Kein Grund zur Nervosität

Der Halbleiterstandort Sachsen steht vor großen Herausforderungen: AMD und Qimonda schreiben rote Zahlen und es gibt zu wenige Unternehmensgründungen. Dirk Hilbert ist Wirtschaftsbürgermeister von Dresden und erläutert, wie die Stadt mit der Situation umgeht.

Die wirtschaftliche Situation bei AMD und Qimonda ist derzeit nicht so gut. Beide Unternehmen haben angekündigt, 10 Prozent ihrer Belegschaft abzubauen. Wird Ihnen da unwohl?

Ganz ruhig bleibt man da natürlich nicht. AMD und Qimonda sind die größten privaten Arbeitgeber hier und deshalb müssen wir uns damit beschäftigen. Wir machen das aber nicht erst seit den letzten Meldungen sondern sind an dem Thema schon länger dran. Das Problem ist dabei nicht unbedingt, ob es ein paar mehr oder weniger Arbeitsplätze gibt oder ob der Zyklus gerade nach oben oder unten geht, sondern wie die Unternehmen platziert und wie die Konkurrenzverhältnisse sind. Der Knackpunkt ist für mich der, dass keines der Unternehmen hier zu den Top 5 weltweit gehört. Dazu haben wir zum Beispiel im vorigen Jahr eine Studie erstellen lassen, um daran zu arbeiten, dass wir in Zukunft mit Erfolgsmeldungen präsent sind.

Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?

Da gibt es mehrere Zielrichtungen. Das ist zum einen stärkere Diversifikation, das heißt wir wollen in Bereiche gehen, die mit der Halbleitertechnik verwandt sind. Konkret sind das Photovoltaik, organische Elektronik und Display-Technologie. Wir haben durch die großen Halbleiterhersteller eine starke Zulieferindustrie vor Ort. Von diesen Unternehmen sind viele bei der Photovoltaik eingestiegen. Wenn wir es schaffen, in der Stadt mehr Photovoltaikunternehmen anzusiedeln, dann ist die Situation für die Zulieferer weniger schwankend, als wenn sie nur auf die Halbleiterhersteller angewiesen sind.

Wir wollen diese Unternehmen jetzt noch stärker an die Stadt anbinden. In der Vergangenheit ist die Photovoltaik gern aus fördertechnischen Gründen nach Ostdeutschland gekommen. Mittlerweile haben die Unternehmen erkannt, dass es nicht das Beste ist, an den entlegendsten und mit den höchsten Fördermitteln bedachten Ort zu gehen, sondern dass auch gute Fachkräfte wichtig sind. Die bekommt man nicht ohne weiteres an jeder Ecke der Welt. Wir haben sie, was auch durch die Halbleiterindustrie begründet ist.

Wie wollen Sie die Firmen nach Dresden holen?

Konkret laufen eine ganze Reihe von Ansiedlungsverhandlungen. Da bin ich auch ganz optimistisch, dass wir in den nächsten Wochen eine Reihe von Erfolgen verkünden können.

Außerdem arbeiten wir mit unseren Forschungseinrichtungen daran, die Photovoltaik auch im F&E-Bereich zu stärken. Zum Beispiel arbeiten die Fraunhofer-Institute mit der Industrie an der Optimierung der Anlagentechnik für die Photovoltaikindustrie. Wir unterstützen das mit Grundstücken zur Institutserweiterung. Dadurch können gerade neue Anlagen für Testreihen aufgestellt werden. Damit wollen wir ähnlich wie im Halbleiterbereich nicht nur Fertigungs- sondern auch F&E-Standort sein.