Managementbuch des Jahres 2015 Wenn der Chef jährlich zur Wahl steht

Das Buch "Das demokratische Unternehmen" ist am 18. September 2015 im Haufe-Verlag erschienen und umfasst 320 Seiten.
Das Buch "Das demokratische Unternehmen" ist am 18. September 2015 im Haufe-Verlag erschienen und umfasst 320 Seiten.

Schöne Utopie? Die Neuerscheinung »Das demokratische Unternehmen. Neue Arbeits- und Führungskulturen im Zeitalter digitaler Wirtschaft« wurde anlässlich der Frankfurter Buchmesse als »Managementbuch des Jahres 2015« ausgezeichnet. Wovon handelt es?

Kontrolle und Machtausübung durch die Mitarbeiter? Was klingt wie ein Manifest des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat sich tatsächlich schon empirisch bewährt.

Etwa bei der Haufe-Umantis AG, in der jedes Jahr die Führungsriegen neu gewählt werden, inklusive des CEOs.

Dieser heißt aktuell Marc Stoffel und er beschreibt in dem Managementbuch "Das demokratische Unternehmen", wie das bei Haufe-Umantis funktioniert. Und zwar durchaus realitätsnah unter Berücksichtigung von Situationen, in denen Top-down entschieden werden muss.

Was sind die neuen Arbeits- und Führungskulturen im Zeitalter der Digitalisierung? Halten gängige Managementtheorien und - praxis den Anforderungen stand, die diese Transformation mit sich bringt? Wie können sich neue Formen von Zusammenarbeit und Beteiligung als fest verankerte Bausteine innovativer Organisationen etablieren, die Unternehmen demokratischer machen?

Während der erste Teil des Buches Perspektiven auf die Demokratisierung der Wirtschaft beleuchtet, beschreibt der zweite Teil den transformationalen Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Im dritten Teil werden Experimente und Praxiserfahrungen mit demokratischen Unternehmen beschrieben.

Herausgeber sind der ISF-Vorstand PD Dr. Andreas Boes, der ehemalige Personalvorstand der Telekom, Thomas Sattelberger, und Prof. Dr. Isabell Welpe, Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der TU München.

Dem stolzen »Maschinenhaus der Welt«, Deutschland, das sich gerade in Normungsdiskussionen gefällt, eilt die USA als das »Digital House« davon, das befürchtet nicht nur Herausgeber Sattelberger.

Er glaubt, dass Deutschland aufholen könne, wenn Unternehmen agiler werden. Etwa, indem sie Mitarbeitern hohe Freiheitsgrade und Mitsprache gestatten.

In der von »managementbuch.de« prämierten Publikation kommen hochrangige internationale Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu Wort, darunter die US-Sozialwissenschaftlerin Shoshana Zuboff, die die Mechanismen und Folgen der digitalen Disruption reflektiert.

Klaus von Rottkay, COO Microsoft Deutschland, erläutert Wege zu mehr Eigenverantwortung in der Wissensarbeit, Isabell Welpe und ihre Mitarbeiter von der TU München zeigen, wie verschiedene Stakeholder organisationale Demokratie wahrnehmen, und Personalexperte Thomas Sattelberger befasst sich mit der Rolle des Menschen in der Ära der Digitalisierung.

»Vieles spricht dafür, dass im Unternehmen der Zukunft die demokratische Frage neu gestellt werden muss«, erklärt Mitherausgeber Andreas Boes. »Ich bedanke mich für die Auszeichnung unseres Buches durch managementbuch.de. Sie bestätigt, welche Bedeutung das Thema mittlerweile gewonnen hat.«

 In seinem Beitrag »Zwischen Empowerment und digitalem Fließband: Das Unternehmen der Zukunft in der digitalen Gesellschaft« beschreibt Boes zusammen mit WissenschaftlerInnen vom ISF München und der FAU Erlangen-Nürnberg anhand der Forschungsergebnisse aus dem BMAS-Projekt "Wing – Wissensarbeit im Unternehmen der Zukunft nachhaltig gestalten", wie Unternehmen die neuen Möglichkeiten des Informationsraums nutzen.

Er prognostiziert zwei Zukunftsszenarien: "Digitales Fließband mit geringem Demokratisierungspotenzial oder mehr Transparenz und Kommunikations- und Beteiligungsmöglichkeiten für alle? Diese Frage wird sich immer wieder stellen", glaubt Boes. Beteiligung müsse zu einem institutionell abgesicherten Recht werden, dürfe aber nicht gegen die verfassten Mitbestimmungsrechte ausgespielt werden.

»Dann besteht die Chance, dass mit der Frage nach mehr Demokratie in der Wirtschaft eine neue Bewegung der Humanisierung der Arbeitswelt einsetzt«, erklärt der Experte abschließend.

Das demokratische Unternehmen. Neue Arbeits- und Führungskulturen im Zeitalter digitaler Wirtschaft, herausgegeben von Thomas Sattelberger, Prof. Dr. Isabell Welpe, Dr. Andreas Boes, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg 2015.

»Wing« ist ein Verbundprojekt unter Leitung des ISF München in Kooperation mit der IG Metall und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, durchgeführt im Rahmen „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ und von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fachlich begleitet. Unternehmenspartner sind die Robert Bosch GmbH, die Software AG und die andrena objects AG.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) eine Plattform, auf der sich Verbände und Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialversicherungsträger, Kammern und Stiftungen gemeinsam mit der Politik für eine neue, nachhaltige Arbeitskultur einsetzen – entlang der Themenfelder Personalführung, Gesundheit, Wissen & Kompetenz sowie Chancengleichheit & Diversity.