Ausbildung Viele Betriebe finden keine Azubis mehr

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bfindet sich auf einem neuen Tiefstand.
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bfindet sich auf einem neuen Tiefstand.

Innerhalb der letzten 15 Jahre haben sich die Verhältnisse zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung grundlegend verschoben. 500.000 Studienanfängern pro Jahr steht ein Minus an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (-1,4 % gegenüber 2013) gegenüber, ein neuer Tiefstand. Woran liegt das?

Um die duale Berufsausbildung wird Deutschland im Ausland beneidet, sie gilt als Garant der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands. Nun gerät gerade dieser Bildungssektor zunehmend unter Druck. Denn in den kommenden zehn Jahren wird die Zahl der Schulabgänger mit maximal mittlerem Schulabschluss um weitere 101.700 auf dann nur noch 449.600 zurückgehen.

Mit insgesamt 522.200 neue abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurden rund 7.300 weniger abgeschlossen als im Vorjahr. Dies sind erste Ergebnisse der Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Sie basieren auf der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September sowie der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

Wesentliche Ursache für die nochmals gesunkene Zahl der Ausbildungsverträge ist der starke Rückgang der Zahl der nichtstudienberechtigten Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen, die drei Viertel aller Auszubildenden stellen. Ihre Zahl sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 714.800 im Jahr 2004 auf 551.300 im Jahr 2014.

Diese Entwicklung ist nur zum Teil auf den Trend zur schulischen Höherqualifizierung und damit zum Abitur zurückzuführen. Entscheidend ist die sinkende Zahl von Jugendlichen als Folge der demografischen Entwicklung.

Betriebe finden deshalb für eine steigende Zahl ihrer Ausbildungsplatzangebote keine Auszubildenden mehr. So blieben 2014 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 37.100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Das sind rund 3.400 mehr als im Vorjahr (+ 10 %).

Gleichwohl sind ungenutzte Potenziale vorhanden. 81.200 registrierte Bewerberinnen und Bewerber waren zum Stichtag 30. September ohne Lehrstelle. Das entspricht einem Rückgang um 2.400 im Vergleich zum Vorjahr. Hierunter befinden sich 20.900 unversorgte Bewerber ohne Alternative und 60.300 Bewerber mit einer Überbrückungs- oder Ausbildungsalternative, zum Beispiel erneuter Schulbesuch, Praktikum, berufsvorbereitende Maßnahme, Jobben oder Hochschulbesuch.

Die Ursachen für die Erfolglosigkeit dieser Ausbildungsstellenbewerber sieht das BIBB in »branchen- oder berufsspezifischen Passungsproblemen«. Das heißt, die Ausbildungsplatzangebote der Betriebe und die Berufswünsche der Jugendlichen stimmen nicht überein.

Zum anderen schwanken die Ausbildungsplatzangebote lokal beträchtlich.

So kommen zum Beispiel in vielen Arbeitsagenturbezirken in Bayern, Brandenburg und Thüringen, aber auch in einigen Regionen in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt deutlich mehr als 100 Ausbildungsangebote auf 100 Ausbildungsplatznachfrager, in manchen Regionen – hierzu zählen zum Beispiel Recklinghausen, Oberhausen, Hameln oder Gelsenkirchen – sind es nicht einmal 80 Ausbildungsplatzangebote.