Stockender Arbeitsmarkt Nur Einstellen nach Bedarf hat fatale Folgen

Für Personalberater ist das Jahr 2009 bisher kein einfaches. Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch bei ihnen Spuren: Auf Einstellungsstopp folgen Umsatzeinbrüche durch Stornierungen von Beratungsaufträgen, allerdings nicht in jedem Bereich der Elektronikindustrie.

Doch für welche Positionen werden die Personalberater nach wie vor stark gefordert? Und wie sehen sie den Umgang der Unternehmen mit der Krise?

Laut aktuellen BDU-Zahlen soll der Umsatz bei Personalberatungen in diesem Jahr in Deutschland um 20 Prozent zurückgehen. Kenner erwarten weit Schlimmeres: So spricht Interconsult von minus 40 Prozent in Deutschland und minus 25 Prozent in Europa. Die Ritter Personalberatung musste in den ersten vier Monaten dieses Jahres Umsatzeinbußen von 20 Prozent hinnehmen. Und Schuh-Eder Consulting hatte im ersten Quartal 2009 sogar einen Einbruch von 50 Prozent zu verkraften.

Andere sind da nicht so offen, halten sich mit Zahlen bedeckt und sprechen stattdessen von »Verlagerungen«. Allein Christina Höfner von der PSD Group scheint einen Ausreißer nach oben zu machen: Sie gibt an, dass ihr Umsatz im Bereich Elektronik, Halbleiter und Solar sogar gestiegen sei. In vielen Bereichen der Elektronikindustrie ist der Personalbedarf stark zurückgegangen, vor allem in der Halbleiterproduktion. Neben sofortigen Einstellungsstopps wurden zum einen Entwicklungstätigkeiten ins Ausland, insbesondere nach Asien, verlagert, zum anderen wurden Entwicklungsstandorte innerhalb Europas zusammengelegt.

»Im Halbleiterbereich haben die meisten Unternehmen einen sofortigen Einstellungsstopp verhängt, nachdem die Aufträge um bis zu 60 Prozent eingebrochen sind«, so Michael Köhler von Schuh-Eder Consulting. Doch auch bei Stellen in kaufmännischen und administrativen Bereichen, in der Distribution und in automotive- und maschinenbauabhängigen Marktsegmenten drehen Unternehmen derzeit an der Kostenschraube und verzichten auf Personalberatung.

Im Vertrieb hingegen scheint der Bedarf noch da. »Vertriebspositionen, mit denen neue Märkte erschlossen werden sollen, sind sehr gefragt«, berichtet Udo Wirth von Wirth & Partner. Auch Sascha Brinker von Pardus Consulting und Dietrich Graf von Reischach von Interconsult bestätigen eine verstärkte Tendenz für Vertriebspositionen.

Einstellungen nur noch nach Bedarf

Norbert Ritter sorgt sich vor allem um die langfristigen Aufträge. »Die Firmen leben von der Hand in den Mund, was die Personalplanung außerordentlich schwierig macht.« Denn derzeit wird fast nur noch nach Bedarf eingestellt. »Die strategische Personalplanung ist ins Wanken geraten «, konstatiert auch Dietrich Graf von Reischach. Sehr kurzfristig sehr gute Leute zu finden, sei die derzeitige Anforderung an die Personalberater, so von Reischach. »Viele Firmen konsolidieren derzeit und werden erst wieder Personal aufbauen, wenn der Wind sich dreht«, glaubt Christian Pape von Pape Consulting.