Jobmotor »Smart Maintenance« Welche Qualifikationsprofile für »Smart Maintenance« gebraucht werden

Prof. Henke, Fraunhofer IML: »In die Aus- und Weiterbildung müssen Themen wie 'augmented reality' einfließen. Es darf keine »Angst« vor Technik und Technologie entstehen.«
In die Aus- und Weiterbildung müssen Themen wie »augmented reality« einfließen. Es darf keine »Angst« vor Technik und Technologie entstehen.

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) erwartet, dass die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen (»Smart Maintenance«) zum Jobmotor der Zukunft wird. Welche Qualifikationsprofile werden dafür gebraucht? Wir fragten nach bei Prof. Michael Henke vom Fraunhofer IML.

Herr Henke, welche Studiengänge bereiten auf »Smart Maintenance« vor?

Michael Henke: Die Informatik als solche wird vor allem in der Industrie 4.0 eine wichtige Rolle spielen. Mit dem speziellen Blick auf die Instandhaltung ist aber hier nicht unbedingt davon auszugehen, dass die Instandhalterinnen und Instandhalter der Zukunft ausgebildete Informatiker sein werden.

Es wird eher darauf ankommen, dass die vorhandene Technologie soweit beherrscht wird. Das spricht die klassischen Bereiche Elektronik, Mess- und Regeltechnik und Mechanik an.

In zunehmendem Maße sind auch die Condition-Monitoring-Komponenten gefragt, also die korrekte Anbringung von Sensorik und idealerweise auch erste Auswertungen der gesammelten Daten.

Darüber hinaus werden Kommunikations- und Soft-Skills eine größere Rolle spielen, da in Zukunft die Zusammenarbeit in Teams unterschiedlicher Ausprägung wichtiger wird. Hier kann dann auch der Informatiker, Netzwerkadministrator und Big-Data/Data-Analyst mit am Tisch sitzen.

Innerhalb solcher interdisziplinärer Teams ein produktives, konstruktives und gemeinschaftliches Arbeiten sicherzustellen, gilt als eine Anforderung an die Instandhalter der Zukunft.

Welche Weiterbildung ist für heutige Berufe notwendig?

Für die Berufe aus heutiger Sicht ist es erforderlich, neue Technologien im betrieblichen Umfeld frühzeitig kennen und nutzen zu lernen, auch wenn Smartphones und Tablets im Alltag schon allgegenwärtig sind.

In die Aus- und Weiterbildung müssen Themen wie »augmented reality« einfließen. Es darf keine »Angst« vor Technik und Technologie entstehen.

Neue Technologien müssen soweit verstanden werden, dass die Anwendung keine Schwierigkeiten macht. Wohlgemerkt, nicht jeder Instandhalter muss künftig ein Programmierer sein.

Die oben angesprochenen Soft-Skills sind ebenfalls ein wichtiges Weiterbildungsthema. Teamarbeit, Projektarbeit, Präsentieren, Problemanalyse und Lösungsfindung in Gruppen werden hier immer wichtiger.

Einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge werden der Digitalisierung bis zu 60.000 niedrig qualifizierte Jobs zum Opfer fallen, vornehmlich an Maschinen. Kann Smart Maintenance das ausgleichen?

Die Automatisierung wird weiter zunehmen, richtig. Von vollständig digitalisierten Unternehmen sind wir heute aber noch sehr weit entfernt.

Gleichzeitig entstehen auch neue Aufgaben mit neuen Chancen für Menschen. Für die zukünftigen Herausforderungen und Tätigkeiten müssen Instandhalter in Zukunft jedoch entsprechend qualifiziert werden.

Die Wissensarbeit wird zunehmen, was unbedingt mit steigender Qualifikation und Weiterbildung einhergehen muss. Nur so führen Industrie 4.0 und Smart Maintenance tatsächlich zu einem Zuwachs an attraktiven Arbeitsplätzen.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck