Versagen die Universitäten?

Jeder, der ein technisches Studium begonnen hat, erinnert sich so oder ähnlich an eine Einführungsveranstaltung, auf der es etwa hieß: »Merken Sie sich Ihren linken und rechten Nachbarn. Wahrscheinlich werden Sie ihn am Schluss Ihres Studiums nicht mehr sehen.« Das hat sich bis heute nicht geändert, noch immer liegt die Quote der Studienabbrecher in den technischen Fächern über 60 Prozent.

Wir haben einen Ingenieurmangel in Deutschland. So der Ausgangspunkt des einführenden Vortrags von Prof. Dr. Ortwin Renn zu einer Podiumsdiskussion »Nachwuchsmangel – was läuft schief in Deutschland?« Seit 1995 ist die Zahl der Absolventen in den technikwissenschaftlichen Disziplinen zurückgegangen – von rund 50.000 auf etwa 40.000 Absolventen. Der demografische Wandel wird diesen Trend in Zukunft noch verschärfen.

Renn, Ordinarius für Technik und Umweltsoziologie an der Universität Stuttgart, machte auf der Veranstaltung unmittelbar vor der Eröffnungsveranstaltung der Hannover Messe deutlich, dass für die Ursachenforschung Klischees wie »Technikfeindlichkeit« einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Die empirische Studie »Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften«, die Renn zusammen mit der acatech (Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften e.V). und dem VDI (Verein Deutscher Ingenieure, www.vdi.de) unter Förderung des BMBF (Bundesminsterium für Bildung und Forschung) erarbeitet, zeigt, dass in unserer Gesellschaft Technik nicht grundsätzlich abgelehnt wird.

Es gebe zwar Problembereiche wie Kernenergie, Gentechnologie und große chemische Anlagen, aber generell herrscht in unserer Gesellschaft eine hohe Technikaffinität. Nur in Luxemburg sind die Haushalte noch besser mit Technik ausgestattet als in Deutschland. Und auch bei den deutschen Arbeitnehmern herrscht die Meinung vor, dass allein durch eine weitere Technisierung der Arbeitswelt das Land im Prozess der Globalisierung wettbewerbsfähig bleiben kann. Renn konstatiert jedoch für unserer Gesellschaft eine gewisse »Technikferne«.