Plan B statt Jobverlust – was Sie tun können

Viele Ingenieure befürchten, ihren Job zu verlieren. Kein Wunder, häufen sich doch die Meldungen von Insolvenzen, Firmenpleiten und dem Wegfall sicher geglaubter Arbeitsplätze. Doch statt als Arbeitnehmer in Angststarre zu verfallen, rät Imke Keicher, Forscherin und Management-Beraterin am Zukunftsinstitut in Kelkheim, sich weiterzuentwickeln – fachlich und persönlich.

elektroniknet.de: Laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends fürchten 37 Prozent der Deutschen um ihren Job. Hochqualifizierte Berufe, darunter Ingenieure, sollen von der Krise jedoch vergleichsweise weniger betroffen sein. Was meinen Sie?

Imke Keicher: Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass es immer schwieriger wird, sich mit einem bestimmten Studiengang langfristig gegen Krisen auf dem Arbeitsmarkt abzusichern. Wie stark jemand betroffen ist, wird von vielen Faktoren beeinflusst – ganz stark von der Spezialisierung und vom Alter. Versuchen Sie aktuell als 55-jähriger Ingenieur eine neue Stelle zu finden ... Schon heute ist sichtbar: die Krise in der Automobilindustrie, bei den Zulieferern oder den Halbleiterherstellern bleibt nicht folgenlos für Techniker und Ingenieure. Auch wenn sich der VDI vor zwölf Monaten noch über den Ingenieurmangel Sorgen machte und die Agentur für Arbeit im Januar noch 10.000 offene Stellen für Ingenieure ausweist. Patentrezepte für die Dauer eines Arbeitslebens gibt es für niemanden – das ist es, was uns die Krise ganz deutlich vor Augen führt.

Viele Ingenieure und Elektrotechniker haben Angst, ihren Job zu verlieren. Was raten Sie denen?

Ich rate heute jedem, in seine Lebensplanung Brüche und Wandel mit einzukalkulieren. Wer sich nur auf einen Arbeitsgeber und auf eine Karrierestrategie verlässt, hat große Chancen, im Laufe seiner Arbeitsbiografie von einer Krise erwischt zu werden. Nutzen Sie die aktuelle Krise und die Angst, die ganz natürlich ist, um jetzt ganz konkret kritisch Ihre berufliche Situation zu beleuchten. Was würden Sie eigentlich tun, wenn Sie tatsächlich betroffen wären? Welche Alternativen gibt es für Sie? Welche Fähigkeiten wollen Sie in der nächsten Zeit erwerben, um das eigene Profil zu schärfen und weniger austauschbar zu werden? Einen Plan B zu haben, den man vielleicht sogar mit einem Coach erarbeitet, ist definitiv die konstruktivste Form, mit der Angst umzugehen.

Über alle Ingenieursbereiche hinweg werden Stellen abgebaut, vor allem bei leitenden Positionen in der Halbleiterbranche – trotz hoher Qualifikation. Viele stehen bereits auf der Straße. Was empfehlen Sie denen? Ins Ausland gehen oder sogar ein Sabbatical?

Alles, was die eigene Qualifikation erweitert, ist hilfreich und sicherlich der beste Umgang mit der neuen Lebenssituation. Ich empfehle, bei der Weiterqualifizierung durchaus über den Tellerrand der bisherigen Tätigkeit hinauszuschauen und nicht nur an die fachliche Weiterqualifizierung zu denken. Es lohnt sich genauso, etwas für die Persönlichkeitsentwicklung zu tun, als Führungskraft zum Beispiel eine Coachingausbildung zu machen. Oder die Zeit zu nutzen, eine verborgene Leidenschaft zu pflegen, für die bisher wenig Raum war. Auch wer in einer Arbeitspause zum Beispiel ein Tauchlehrerdiplom macht, während eines Sabbaticals mit der Familie ein neues Land erobert und eine neue Sprache lernt oder als »Senior-Praktikant« in einer Sterneküche seiner Leidenschaft folgt, erweitert seinen Horizont, investiert in sein Selbstbewusstsein und eröffnet sich ungeahnte neue Möglichkeiten.