Kienbaum: HR-Arbeit von Start-ups unprofessionell

Mehr Einstellungen in VC-finanzierten Unternehmen Mit Venture Capital und Private Equity finanzierte Unternehmen wollen mehr Mitarbeiter einstellen als traditionell finanzierte Unternehmen, haben aber große Probleme, gute Leute auf sich aufmerksam zu machen.

44 Prozent der mit Chancenkapital versorgten Firmen wollen noch in diesem Jahr ihre Mitarbeiterzahl um mindestens 70 Prozent ausbauen. Einen derartigen Beschäftigungszuwachs planen jedoch nur neun Prozent der traditionell finanzierten Unternehmen. 22 Prozent der Traditionsunternehmen müssen sogar Personal abbauen. Im Vergleich setzen lediglich zwei Prozent der Wachstumsunternehmen Mitarbeiter frei. Das ist das Ergebnis einer Studie von Kienbaum mit dem Titel »Recruiting in Venture Capital (VC) und Private Equity (PE) finanzierten Unternehmen 2006«.

Die Personalsuche der »jungen Wilden« wertet Kienbaum als zu ineffektiv: 65 Prozent der Unternehmen bekämen ihren Wunschkandidaten nicht. »Die Ursache ist eine unprofessionelle Personalsuche. Unternehmerische Unternehmen suchen unternehmerisch denkende Mitarbeiter. Potenzielle Mitarbeiter, die in ein Start-up gehen, suchen die unternehmerische Herausforderung. Dennoch finden diese Gruppen einander häufig nicht. VC/PE-finanzierte Unternehmen haben große Probleme, gute Leute auf sich aufmerksam zu machen und zu gewinnen «, so Dr. Marion Weber, Mitglied der Geschäftsleitung von Kienbaum Wien.

Der Grund mag in unzureichender Personalarbeit liegen. Obwohl die Gewinnung guter Kandidaten von Wachstumsunternehmen als Hauptherausforderung genannt wird, führt hier die Abteilung HR im Vergleich zu Traditionsunternehmen ein Schattendasein. So sind mit Ausnahme von Beteiligungssystemen alle HR-Instrumente wie zum Beispiel Mitarbeitergespräche, Coaching, Personalplanung und -marketing in traditionell finanzierten Unternehmen stärker verbreitet.

Zudem soll die Personalsuche offenbar möglichst wenig kosten: 93 Prozent der befragten Start-ups setzen auf Kontakte aus dem persönlichen Umfeld, bei 88 Prozent entscheidet der Zufall. Auf eigene Inserate greifen nur 51 Prozent und auf Personalberater lediglich 26 Prozent zurück. Anders hingegen traditionell finanzierte Unternehmen: 93 Prozent rekrutieren über Anzeigen und 81 Prozent über Personalberater.

Dabei sind die Anforderungen nicht ohne: Gefordert wird unternehmerisches Denken, Selbständigkeit, Flexibilität und Risikofreude. Wer sich bei einem Start-up bewirbt, erwartet den »Aufbau von etwas Neuem« (92 %), »unbürokratische Strukturen« (73 %) und ein »breites Aufgabenspektrum« (72 %). Weniger geschätzt werden die »unsichere Zukunft«, »ständige Veränderungen « und »mangelnde finanzielle Attraktivität«.

Traditionelle Unternehmen legen dagegen verstärkt Wert auf Fachkenntnis, Alter und Erfahrung sowie Internationalität. Wer sich hier bewirbt, will kein Risiko: bei 71 Prozent der Kandidaten dominieren die finanziellen Anreize, bei 53 Prozent die Faktoren Stabilität und Sicherheit. An der Studie nahmen insgesamt 124 PE/VC-finanzierte und 161 traditionell finanzierte Unternehmen sowie 140 Kandidaten für Führungspositionen teil.