Schneller als Google Glass Datenbrille Epson Moverio im Kurztest

Präsentation der Epson Datenbrille Moverio BT-200
Grund zur Freude: Mit der Epson Moverio wird das Trendthema Augmented-Reality-Brille zum ersten Mal markttauglich. Ab Mai ist die Moverio im Handel erhältlich, bereits im März öffnet der Moverio Apps Market für Entwickler.

Epson traut sich mit seiner smarten Brille Moverio BT-200 als erster Hersteller auf den Markt. Wir zeigen, warum sie mehr Augmented Reality bietet als Google Glass und welche Schwächen man dafür in Kauf nehmen muss.

Sie sieht aus wie ein Gadget aus einem Science Fiction-Streifen der 80er Jahre, bietet aber auch Möglichkeiten, die man sich damals nur in der Fiktion vorstellen konnte. Die Datenbrille Moverio BT-200 ist die zweite Version von Epsons Augmented-Reality-Brille und soll ab Mai in den Regalen stehen. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Moverio zwar um die Hälfte geschrumpft und deutlich leichter geworden, dennoch sieht sie längst nicht so dezent und elegant aus wie etwa Google Glass. Allerdings verfolgt Epson mit ihr auch einen ganz anderen Ansatz. Während Googles Cyberbrille lediglich einen kleinen Bildschirm am oberen rechten Rand des Sichtfeldes einblendet, erzeugt die Moverio ein bis zu acht Meter breites Bild, welches sich binokular über beide Augen erstreckt und direkt im Blickfeld des Nutzers entsteht. Eine Vielzahl an Sensoren und die eingebaute Kamera sollen dann dafür sorgen, dass die Bewegungen des Brillenträgers und seine Umgebung in speziellen Apps eingebunden werden. Zur Deutschlandpremiere in München zeigte Epson einige solcher Beispiele (siehe Bilderstrecke). 

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Hands-On: Das kann Epsons smarte Brille

Epson Moverio BT-200 im Test

Die Technik

Die Moverio BT-200 bietet dank des 1,2-GHz-Dual-Core-Prozessors von Texas Instruments (OMAP 4460) und 1 GB Arbeitsspeicher mehr Rechenpower als Google Glass. Man hat sich dafür entschieden, die Technik in eine externe Elektronik-Box auszulagern, die per Kabel mit der Datenbrille verbunden ist. Diese Box enthält auch ein Multitouch-Trackpad zur Steuerung des Betriebssystems. Außerdem findet man hier den 2720-mAh-Akku und einen Micro-SD-Karten-Einschub, über den sich die internen 8GB Speicher um weitere 32GB erweitern lassen. In der Brille selbst stecken allerlei Sensoren: Ein Gyroskop, ein GPS-Modul, Beschleunigungsmesser, ein Kompass und das Mikrofon. Hinzu kommt eine VGA-Kamera, die allerdings nicht für Fotos und Videos gedacht ist, sondern dazu dient, die Umgebung zu scannen, um potentiellen Apps die nötigen Daten zu liefern.

Die Brille wiegt 88 Gramm und kann per WLAN, Bluetooth und Miracast (Androids Pendant zu Apples AirPlay) nach draußen telefonieren. Die berechtigte Frage, warum nicht gleich ein Mobilfunkmodul für mobile Videotelefonie  integriert wurde, begründete Epson damit, dass heutzutage sowieso jeder ein Smartphone dabei habe.

Praxistest

Die Brille fühlt sich trotz des reduzierten Gewichts noch recht schwer und kopflastig an. Damit sie nicht von der Nase rutscht, hat Epson zwei Gummihaken spendiert, die das Gestell hinter den Ohren fixieren. An den halbtransparenten Bildschirm direkt vor den Augen hat man sich schnell gewöhnt, auch die Auflösung (qHD) geht in Ordnung. Die Bedienung per Touchpad ist gewöhnungsbedürftig, da man nicht direkt auf die Bedienelemente blickt. Mehr Spaß macht da schon die Steuerung der speziell angepassten Apps, bei denen die Elektronikbox in der Tasche verschwinden kann. Bei den grafischen Details können die Demo-Programme allerdings noch nicht vollends überzeugen, dafür sind Auflösung und Rechenleistung wohl einfach noch zu schwach. Insgesamt macht es aber Spaß, mit den Möglichkeiten der Brille zu spielen, vor allem, weil es unbemerkt geschieht und die Außenstehenden von den Inhalten nichts mitbekommen. Besonders wenn virtuelle und reale Welt übereinander gelagert werden, bekommt man eine Ahnung von den vielfältigen Möglichkeiten einer AR-Brille.

2720-mAh

Google Glass oder Epson Moverio?

Ein direkter Vergleich zwischen Google Glass und der Epson Moverio BT-200 ist schwierig, da sich beide Brillen technisch stark unterscheiden. Für alltägliche Aufgaben, etwa um Nachrichten zu checken, kurze Videos zu drehen oder an einen bestimmten Ort zu navigieren, ist Googles Datenbrille sicherlich besser geeignet. Für solche Aufgaben ist die Kombination aus kleinem Info-Bildschirm und Sprachsteuerung ideal geeignet. Möchte man hingegen ganze Videos schauen oder Spiele spielen, ist der große virtuelle Bildschirm der Moverio erste Wahl. Das Zusammenspiel von Live-Ansicht und darübergelagerten Inhalten hat großes Potential, sei es für interaktive Trainings-Programme oder für eingeblendete Arbeitsanweisungen in Echtzeit.

Fazit

Mit der Moverio BT-200 gibt Epson einen Ausblick auf die zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten von Augmented Reality. Was am Smartphone noch zu viel Aufwand bedeutet, könnte durch smarte Brillen massentauglich werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geräte noch kleiner, leichter und unabhängiger werden. Die Moverio ist ein Zwischenziel auf dem Weg dorthin, wenngleich das externe Trackpad den Spaß mindert. Damit Epson für die 700 Euro teure Brille genügend Abnehmer findet, ist das Unternehmen - genau wie andere Anbieter auf diesem Gebiet - auf die Ideen und Unterstützung von Software-Programmierern angewiesen. Im geschäftlichen Bereich gibt es viele denkbare Anwendungsfälle, ähnlich wie es Beckhoff bereits anhand von Google Glass gezeigt hat. In der Unterhaltungselektronik wird die erste gewerblich produzierte Datenbrille wohl ein Gadget für Technikliebhaber bleiben. Dennoch muss man Epson dankbar sein, denn nur wenn einer vorangeht, kann sich die Technologie weiterentwickeln.