Funktionssammlung ist „LabNotebook“, verfügbar ist sie in den Labor­oszilloskopen von Teledyne LeCroy.

Zeitersparnis und Übersicht: Die Kombination macht‘s

Es ist bei LabNotebook mit einem einzigen Tastendruck möglich, alle wesentlichen Informationen in einem Eintrag gesammelt und strukturiert abzulegen (Bild 1). Ohne LabNotebook wäre es notwendig, zuerst die Geräteeinstellung zu speichern, dann die Daten der einzelnen Kanäle und anschliessend auch noch eine Bildschirmkopie. Hat man diese Daten unvollständig benannt, ist es später nahezu unmöglich, diese richtig zuzuordnen und zum Beispiel für eine gespeicherte Kanalkurve die Daten der anderen Kanalkurven sowie die dabei verwendete Geräteeinstellung zu finden.

Ein wesentlicher Unterschied zu bisherigen Dokumentations-Tools ist bei LabNotebbok, dass die Signaldaten aus der Datenbank jederzeit wieder zurück in das DSO geladen und erneut analysiert werden können. Dies bedeutet, dass alle Signaldaten wieder in die bei der Erfassung gewählten Kanäle geladen werden, also zum Beispiel die Signalkurve von Kanal 1 wieder in den Kanal 1 des DSO und dies mit nur einem einzigen Tastendruck. Bisher mussten die Signale Kurve für Kurve in die Speicher geladen werden. Dabei ist zum einen die Anzahl der Speicher begrenzt, zum anderen sind bei vielen Geräten nicht alle für die Orginalkanäle verfügbaren Mathematik- und Analysefunktionen für diese Memory-Kanäle verfügbar.

Mit LabNotebook werden neben den offensichtlichen Daten der angezeigten Signalkurven auch automatisch alle für eine erneute Analyse benötigten Rohdaten gespeichert. Wird zum Beispiel auf einem Kanal eine FFT als Mathematik angewendet, so werden zu dieser FFT immer auch die Rohdaten des Kanals abgespeichert, aus der die FFT berechnet wird, unabhängig davon, ob der Anwender den Originalkanal am Oszilloskop angezeigt hat oder nicht. Somit ist es möglich, auch die auf die Daten angewandte Mathematik zu verändern oder Messfehler durch z.B eine falsch gewählte Fensterfunktion in der FFT zu korrigieren.

Auf die mit LabNotebook zurückgelesenen Daten lassen sich somit alle Analysen wie zum Beispiel Parameter-Messungen oder Mathematik anwenden, genau wie bei einer normalen Signalerfassung. Neben dem Zurücklesen der Daten werden mit LabNotebook auch die damit verknüpften Geräteeinstellungen zurück in das Oszilloskop geladen. Damit lässt sich jederzeit eine früher gemachte Messung nachvollziehen oder es kann eine neue Messung mit den genau gleichen Einstellungen durchgeführt werden.

Für die Datenspeicherung oder zur Weiterverarbeitung in anderen Anwendungen lassen sich einzelne Einträge oder auch ganze LabNotebook-Datenbanken als Zip-Archiv exportieren. Da diese Zip-Dateien keine ausführbaren Dateien enthalten, können diese auch problemlos per Mail versendet werden. Die so gespeicherte Datenbank kann wieder in jedes andere Oszilloskop mit LabNotebook-Funktion zur Auswertung importiert werden. Dabei ist es nicht erforderlich, dass das Gerät, auf dem die Auswertung erfolgen soll, vom gleichen Typ ist wie das Modell, auf dem die Datenbank erzeugt wurde.

Die Analysemöglichkeiten sind dabei nur durch die Möglichkeiten des zur Analyse verwendeten Oszilloskops sowie die auf dem Gerät installierten Software-Optionen begrenzt. Dies hat den Charme, dass die Erfassung der Daten auch mit einem einfacher ausgestatteten Oszilloskop möglich ist bzw. es auch möglich ist, die erfassten Daten für eine tiefer gehende Analyse in ein Oszilloskop mit umfassenden Optionen zur Analyse zu importieren. So kann ein Labor ein solches Gerät vielfach nutzen, obwohl die Daten von einfachen und evtl. portablen Modellen erfasst wurden.

Berichte direkt am Scope erstellen

Neben diesen Möglichkeiten beinhaltet LabNotebook umfangreiche Möglichkeiten, um Berichte direkt auf dem Oszilloskop zu erstellen (Bild 2). Die Ausgabe des Berichts kann dabei direkt im Gerät im PDF-, HTML- oder RTF-Format erfolgen, ohne dass eine Zusatz-Software installiert werden muss. Der Bericht beinhaltet neben einer Bildschirmkopie Informationen zum auf dem Oszilloskop angemeldeten Nutzer, das Datum, die Uhrzeit sowie alle wichtigen Geräteeinstellungen.Es ist möglich, zusätzliche Informationen, Markierung wie Pfeile und Kreise sowie Kommentare in den Bericht einzufügen, um die Daten später besser zuordnen zu können.

Steht für die nachträgliche Auswertung gerade kein Teledyne-LeCroy-Oszilloskop zur Verfügung, so können die LabNotebook-Daten mit der Software WaveStudio (Bild 3) geöffnet und analysiert werden. Diese Software ist auf der Teledyne-LeCroy-Webpräsenz kostenfrei erhältlich und enthält einfach gehaltene Analysefunktionen, wie Zoom, Cursor und Messparameter. Daneben beinhaltet diese Software auch sehr nützliche Tools wie einen Datenkonverter, der das LeCroy-spezifische Datenformat in ASCII umwandelt, eine Terminalfunktion zum Testen der Fernsteuerfunktion, einen „Remote Desktop“ zum Fernbedienen des DSO und diverse andere, hilfreiche Tools.

LabNotebook verknüpft letztlich die in einem modernen Oszilloskop schon vorhandenen Funktionen praxisgerecht zu einem ganzheitlichen System, welches das tägliche Arbeiten vereinfacht, und ermöglicht durch die Zusammenfassung der Daten in einer zentralen Datenbank ganz neue Einsatzmöglichkeiten.

 

Der Autor

Thomas Stüber

 
ist Leiter der Applikation und Produktspezialist bei Teledyne LeCroy in Heidelberg.