Festnetz Alles auf IP

Schluss mit dem Kabelsalat. Mit einem IP-Anschluss wird die Geräteinstallation für die Kunden einfacher.
Schluss mit dem Kabelsalat. Mit einem IP-Anschluss wird die Geräteinstallation für die Kunden einfacher.

Die Deutsche Telekom stellt ihr Netz in den nächsten drei Jahren komplett auf IP-Technik um. Das soll nicht nur die Datenraten erhöhen sondern auch Geschäftsprozesse vereinfachen. Die Buchung von Telekom-Diensten soll so einfach werden wie eine Warenbestellung im Internet.

Einst galt ISDN als „Breitband“ – bei seiner Einführung 1989. Damals glaubte man, dass mit dieser Technik vorerst alle Bandbreitenprobleme gelöst seien. Doch die Geschichte lehrt: Ebenso wie bei Rechenleistung kann die Datenübertragungsrate nie hoch genug sein. Inzwischen ist nun sogar schon die nächste Generation am Ende: VDSL, das mit großem Nachdruck zur Fußball-WM 2006 eingeführt wurde, ist ebenso wie ISDN nicht mit der neuen Technik kompatibel, auf die die Telekom jetzt umstellt.

Glasfaser bis zum Verteilerkasten

Während Stadtnetzbetreiber wie z.B. M-net die Glasfaser bis in die Gebäude verlegen, verfolgt die Telekom einen anderen Ansatz: Sie nutzt die bestehenden Kupferleitungen, die von den grauen Verteilerkästen auf der Straße bis in die Haushalte führen. Wenn die Telekom von Glasfasererschließung spricht, dann meint sie, dass diese Verteilerkästen (Anschlussknoten in Bild 1) an die Faser angeschlossen sind. Die maximal mögliche Datenrate für die Haushalte steigert sich damit von 16 auf 50 Mbit/s. Mit „Vectoring“ können diese 50 Mbit/s nochmals auf 100 Mbit/s verdoppelt werden. Vectoring nutzt ein anderes Modulationsverfahren als bisher, das das gegenseitige Übersprechen auf den Kupferleitungen besser entstört. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sämtliche Anschlüsse in einem Teilnetz auf IP-Technik umgestellt sind. Gesteuert wird die gegenseitige Kompensation auf dem Kabelstrang über den DSL-Zugangsmultiplexer, der dazu sämtliche Leitungen unter Kontrolle haben muss, damit bekannt ist, welches Signal zu welchem Zeitpunkt auf jeder Leitung anliegt. Ein gemischter Betrieb mit und ohne Vectoring ist also nicht möglich – IP und PSTN (Public Switched Tele­phone Network) können aber in einer Übergangsphase koexistieren. Erst müssen alle Anschlüsse auf IP umgestellt werden, dann kann die Telekom Vectoring mit 100 Mbit/s anbieten. Diese Umstellung ist bereits in vollem Gange. Pro Woche werden ca. 60.000 Kunden umgestellt.

Sanfter und weniger sanfter Druck

Von den knapp 21 Millionen Anschlüssen der Telekom wurden bis Ende 2014 bereits 5,8 Millionen – also etwa ein Viertel – mit IP-Technik betrieben. Die Umstellung geschieht immer dann, wenn Kunden ihren Vertrag ändern oder ein neues Leistungsmerkmal buchen. Irgendwie muss die Telekom aber auch die restlichen Kunden umstellen, die keine Änderung wünschen. Betroffen sind hier diejenigen, die bereits einen schnellen Anschluss mit bis zu 50 Mbit/s und ISDN- oder Analogtelefonie haben. Geografisch sind ca. 50 Städte betroffen, in denen ab 2006 VDSL ausgebaut wurde. Für den ISDN-Anschluss gibt es keine Zukunft mehr. Die Telekom empfiehlt, bestehende ISDN-Anlagen an einen Router mit S0-Bus anzuschließen oder sich einen ISDN-Adapter für 69 Euro zu beschaffen. Die Kunden bekommen von der Telekom zunächst ein Angebot zur Vertragsumstellung und – wenn dieses nicht angenommen wird – eine ordentliche Kündigung mit drei Monaten Kündigungsfrist zum Ende der Vertragslaufzeit. Weniger problematisch sind die vier Millionen Kunden mit bestehenden Analoganschlüssen ohne Internet. Die Analoganschlüsse können in der Vermittlungsstelle simuliert werden, sodass die Kunden von der Umstellung nichts merken. Eine Benachrichtigung erhalten sie der Form halber aber trotzdem.