Mit 45 arbeitslos? - Das muss nicht sein!

Trotz Fachkräftemangel gibt es zahlreiche ältere Ingenieure, die sich schwer tun, einen neuen Job zu finden. Meist haben sie sich über die Jahre in eine fachliche Nische bugsiert und können das geforderte aktuelle Know-how nicht so schnell nachholen. Was kann man schon in jungen Jahren tun?

Michael Köhler war erfolgreicher Direktor bei einem amerikanischen Halbleiterhersteller. Bis er von einem Tag auf den anderen gefeuert wurde. Mit 49 Jahren. Doch Köhler hatte Fortune: der Automotive-Experte fand sehr schnell eine Stelle als Personalberater, sucht heute für die Elektronikbranche Wunschkandidaten aus, berät wechselwillige Ingenieure und plant zusammen mit ihnen deren Karrieren. Und wird nicht müde zu warnen: »Man muss am Ball bleiben und sich weiterbilden! Die Kündigung kann jeden jederzeit treffen!« Nur leider dächten die wenigsten an den Ernstfall, moniert Köhler. Die Schablonen passen perfekt: arbeitslos - das sind immer die anderen. Mir kann das nicht passieren.

Köhler sieht vor allem zwei Sorten Charaktere unter den Gefeuerten, oft langfristig Arbeitlosen: »Die einen pochen auf ihren Status, sitzen auf dem hohen Ross, zeigen sich unflexibel. Die anderen trifft der Schlag so hart, dass sie innerlich zerbrechen.« So emotional belastend der Stellenverlust auch sei - er muss nicht das Karriereende bedeuten, sagt der mittlerweile 52-Jährige. Wer Zeit seines Berufslebens über den Tellerrand blicke und an seiner Attraktivität als Arbeitnehmer feile, sei bei Personalchefs ein gefragter Kandidat - Alter hin oder her.

»Lebenslanges Lernen« ist wichtiges Einstellungskriterium
Leider weise Deutschland hier aber ein gravierendes Defizit auf: »Konzepte für lebenslanges Lernen sind wenig verbreitet«, erläutert die Wirtschaftswissenschaftlerin Lioba Trabert, die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung den Zusammenhang zwischen Rentenalter und Jugendarbeitslosigkeit erforscht hat. Während in Schweden rund 30 Prozent der 55- bis 64-Jährigen an Weiterbildungsmaßnahmen teilnähmen, seien es in Deutschland lediglich rund 3 Prozent. Eine neue Forsa-Studie gibt Köhler Recht: Bewerber mit 45plus können mit Weiterbildung punkten. Das modische Schlagwort »Lebenslanges Lernen« ist tatsächlich ein wichtiges Einstellungskriterium gerade für ältere Stellenanwärter. Qualifikationen, die im Erststudium oder in der ersten Ausbildung erworben wurden, spielen dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung von Bewerbern der Generation 45plus ist erwartungsgemäß für fast alle Arbeitgeber, dass die bisherigen Berufserfahrungen genau zum Stellenprofil passen. Die Hälfte der Personalverantwortlichen achtet zudem auf geradlinige Lebensläufe. Nun lassen sich Lücken im Lebenslauf im Nachhinein nicht schließen, versäumte Berufserfahrungen nicht nachholen - doch für eine Zusatzqualifikation ist es nie zu spät. Beim ILS - Deutschlands größter Fernschule - ist mittlerweile jeder dritte Teilnehmer an kaufmännischen Fernlehrgängen über 40 Jahre alt. Ganz ähnlich sieht die Altersstruktur bei den Teilnehmern im Technik- und IT-Bereich aus. Wer sich nebenberuflich weiterbildet, zeigt Engagement - und solche Softskills wollen Personaler sehen. Laut Umfrage werden den Freizeitschülern hohe Eigenmotivation, Zielstrebigkeit, Selbstständigkeit und ein gutes Zeitmanagement zugeschrieben. Also lieber abends mal den Rechner anwerfen als die Flimmerkiste. Corinne Schindlbeck