Kleiner, schicker, preiswerter und mit mehr Funktionen Durchbruch bei Wearables?

Wearables - die Anwendungssegmente und zukünftige Applikationen
Wearables - die Anwendungssegmente und zukünftige Applikationen

Seit der Ankündigung der Apple Watch ist das Interesse an Wearables deutlich gestiegen. Werden die kompakten elektronischen Geräte ihren Siegeszug antreten, sobald das neue Spielzeug von Apple auf dem Markt ist?

Nach Smartphones und Tablets sind Wearables der nächste Schritt hin zum vernetzten Nutzer. Im vergangenen Jahr sind die Umsätze bei den am Körper tragbaren Minigeräten insbesondere auf dem Konsumgütermarkt gestiegen, so dass sich die noch neue Produktkategorie in diesem Jahr erst richtig zum Trend entwickeln könnte. Viele setzen darauf, dass die Apple Watch, die in diesem Frühjahr auf den Markt kommen soll, für den erhofften Durchbruch im Massenmarkt sorgt. Denn erst durch die Ankündigung dieser Smartwatch wurde das Thema Wearables präsenter in den Köpfen vieler Leute und das Kaufinteresse hat seitdem stark zugenommen.

Bereits zum vergangenen Weihnachtsfest wurde aufgrund des größeren Interesses ein Verkaufserfolg erwartet. So ermittelte Samsung in einer Handelsumfrage, dass Wearables beliebte Weihnachtsgeschenke sind, und rechnete allein in Deutschland mit einem Umsatzertrag von 126,17 Mio. Euro im Weihnachtsgeschäft. Im Jahr 2013 betrugen die Wearables-Umsätze in den letzten sechs Wochen vor Jahresende dagegen nur 45,15 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr prognostizierte die Studie eine Steigerung um 177,3 % auf 465,69 Mio. Euro auf dem deutschen Markt. In Stückzahlen bedeutet das einen Anstieg von etwa 75.000 im Jahr 2013 auf 540.000 im vergangenen Jahr.

Es ist schwierig, das weltweite Marktpotenzial von Wearables für die kommenden Jahre realistisch abzuschätzen. Der Grund: die schier endlose Produktvielfalt. Denn die Elektroniklösungen, die hauptsächlich dazu da sind, Daten zu erfassen oder an den Nutzer zu über­mitteln, haben nur ein Merkmal gemeinsam – sie müssen am Körper getragen werden. Aber ob sie am Kopf, an den Füßen oder Armen, am Handgelenk oder an der Hüfte befestigt werden, bleibt dem Einfallsreichtum der Entwickler und der Akzeptanz der Käufer überlassen. Auch bezüglich des Formfaktors sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Neben Uhren, Armbändern und Brillen sind Kleidungsstücke, Kontaktlinsen und Schmuck Beispiele für Gegenstände, die mit elektronischen Funktionen ausgestattet werden können. Im Moment ist der Markt stark konsumgetrieben. Bislang konnten nur im Fitness- und im Gesundheitsbereich signifikante Verkaufszahlen erzielt werden. Doch sowohl für Privatanwender als auch im professionellen Bereich sind zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten denkbar.

Die Anwendungssegmente

In Unternehmen kann man sich verschiedene Szenarien vorstellen. Über kabellose Kopfhörer und Armbänder bekommen Angestellte, die sich während ihrer Arbeit von einem Ort zum anderen bewegen müssen, bessere Kommunikationsmöglichkeiten. Smart Glasses könnten es beispielsweise Mitarbeitern im Anlagenbau erlauben, durch Mauern hindurchzusehen. Auch das Nachverfolgen des genauen Standorts von Mitarbeitern wird mit Wearables möglich. Es gibt schon jetzt Unternehmen, die ihren Mitarbeitern bereits solche Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich durch Wearables am Arbeitsplatz sowohl die Produktivität als auch die Zufriedenheit der Angestellten erhöhen lassen könnte.

Für das Militär könnten Wearables zu bedeutsamen Hilfsmitteln werden. So ist es mit tragbarer Elektronik kein Problem, die Lebensfunktionen eines Soldaten zu überwachen. Bereits entwickelt wurde außerdem ein Datenhelm, der den Soldaten mittels Augmented-Reality-Techniken in Echtzeit so viele Informationen wie möglich über ihre nähere Umgebung bereitstellt.

Ein anderes Segment, in dem eine zügige Verbreitung von Wearables erwartet wird, ist die Medizintechnik. Wenn man der aktuellen Deloitte-Studie „Healthcare and Life Sciences Predictions 2020“ glaubt, werden Wearables als Mittel zur Krankheitsprävention und zur Analyse des Wohlbefindens in wenigen Jahren eine hohe Marktdurchdringung aufweisen. Demnach werden die elektronischen Minigeräte eine Vielzahl physiologischer Parameter überwachen – angefangen von der Körperhaltung bis hin zur Gehirnaktivität (Bild 1). Da ein einzelner Nutzer möglicherweise mehr als ein elektronisches Gerät direkt am Körper tragen wird, müssen diese nahtlos miteinander zusammenarbeiten, um die von den einzelnen Sensorgeräten erfassten Daten miteinander zu verknüpfen. Nur so kann ein umfassendes Bild des Anwenders entstehen.

Die Marktforscher von Deloitte sehen verschiedene Nutzergruppen für die sogenannten mHealth Wearables. Auf der einen Seite sollen sie zur Prävention und Sicherheit dienen, auf der anderen Seite sollen sie das Aufzeigen der Lebensqualität ermöglichen. Daneben könnten Wearables auch vom Arzt verordnet werden, um den Gesundheitszustand von Patienten besser beobachten zu können. Das Ausnutzen dieser Funktion hätte zur Folge, dass Patienten schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden könnten als bisher. Durch die Übermittlung der Vitaldaten an den Hausarzt ließen sich auch die Anzahl der Arztbesuche deutlich verringern. Damit die Einschätzungen des Marktforschungsinstituts Wirklichkeit werden können, muss die technische Entwicklung noch weitere Fortschritte machen. Die nächste Generation der Wearables muss in der Lage sein, besser miteinander zusammenzuarbeiten und es ist notwendig, dass die Datenausgabe ergebnisorientierter wird. Außerdem ist speziell im medizinischen Bereich eine zuverlässige Datenqualität entscheidend, Sicherheitsaspekte sollten bedacht werden und die Geräte müssen deutlich preisgünstiger werden.