Die Strategie ist beim Femtozelleneinstieg entscheidend

Entscheidend für den Durchbruch von Femtozellen ist die Frage, welche Strategie Mobilfunk- und Festnetzanbieter einschlagen. Bestimmte technische Aspekte und Standardisierungspunkte müssen zudem gelöst werden, um Kinderkrankheiten zu beseitigen.

Obwohl weltweit einige Pilotprojekte mit Femtozellen laufen bzw. bereits abgeschlossen sind und es schon erste rudimentäre Services gibt, ist noch nicht abzusehen, wann die Femtozellen den Massenmarkt erobern. »Weltweit sind die Voraussetzungen für Femtozellen unterschiedlich, und Mobilfunkanbieter haben verschiedene Gründe, einen Femtozellenservice anzubieten«, meint Josef Alt, Business Development Manager Communication Infrastructure bei Texas Instruments. Das bestätigt auch Willem Mulder, Vice President von mimoON: »Es gibt verschiedene Szenarien für den Femtozelleneinsatz. Die Mobilfunkanbieter loten gerade aus, wann der Einstieg für sie am sinnvollsten ist, und entwickeln entsprechende Businessmodelle«.

So stehen viele UMTS-Netzbetreiber heute vor der Entscheidung, ihre mit High Speed Packet Access (HSPA) ausgerüsteten Netze über Femtozellen zu erweitern oder damit zu warten, bis sie LTE-Infrastrukturen errichten. High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) erreicht theoretisch Downlink-Datenraten von 14,6 MBit/s. In der Praxis bieten T-Mobile, Vodafone und O2 in Deutschland verbreitet 3,6 MBit/s an.

Bestimmte Netzsegmente sind auch schon mit 7,2 MBit/s versorgt. Der schnelle Femtozelleneinstieg auf HSPA-Basis könnte Netzengpässe in Gebäuden schon heute beseitigen und Kunden einen Service bieten, der ihnen einen Festnetzanschluss erspart. Doch möglicherweise wollen die Netzbetreiber gerade in Deutschland damit warten, da sie sich als gleichzeitige Festnetzanbieter durch den etwas weiter gediehenen DECT-Nachfolgestandard CAT-iq erst einmal eine andere Einnahmequelle sichern wollen.

Femtozellen, eingebettet in LTE

Aus technischer Sicht hätte die LTE-Variante laut Mulder den Vorteil, dass das Netzmanagement einfacher ist und sich Interferenzen besser vermeiden lassen. In diesen Wochen soll der LTE-Standard 3GPP Release 8 ratifiziert werden, der die Grundlagen der Femtozellentechnik ebenfalls enthält. Simon Saunders, Präsident des Industrieverbands Femto Forum, wertet dies als großen Fortschritt: »Noch Ende 2007 war die Femtozellenindustrie von vielen unterschiedlichen Ansätzen zur Netzwerkintegration und dem Gerätemanagement beherrscht. Kein Standardisierungsgremium beschäftigte sich ernsthaft mit einem der Femtozellen-Pilotprojekte. Doch schon ein Jahr später hat die 3GPP-Allianz einen Femtozellenstandard weitgehend fixiert, während bei 3GPP2 und im Wi- MAX-Forum ebenfalls viele Aktivitäten stattfinden.«

Der 3GPP-Standard beschreibt die UMTS-Femtozelle als Home Node B und die LTE-Femtozelle als Home eNode B in Anlehnung an die Bezeichnung Node B für die Basisstation einer UMTS-Makrozelle beziehungsweise eNode B in der LTE-Version. Als wichtige Schnittstelle zwischen Femtozelle und Gateway haben sich verschiedene Femtozellenhersteller auf Iu-h geeinigt, die eine Mischung aus dem bereits existierenden Standard Iu und Generic Access Network (GAN) darstellt. Durch Iu-h, der ebenfalls im Release 8 enthalten ist, können Femtozellen und Gateways unterschiedlicher Hersteller miteinander arbeiten. Einigkeit herrscht auch über das Protokoll TR-069 zum Femtozellen-Management. Mit dem Standard, der in Kürze ratifiziert werden soll, sind Chip- und Gerätehersteller in der Lage, standardkonforme Produkte herzustellen und Interoperabilitätstests durchzuführen.