Süßes Gift Abfindung

Wenn große Unternehmen Stellen abbauen möchten, winken für ein freiwilliges Ausscheiden hohe Abfindungen – speziell wenn eine Betriebsvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Wer aber anschließend die Jobsuche auf die lange Bank schiebt, riskiert Arbeitslosigkeit, mahnt Outplacement-Berater Frank Adensam.

Den Arbeitnehmern bereitet das verlockende Angebot oft schlaflose Nächte. Einerseits hängen sie an ihrem Job. Andererseits: Wenn ich jetzt nicht gehe, werde ich voraussichtlich in zwei bis drei Jahren entlassen, wenn die Betriebsvereinbarung ausläuft. Also prüfen die Betroffenen ihren Marktwert: Wie sind meine Perspektiven im Unternehmen? Ist der jetzige Stellenabbau das Ende der Fahnenstange? Welche Chancen habe ich auf dem Stellenmarkt?

»Früher galt für die Höhe der Abfindung die Faustregel: Pro Jahr Betriebszugehörigkeit erhält der Arbeitnehmer ein halbes Monatsgehalt. Doch in den letzten Jahren sind die Prämien explodiert. In vielen Branchen sind 0,8 bis 1,3 Monatsgehälter üblich. Und die DAX-notierten Unternehmen zahlen teilweise bis zu zwei Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit, wenn sie trotz Betriebsvereinbarung Mitarbeiter abbauen möchten«, berichtet Frank Adensam, Inhaber der Adensam-Management- Beratung in Ludwigshafen.

Deshalb seien bei Konzernen sechsstellige Abfindungen keine Seltenheit. Warum also nicht den »Lottogewinn« nehmen und sich danach so schnell wie möglich eine neue Stelle suchen? Leider lähmt das süße Gift Abfindung den Eifer meist recht schnell. Plötzlich hat man die nötigen Mittel und die erforderliche Zeit, um sich jahrelang gehegte Wünsche zu erfüllen – eine Weltreise, wenn nicht jetzt, wann dann? Und die Stellensuche? Sie rückt in immer weitere Ferne oder wird nur halbherzig betrieben.