Femtozellen: Pilotversuche und erste Serviceangebote

Mit Femtozellen können Mobilfunkanbieter Engpässe in der Netzabdeckung beseitigen. Pilotversuche in Europa sollen zeigen, dass Femtozellen neben der Sprachübertragung auch datenintensive Anwendungen übertragen.

Mit den Erfolgen von Blackberry und iPhone steigen auch die mobilen Datendienste in der Gunst der Anwender. Mobilfunkanbieter freuen sich darüber, weil sie dadurch ihre Einnahmequellen für die Zukunft sichern. Sorge bereitet ihnen aber die Aussicht, dass es bei der prognostizierten Entwicklung in spätestens eineinhalb Jahren zu Engpässen bei der Netzkapazität kommen wird. »Die gute Nachricht dabei lautet, dass 46 Prozent des Netzwerkverkehrs von zu Hause oder vom Arbeitsplatz aus verursacht werden«, relativiert Willem Mulder, Vice President Standards and IP von mimoOn, diesen drohenden Engpass.

Gut ist diese Nachricht deshalb, weil es durch Femtozellen eine Möglichkeit gibt, innerhalb von Gebäuden kleine Mobilfunknetze mit hohen Übertragungsraten zu errichten. Statt Gespräche und Daten der Handys über das Mobilfunknetz zu senden, schickt die Femtozelle sie über einen kostengünstigen leitungsgebundenen Zugang durch das Internet. Weil die Zelle ein herkömmliches UMTS-Netz geringer Reichweite erzeugt, sind keine angepassten Handys vonnöten.

Auch aus Kostengründen ist die Femtozelle attraktiv, da sie Handy-Telefonate über bereits bestehende leitungsgebundene Internet-Zugänge schickt, anstatt das Gespräch über das teure Medium Mobilfunknetz zu vermitteln. Der Kunde profitiert so von günstigeren Preisen und kann auf einen herkömmlichen Festnetzanschluss verzichten. Neben den Gebühren spart er sich ein Telefon, und er ist unter einer Rufnummer erreichbar. Für den Mobilfunkbetreiber fallen weniger Kosten für Mietleitungen an – Einsparungen, die er wiederum an den Kunden weitergeben kann.

Kommerzielle Nutzung wird bereits getestet

T-Mobile hat die kommerzielle Nutzung von 3G-Femtozellen bereits mit Mitarbeitern in Deutschland, Großbritannien und Polen getestet. In den drei Ländern kamen jeweils unterschiedliche Geräte von drei verschiedenen Herstellern zum Einsatz, deren Namen T-Mobile nicht bekannt gibt. Zu den Problemen, die sich während des Pilotversuchs ergaben, zählen beeinträchtigte Übertragungsraten im Mobilfunk aufgrund begrenzter DSL-Breitbandverbindungen. Außerdem gab es Schwierigkeiten bei der Lokalisierung der Femtozellen. Die Akkulaufzeiten im Standby-Modus waren niedrig, und es kam zu Interferenzen zwischen Makro- und Femtozellen. Allerdings erklärte Bernhard Scholl, der für die Serviceabdeckung und Übertragungslösungen sowie das 2G-LTE-Design bei T-Mobile zuständig ist, dass die aufgetretenen Probleme die Femtozellen-Nutzung nicht generell in Frage stellen.

Wie es bei T-Mobile nun genau in Sachen Femtozellen weitergeht, ist aber unklar. Scholl verkündete auf dem »Mobile World Congress 2009« in Barcelona, dass es ab Mitte des Jahres einen kommerziellen Femtozellenservice geben soll, der aber nur für bestimmte Kundengruppen zur Verfügung stehen wird. Maika-Alexander Stangenberg, Sprecher Mobile Datendienste bei T-Mobile, kann diese Aussage jedoch nicht bestätigen. Er berichtet vom Einsatz der Femtozellen-Technik in verschiedenen Telekom-Shops in Deutschland, der weitere Ergebnisse zu einem Massenmarktbetrieb liefern soll.

Neben T-Mobile unternehmen Vodafone in Spanien und TDC in Dänemark Pilotversuche mit Femtozellen. Vodafone Spanien adressiert gemeinsam mit Huawei das Vodafone Access Gateway an Firmenkunden. Damitt will Vodafone die Sprach- und Datenbreitbandabdeckung in Gebäuden verbessern. Die Downloadgeschwindigkeit kann dabei bis zu 7,2 MBit/s betragen. Um einen potenziellen Roll-out Ende 2009 vorzubereiten, testen TDC Mobile A/S und NEC Femtozellen-Access-Points für den Heimbetrieb innerhalb eines Feldversuchs. Sowohl die Femtozellen-Access-Points bei den Endanwendern als auch das Femtozellen-Gateway und das Management- und Abrechnungssystem auf Seiten des Providers stammen von NEC.