Prozessmanagement auf dem Prüfstand

Der aktuelle Renner in der beruflichen Weiterbildung heißt Prozessmanagement. Viele Ingenieure versprechen sich davon den Schnelleinstieg in die Betriebswirtschaftslehre. Das aber kann das Prozessmanagement beim besten Willen nicht leisten – wenn das Seminar überhaupt hält, was das hippe Etikett verspricht.

Würde Daniel Düsentrieb, der legendäre Erfinder aus Entenhausen, nur etwas mehr von Wirtschaft verstehen, dann müsste er den Entenhausener Tycoon Dagobert Duck nicht ständig um einen Entwicklungszuschuss von ein paar lumpigen Talern anpumpen. Dann wüsste er nämlich um den kommerziellen Wert seiner Geniestreiche und tüftelte nicht seit bald 70 Jahren in einer Bruchbude vor sich hin. Doch leider fallen die Düsentrieb’schen Groschen nur in seinem Oberstübchen.

Abgestandener Wein in neuen Schläuchen

Anders im richtigen Leben: Hier wissen Ingenieure sehr genau, dass Wirtschaftskenntnisse sowohl ihrer Karriere als auch ihren Besitzverhältnissen enormen Auftrieb geben. Seit Jahren steht betriebswirtschaftliches Know-how auf der Wunschliste der Arbeitgeber ganz oben, oft sogar noch vor Spezialwissen und Berufserfahrung. Auch weil Wirtschaftsingenieure und doppelt Diplomierte den »Nur«-Ingenieuren auf dem Arbeitsmarkt arg zu schaffen machen, ersinnen private und öffentliche Weiterbildungsanbieter immer neue BWL-Programme. Die jüngste Welle der agilen Industrie schäumt das sogenannte Prozessmanagement gewaltig auf. Das Schöne an dem sich jeder eindeutigen Definition entziehenden Begriff ist seine Beliebigkeit: Jeder packt etwas anderes in die Schublade hinein. Und so enthalten auch nicht wenige Seminar- und Weiterbildungsangebote zum Prozessmanagement durchaus bekömmlichen, zuweilen aber auch reichlich abgestandenen Wein in neuen Schläuchen.

Richtig ist: Wer betriebliche Prozesse korrekt beschreibt, gestaltet und lebt, kann seine Kunden zufriedener stellen, steigert das Entwicklungstempo, behält Kosten und Qualität im Griff und verkraftet personelle Engpässe besser. Denn wenn jeder einzelne Handgriff plus die angrenzenden Schnittstellen nur sorgfältig genug dokumentiert sind, frohlocken Prozessenthusiasten, können die Ersatzspieler eigentlich nichts verkehrt machen. Dann ist es nämlich aus mit dem Herrschaftswissen. Theoretisch jedenfalls: »In der Prozessbeschreibung steht alles drin. Nun machen Sie mal.«