Manpower-Arbeitsmarktbarometer Süddeutschland schwächelt

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland so hoch wie noch nie. Gleichzeitig verzeichnet das wirtschaftsstarke Süddeutschland die geringste Einstellungsbereitschaft seit 2009. Wie sieht es in Europa aus?

Der Personaldienstleister ManpowerGroup veröffentlicht jedes Quartal das Arbeitsmarktbarometer »Manpower Employment Outlook Survey«. Dafür werden über 65.000 Arbeitgeber in 42 Ländern zu ihren Einstellungs- und Entlassungsplänen im jeweils kommenden Quartal befragt.

Die Studie dient unter anderem der Europäischen Kommission regelmäßig als Quelle für ihren monatlichen Beobachtungsbericht über die Europäische Arbeitsmarktlage und die soziale Situation in der EU.

 

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Manpower-Arbeitsmarktbarometer 3. Quartal

Süddeutschland zeigt die geringste Einstellungsbereitschaft seit 2009

Laut der aktuellen Analyse ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland so hoch wie noch nie - und es wird auch im dritten Quartal weiter eingestellt. Der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick liegt zum fünften Mal in Folge bei +5 Punkten.

Der Studie zufolge planen acht Prozent der deutschen Unternehmen Neueinstellungen. Ein Beschäftigungszuwachs wird vor allem in Ostdeutschland erwartet, Unternehmen im Süden zeigen dagegen die geringste Einstellungsbereitschaft seit Ende 2009.

Im europäischen Vergleich weisen bis auf Italien alle Länder einen positiven Beschäftigungsausblick auf.

Acht Prozent der 1.000 hierzulande befragten Arbeitgeber planen Neueinstellungen bis Ende August, nur zwei Prozent rechnen mit Entlassungen. In sieben von neun untersuchten Wirtschaftssektoren und allen Regionen Deutschlands wollen mehr Arbeitgeber einstellen als entlassen.

Übergreifend halten 88 Prozent der Unternehmen ihre Belegschaft auf gleichbleibendem Niveau. »Die deutschen Unternehmen blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate, etwa jeder zwölfte Arbeitgeber will im Sommer einstellen«, sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. Man verzeichne aktuell die niedrigste Arbeitslosenquote seit 14 Jahren.

Dabei gibt es regionale Unterschiede: In den als wirtschaftsstark bekannten südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern ist die Einstellungsbereitschaft deutlich gesunken. Der saisonal bereinigte Saldo fällt im Süden von +6 im Vorquartal auf nur noch +1 Punkt im dritten Quartal und damit den geringsten Wert seit 2009. Hier sind mit fünf Prozent auch die meisten Entlassungen geplant.

Dagegen verläuft die Entwicklung in Ostdeutschland und Berlin positiv: In der Hauptstadt steigt der Saldo von +2 im Vorquartal auf +7 Punkte. Jede zehnte Firma plant Neueinstellungen, keine einzige Entlassungen. Auch die Arbeitgeber in den übrigen ostdeutschen Bundesländern rechnen mit Spitzenwerten für diesen Sommer.

Im gesamten Osten steigt der Saldo innerhalb eines Quartals von +2 auf +5. Auch im Vergleich zum Vorjahr lag er noch bei +1. Auch im Ruhrgebiet sind die Unternehmen einstellungsfreudiger als im Süden, die Region verbessert sich von +2 auf +6 Punkte - und das, obwohl sich die Aussichten im Bergbau von +8 auf -8 Punkte verschlechtert haben.

Auch im öffentlichen Bereich sinkt der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick von +6 Punkte auf +1 Punkt. Eine leichte Eintrübung um 1 Punkt gibt es auch in der Landwirtschaft. In allen anderen sechs untersuchten Wirtschaftszweigen sind die Aussichten stabil oder haben sich verbessert.

Die besten Jobaussichten für die kommenden Monate gibt es bei Banken, Versicherungen und unternehmensnahen Dienstleistungen. Hier kletterte der Saldo von +8 wieder auf starke +11 Punkte. Auch der Bereich Verkehr und Telekommunikation, zu dem etwa die Bereiche Personentransport, Zustelldienste, Touristik und Mobilfunkanbieter zählen, bleibt stark.

Der Saldo liegt dort wie im zweiten Quartal bei +10 Punkten und damit dem stärksten Wert seit Ende 2012. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei +2.

Auch in anderen europäischen Ländern folgen auf positive Konjunktursignale Neueinstellungen. "Die EZB-Politik zeigt Wirkung in Europa. In 23 von 24 untersuchten Ländern der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika, kurz EMEA sind mehr Neueinstellungen als Entlassungen geplant", so Brune.

So steigt der Netto-Beschäftigungsausblick in Frankreich von +1 wieder auf +4 Punkte an. Vor allem in der Luftfahrtindustrie sind Fachkräfte wieder stärker gefragt. Damit scheint die Tiefpunktphase der letzten drei Jahre nach einem Ausreißer im zweiten Quartal mit nur +1 Punkt nun doch beendet zu sein. Große Sprünge beim Wachstum trauen Ökonomen dem Nachbarland jedoch noch nicht zu - ein zweiter europäischer Jobmotor ist damit nicht in Sicht.

Europas Sorgenkind bleibt Italien, das einzige Land mit einem negativen Netto-Beschäftigungsausblick, und das seit nunmehr fünf Jahren in Folge. Mit einem Saldo von nur noch -4 Punkten ist aber auch hier ein leichter Aufwärtstrend festzustellen. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal lag der Wert noch bei -6, Ende 2013 sogar bei -14 Punkten. Griechenland schwächelt nach einer Erholung im zweiten Quartal leicht, hier fällt der Netto-Beschäftigungsausblick