Ende des Breitband-Trauerspiels?

Der jetzt auf den Weg gebrachte »Infrastruktur-Atlas« soll dazu beitragen, die Breitband-Misere im Flächenstaat Deutschland zu beenden.

Anwendungen der Zukunft wie Telemedizin, Tele-Learning oder der interaktive High-speed-Datenaustausch über verschiedene flächige Gewerbestandorte hinweg verlangen langfristig Übertragungsraten von über 100 Mbit/s. Annähernd flächendeckend verfügbar sind heute nur 384 kbit/s bis 1 Mbit/s. Rund 25 Prozent der Kommunen bei uns haben weniger als 1 Mbit/s für ihre Bürger, viele Landgemeinden gar nur ISDN mit 64 kbit/s.

Aus diesem Grund haben Bundeswirtschaftsministerium, Bundesnetzagentur und Industrie (mit dabei die Telekom) den Infrastruktur-Atlas konzipiert und jetzt begonnen, ihn mit Daten zu füllen. In dem Atlas sollen im Detail jene Infrastrukturen aufgeführt werden, die für den Aufbau neuer Datennetze genutzt werden können: vorhandene Glasfaserleitungen, Leerrohre, Richtfunkstrecken oder Standorte von Funkmasten. Damit soll auch der Hauptkostenfaktor beim Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze verringert werden, die so genannten Grabekosten. Sie entstehen bei Tiefbauprojekten zur Kabelverlegung.

Ein weiterer Eckpfeiler der Breitbandstrategie der Bundesregierung ist die Vergabe der Funkfrequenzen, die nach der Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens frei gewordenen sind.

Die Bundesregierung hat sich in ihrer Breitbandstrategie das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2014 drei Viertel aller deutschen Haushalte mit 50-Mbit/s-Anschlüssen zu versorgen. Um dies zu erreichen, muss die Industrie mindestens 30 Mrd. Euro investieren. Darin enthalten sind neben der Aufrüstung der Netze auf 50 Mbit/s auch die Investitionen für die Erschließung der weißen Flecken. Um zumindest jeden zweiten Haushalt mit 100 Mbit/s zu versorgen, sind weitere 16 Mrd. Euro notwendig.
 
Eine aktuelle Studie der Columbia Business School hat ergeben, dass die Aufrüstung der Netze auf 50 Mbit/s bis zum Jahr 2014 rund 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland schafft, vor allem in der Bauwirtschaft, bei Anbietern von Telekommunikationsdiensten und Elektronikherstellern. Zudem gibt es erhebliche indirekte Effekte in der Internetwirtschaft, in den Medien, im Gesundheitswesen, im Handel oder bei Dienstleistern. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt beträgt der Studie zufolge in den kommenden fünf Jahren rund 60 Mrd. Euro.