Passives Bewerben – so funktioniert es

Ab der S-Klasse gilt die Regel: Man bewirbt sich nicht mehr, sondern wird abgeworben. Doch auch unterhalb dieser Ebene kann man etwas tun, um sich als attraktiver Kandidat am Arbeitsmarkt sicht- und auffindbar zu machen. Das Web 2.0 macht es leicht, dauerhafte Ansprechbarkeit zu signalisieren. Selbst ohne aktuellen Veränderungswunsch.

Otto Normalbewerber verschickt selbstlobende Anschreiben samt Lebenslauf oder füllt Formulare auf Arbeitgeberseiten und Jobbörsen aus. Die Botschaft lautet: Ich bin zwar ein Star, aber holt mich hier raus. Manchem, der sich insgeheim für einen Superstar hält, tut die zwischen den Zeilen mitschwingende Bitte richtig weh. Denn eigentlich möchten er oder sie viel lieber als Talent »entdeckt« werden.

Es ist nicht ohne Risiko, aus der Deckung zu gehen und dem Markt lauthals zuzurufen, dass man zu haben sei. In engen, überschaubaren Wirtschaftszweigen mit wenigen Anbietern, aber regen Kontakten untereinander spricht sich der Wechselwille eines branchenbekannten Spezialisten in Windeseile herum. Auch wer soeben auf seine erste Führungsposition gehievt worden ist und schon nach wenigen Monaten anderswo anklopft, erregt unwillkürlich den Verdacht des Bewerbungsempfängers. Hat sich der Mann übernommen, die Frau versagt oder umgekehrt?

Leitende haben aktive Bewerbungen ohnehin nicht nötig – so die landläufige Meinung. Sonst taugen sie nichts. In der S-Klasse gilt das eiserne Eitelkeitsgesetz: Lieber zehn Headhuntern ein Mittagessen mit zielgerichtetem Smalltalk spendiert als eine einzige Bewerbung hinausgeschickt. Wie stünde man dann sonst da?

Doch auch Spitzenkräfte drängt es bisweilen, freiwillig oder nicht, zu neuen Ufern. Da vom Geschäftsführer aufwärts die klassische Bewerbung als verpönt gilt, bleibt ihnen nur das anonyme Stellengesuch, das Antichambrieren bei den Personalberatern oder die elegante Werbung für sich selbst innerhalb der Branchen-Community. Zusammenfassen lassen sich diese drei Wege mit dem Begriff »passives Bewerben«. Im Internet sieht man darauf immer mehr Fach- und Führungskräfte marschieren, die eine offene Bewerbung scheuen.

Als potenzielle Jobkandidaten auffindbar machen

Das passive Bewerben umfasst Strategien und Handlungen, mit denen sich Bewerber gegenüber Arbeitgebern als potenzielle Jobkandidaten auffindbar machen. Dabei nutzen sie vor allem das Internet, zum Beispiel durch das Einstellen des eigenen Lebenslaufs in eine Online-Bewerberdatenbank oder durch Networking via Xing und anderen Business Communities.