Fällt 2010 die 1-Gbit/s-Marke?

Im IEEE hat eine eigene Arbeitsgruppe mit der Definition eines neuen Funk-Standards begonnen, in dem eine Übertragungsrate von maximal 1 Gbit/s spezifiziert sein soll. Damit steht eine Revolution im Mobilfunk-Sektor bevor, denn heute liegen die Übertragungsraten noch deutlich unter 10 Mbit/s.

Im IEEE hat eine eigene Arbeitsgruppe mit der Definition eines neuen Funk-Standards begonnen, in dem eine Übertragungsrate von maximal 1 Gbit/s spezifiziert sein soll. Damit steht eine Revolution im Mobilfunk-Sektor bevor, denn heute liegen die Übertragungsraten noch deutlich unter 10 Mbit/s.

Der neue Breitband-Standard nennt sich 802.16m; er wird momentan von einer Arbeitsgruppe definiert und soll im Jahre 2009 fertig sein. Wesentlicher Punkt ist die angepeilte Übertragungsrate von 1 Gbit/s im Portabel- Betrieb und immerhin von 100 Mbit/s bei 250 km/h Geschwindigkeit des Mobilfunk-Teilnehmers, 30 km Zellendurchmesser, das Ganze IP-basierend, mit OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing), MIMO (Multiple Input, Multiple Output) und adaptiven Antennenstrukturen. Dieser Standard soll ab dem Jahre 2010 den Übergang zwischen den 3G-Mobilfunknetzen und der wahren „4. Generation Mobilfunk“ schaffen. Motorola und Nokia sitzen in diesem IEEE-Führungsgremium.

Und selbst wenn man die Übertragungsraten als Maximalwerte ansieht und in einer ausgelasteten Zelle nur ein Zehntel erwartet, dann ist das immer noch genug, um High-speed-Mobilfunk für das Internet und Multimedia zu schaffen. Aber auch die Entwicklungen rund um die UMTS-Highspeed- Nachfolge LTE sind im Geschwindigkeitsrennen mit dabei.

NGMN fordert 100 Mbit/s

Das Jahr 2010 wird letztlich zeigen, wie es in der Mobilfunkerei weitergeht. So denkt auch die NGMN-Initiative (Next Generation Mobile Networks, www.ngmn.org), in der seit Spätherbst 2006 zahlreiche Netzbetreiber in einer „Ltd.“ zusammengeschlossen sind – darunter Schwergewichte wie Vodafone, T-Mobile, NTT DoCo- Mo, Sprint, KPN, Orange, AT&T oder China Mobile. Sie wollen, dass an einem Strang gezogen wird und dass Mobilfunk mit 100 Mbit/s möglich sein muss (für Multimedia und Fernsehen; einige Parameter siehe Tabelle, eine Übersicht im Bild als „Roadmap“) – wobei die Technologie sekundär zu sein scheint, so die NGMN-Verantwortlichen.

Die höhere Bandbreite könne natürlich, so die NGMN-Initiative, über die bestehende UMTS-Infrastruktur realisiert werden. An den Basisstationen müsste man dafür allerdings mehrere Hardware-Komponenten ersetzen. Und Ericsson hat bereits im Rahmen seiner UMTS-LTE-Anstrengungen (Long Term Evolution) 144 Mbit/s erreicht. Aber auch die neuen Standards aus der 802.16-Familie des IEEE wären für die NGMN-Mitglieder nicht tabu, so die Verantwortlichen; ein Wettbewerb steht also bevor.

Spektrum, Spektrum, Spektrum ...

Mit ihrem NGMN-Zusammenschluss wollen die Netzbetreiber außerdem neue Anwendungsbereiche erschließen. So will man im ländlichen Raum schnelle Internet-Anbindungen bereitstellen, wo kein ADSL2+ oder VDSL verfügbar ist. Dafür werden aber zusätzliche Frequenzbereiche benötigt. Die Mobilfunker spekulieren hier vor allem auf das UHF-Spektrum zwischen 400 und 800 MHz, das derzeit noch vom Analogfernsehen belegt ist. Da dieses TV aber nur noch von rund 5 Prozent der Bevölkerung genutzt wird und außerdem der Wechsel auf digitales TV massiv weitergeht, ist man optimistisch, dass die Bundesnetzagentur die UHF-Frequenzen bis 2010 oder 2011 freigibt. ...

... auch international

Auch international setzen die Mitglieder der Initiative auf mehr Spektrum. Auf der im Herbst dieses Jahres stattfindenden World Radio Conference der Telekommunikationsorganisation der Vereinten Nationen ITU (International Telecommunication Union) soll das Thema auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die niedrigen Frequenzbereiche hätten vor allem den Vorteil, dass die einzelnen Basisstationen eine größere Reichweite erhielten. ha

  • 100 Mbit/s Datenübertragungsrate im Downlink pro Zelle
  • 50 Mbit/s im Uplink
  • 20 MHz benötigte Frequenzbandbreite
  • deutlich geringere Latenzzeiten (unter 10 ms) als derzeitige drahtlose Netze
  • Intersystem-Handover
  • höhere Spektrumeffizienz, also geringere Kosten pro Datenvolumen
  • Modulation: OFDMA, downlink: QPSK/16QAM/64QAM, uplink: BPSK/QPSK/16QAM
  • kommerziell verfügbar ungefähr ab 2010
Tabelle 1. Parameter für ein künftiges Mobilfunk-Netz, wie sie von der NGMN-Initiative gefordert werden.

Verwandter Artikel: