Handy-TV: Die Zeit ist reif, doch welche Technologie?

Dass das Fernsehen fürs Handy kommt, ist klar. Aber mit welcher Technologie bei uns in Deutschland – das ist wieder offen. Interessantes dazu war auf der IBC in Amsterdam zu erfahren.

Prinzipiell sind für das Handy-TV die Technologien DVB-H und MediaFLO praktikabel – weil bereits erprobt – und auch nutzbar. Das von vielen auch ins Gespräch gebrachte DVB-T (das bereits betriebene digitale Fernsehen fürs Heim) scheidet allerdings aus. Und ISDB-T wird praktisch nur in Asien verwendet.

Das DVB-T hätte zwar den Vorteil, dass keine neuen Lizenzen vergeben werden müssten, weil das Netz bereits in Betrieb ist. Das Problem ist jedoch: DVB-T benötigt relativ große Bandbreiten (wegen der Bildqualität für große Wohnzimmer-Bildschirme). Auf dem Handy sind diese Bildinhalte jedoch nicht nutzbar. Außerdem wären für das DVB-T bei Handy-Nutzung viele neue Sender zu bauen, denn die kleinen Antennen in den Handys führen zu reduzierter Empfangsleistung und würden ein engmaschigeres Sendernetz erfordern. Außerdem ist die Batterielaufzeit in DVB-T-fähigen Handys sehr gering.

Und die Versuche mit DMB (Digital Multimedia Broadcast) sind aus technischen und geschäftspolitischen Gründen seit längerem bereits gescheitert.

Bleiben realistischerweise DVB-H und MediaFLO: Beide sind erprobt. MediaFLO insbesondere in Ballungsräumen der USA, DVB-H ist in einigen europäischen Ländern bereits im Aufbau begriffen bzw. in Ballungsräumen installiert. Beides sind offene Standards.

MediaFLO kann allerdings mit einen gewichtigen Pluspunkt aufwarten: Die Bandbreitennutzung ist erheblich effizienter, so dass mehr Kanäle in gegebenen Frequenzbändern (und die sind im UHF-Bereich wirklich rar) unterzubringen sind. Angegeben werden 32 Kanäle in einem 8-MHz-Band bei MediaFLO. Auch die Kanal-Umschaltzeiten (wichtig für die Anwender-Akzeptanz) sind mit unter 1,5 s nur ein Viertel der Zeit, die DVB-H benötigt.

Die Geschäftsmodelle, die auch wesentlich entscheiden, ob eine Technologie praktikabel ist oder nicht, sprechen derzeit eher für MediaFLO, das vom internationalen FLO-Forum (www.floforum.org) gefördert wird. Denn mehr Kanäle in gegebenem Frequenzband bedeutet auch: mehr Vielfalt und Wahlmöglichkeit zwischen bezahlten und kostenlos empfangbaren Sendern – interessant für Anbieter und Nutzer ebenso wie die Interaktionsmöglichkeit des Nutzers z.B. mit Freunden oder für Abstimmungen.

Das DVB-H wurde bislang zwar europapolitisch mehr unterstützt, jedoch ist mittlerweile wieder ein technologie-neutralerer Politik-Standpunkt zu verzeichnen. Zudem hat in Deutschland der DVB-H-Plattformbetreiber Mobile 3.0, ein Zusammenschluss der MFD Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH und der NEVA Media GmbH, nach nur zweimonatiger Aufbau-Aktivität in Hamburg, München, Frankfurt und Hannover Ende Juli alle Aktivitäten eingestellt. Der Grund waren Unstimmigkeiten u.a. mit den Dienste-Distributoren.

Fazit: Momentan ist noch vieles offen und vieles möglich, sowohl in Deutschland wie auch europaweit. Multi-Mode-Kombinationen mit dem DVB-H und dem technisch attraktiveren MediFLO werden wahrscheinlich die Marschrichtung sein. Chips dafür gibt es bereits z.B. von Qualcomm (www.qualcomm.com).