Praxistipps "Erfolgreich recruitieren" Mitarbeiterempfehlung an Nummer 1

Wolf Reiner Kriegler, Geschäftsführer Deutsche Employer Branding Akademie, DEBA.
Wolf Reiner Kriegler, Geschäftsführer Deutsche Employer Branding Akademie, DEBA.

Social media ist »in«, die Geschwindigkeit, mit der neue Apps auf den Markt kommen, ist atemberaubend. Aber welche Tools bringen wirklich die gewünschten Fachkräfte? Eine Umfrage unter Experten und Personalverantwortlichen.

Wolf Reiner Kriegler ist Employer branding-Experte der ersten Stunde.

2001, als der Begriff Employer Branding noch Terra Incognita in Deutschland war und Google gerade mal 300 Einträge anzeigte, veröffentlicht der Marken- und Strategieberater einen Fachartikel auf Competence Site. Dieser steht in den Folgejahren bei Google unter den TOP 3.

Heute leitet Reiner Kriegler die Deutsche Employer Branding Akademie in Berlin, die in Kooperation mit der WU Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Executive Education Center der Technischen Universität München den Zwei-Länder-Zertifikatskurs »Employer Brand Manager« anbietet, eines der besten Angebote im deutschsprachigen Raum.

Herr Kriegler, auf welche Kanäle sollten Unternehmen im Recruiting setzen, um Ingenieure zu gewinnen?

Rainer Kriegler, Deutsche Employer Branding Akademie: Um Berufserfahrene zu gewinnen, sogar zum Wechsel zu bewegen, ist nichts besser als ein Dialog auf Augenhöhe.

In Fach-Communities, auf Veranstaltungen und in Business-Netzwerken. Absolventen erreichen Sie noch mit klassischem Personalmarketing. Ob jung oder alt – für alle gilt: Empfehlungen und authentische Stimmen von Mitarbeitern sind immer noch das überzeugendste Argument.

Würden Sie Ihren Kunden raten, neue Apps wie Truffls oder SelfieJobs für Ihr Recruiting einzusetzen?

Truffls funktioniert nach dem Prinzip der Flirt-App Tinder. Eigentlich ein alter Hut.

Wir aus der Generation X kannten das schon aus den ersten Facebook-Jahren. Die App hieß »Are you interested?«. Damals wie heute, es funktioniert.

Ich kenne Recruiter, die sogar schon direkt über Tinder Leute eingestellt haben. Truffls oder SelfieJobs sind für beide Seiten bequem und beschleunigen den Matching-Prozess. Ich bin mir sicher: Eine gute Ergänzung für den klassischen Recruiting-Mix.

Laut neuer Kienbaum-Studie nutzen Absolventen des Jahrgangs 2015 Recruiting-Apps aber nicht, dabei ist mobile recruiting doch angeblich ein Megatrend. Können Sie sich erklären warum?

Wenn es um Karriere-Apps von Unternehmen geht, kein Wunder. Installation und Bedienung rauben Zeit. Welchen Mehrwert bieten sie mir, den mir die Karriereseite nicht bietet? In der Regel keinen.

Mein Tipp: Sparen Sie sich das Geld. Sorgen Sie lieber dafür, dass Ihre Karriereseite modernen Anforderungen genügt und »responsive« ist, also auch auf dem Smartphone oder Tablet gut funktioniert.

Mehr Features als auf Ihrer Karriereseite brauchen Sie nicht. Außer eine Anzeige des Bewerbungsstatus. Das ist richtig sinnvoll.

Arbeitgeber-Apps können in anderen Bereichen sehr wertvoll sein: Zum Beispiel für die Pflege des Alumni-Netzwerks oder Ihres Talent Pools. Und natürlich als Corporate App für Mitarbeiter, um Gemeinschaft und Identifikation zu fördern.