Zeichen setzen für den Ingenieurberuf

Trotz Wirtschaftskrise ist der Ingenieurmangel in Deutschland immer noch ein Thema. Der ZVEI hat nun eine Initiative gestartet, um junge Erwachsene für das Ingenieursstudium zu begeistern. ZVEI-Vorsitzender Dr. Klaus Mittelbach im Interview.

Markt&Technik: Wie viele offene Ingenieursstellen und wie viele arbeitslose Ingenieure gibt es momentan in Deutschland? Welche Branchen sind besonders betroffen? Wie stark ist die Elektronik-Branche betroffen?

Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung: Im Herbst 2008 hatten wir eine Ingenieurlücke von 69.000 in Deutschland*. Nachwuchssorgen haben wir ja schon lange. Diese große Lücke ist auf die konjunkturstarken Jahre 2006-2008 zurückzuführen. Aufgrund des Ingenieurmangels hatte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2007 einen Wertschöpfungsverlust von 7 Milliarden Euro.

Im Segment Elektroingenieure ist der Mangel eklatant. Weil der Elektroingenieur nach wie vor der meist nachgefragte Ingenieur ist, bleibt die Mangelsituation in unserer Branche deutlich spürbar. Übrigens sind auch Automobilund Maschinenbau dringend auf Elektroingenieure angewiesen. Letztes Jahr hatten wir etwa 9200 Hochschulabsolventen im Fach Elektrotechnik. Wir rechnen aber im langfristigen Mittel mit einem Bedarf von 13.000 Jungingenieuren pro Jahr.

Welchen Einfluss hat die Rezession auf den Ingenieurmangel? Gibt es in Deutschland Elektronik-Unternehmen, die im Zuge der Rezession schon Entlassungen von Ingenieuren durchgeführt oder angekündigt haben?

Durch die aktuelle Krise ist die Lücke jetzt kleiner geworden, aber sie ist noch immer vorhanden. Unsere Mitglieder versuchen, den Abschwung ohne Entlassungen zu überbrücken. Die Industrie setzt derzeit auf flexible Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit oder auch Weiterqualifizierungsmaßnahmen. Ohnehin gilt, dass, selbst wenn Mitarbeiter entlassen werden müssen, darunter sehr wenige Ingenieure sein werden.

Warum studieren trotz glänzender Berufsaussichten so wenige junge Leute ingenieurwissenschaftliche Fächer? Empfinden junge Leute ein Ingenieursstudium möglicherweise als zu anspruchsvoll oder als uninteressant?

Offenbar erklären wir die Chancen nicht gut genug, die in einer Ingenieurtätigkeit liegen. Und die Schule weckt bei jungen Leuten wohl nicht genug Interesse an Naturwissenschaften und Technik. Elektrotechnik und Informationstechnik haben nach wie vor den Ruf, sehr schwere Fächer zu sein. Dabei gilt das auch für andere Fächer, die durchaus gefragt sind. Die Tatsache, dass dieser Studiengang gute Mathematik- und Physikkenntnisse braucht, schreckt zusätzlich ab.

Hat man diese Fächer in der Schule schon nicht gemocht, wird man sie auch in der Wahl eines Studiums zu vermeiden suchen. Kurz gesagt, die Angst, in einem solchen Studium zu versagen, und die mangelnde Vorstellung davon, was denn ein Ingenieur hinterher im Beruf tut, sind enorme Motivationsbremsen.

Wie entwickeln sich derzeit die Studienanfängerzahlen in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern, speziell im Fach Elektrotechnik?

Im Fach Elektrotechnik stieg die Zahl der Studienanfänger zum Wintersemester 2008/2009 um 4 Prozent, weniger als in anderen ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Das ist bei Weitem nicht genug.