Manches muss man einfach überhören!

Der Chef und die lieben Kollegen legen nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage. Das Gefühl, gekränkt, ja gar verletzt worden zu sein, bleibt da nicht aus. Wer so empfindet, erlebt seine Person oder seine Arbeit als nicht wertgeschätzt oder sogar als entwertet. Ist es nun ratsam, sich das Gefühl, gekränkt zu sein, immer und auf der Stelle anmerken zu lassen?

Mitnichten, sagt Zusammenarbeitsspezialist Thomas Weegen, Deutschland-Geschäftsführer der internationalen Unternehmensberatung Coverdale in München. »Manches muss man einfach überhören!« Weegen weiß aus Erfahrung: Wer erregt sofort auf jedes falsche Wort oder jeden falschen Zungenschlag reagiert, tut sich keinen Gefallen. Schnell geht einem dann der Ruf voraus, heikel, kompliziert im Umgang und übelnehmerisch zu sein. Und das wird von Vorgesetzten und Kollegen gar nicht geschätzt. Außerdem macht es das tägliche Miteinanderumgehen vollends zum Eiertanz. Heraus kommt »ein ganz verrücktes Ergebnis«, sagt Weegen: »Die Umgangsqualität in der Arbeitsgruppe, unter der viele so leiden, haben sie sich durch ihre übelnehmerische Verhaltensweise selber eingebrockt!« Zumal häufig hinter einer als kränkend empfundenen Aussage oder Handlung gar keine böse Absicht steht.

Natürlich gibt es Grenzen des Tolerablen, wo eine Intervention angebracht ist. Auch hier gilt für Weegen: Klug im eigenen Interesse handelt, wer sie sehr überlegt ausfallen lässt. Erscheint es ratsam, die Dinge nicht im Raum stehen zu lassen, sondern deutlich zu machen, dass hier eine eindeutige Grenzüberschreitung vorliegt, empfiehlt sich eine gelassene, humorvolle Reaktionsweise. Sie entschärft die Situation und schafft auch leichter die Bereitschaft, die Dinge wieder gerade oder in ein anderes Licht zu rücken, als beleidigtes Zurückblaffen.

Eine gemäßigte Reaktion empfiehlt sich auch aus Imageüberlegungen. Dieser Gedanke werde leider viel zu selten berücksichtigt. Mit einer scharfen Zurechtweisung des Gegenübers riskiert man ja nicht nur, nun den anderen zu provozieren, sondern man bringt sich auch rasch selbst in eine unglückliche Position – und überdies in ein schlechtes Licht. Gerade die Reaktion auf Kränkungen offenbart viel von der eigenen Persönlichkeit. Wer in sich ruht, ein positives Selbstwertgefühl hat, zeigt das durch eine gelassen-souveräne Reaktion auf Holprigkeiten im zwischenmenschlichen Umgang. »Grundsätzlich nie die beleidigte Leberwurst spielen«, rät Weegen. Gerade heikle Situationen wie Kränkungen seien exzellent dazu geeignet, die eigene Souveränität unter Beweis zu stellen und sich dadurch für höhere Weihen zu empfehlen.

Es ist immer ratsam, bei einer empfundenen Kränkung etwas Zeit verstreichen und Gefühle abkühlen zu lassen. Zeigt sich dann, der Stachel der Kränkung sitzt tief, eine entspannte, ruhige Situation abwarten und auf den Vorfall noch einmal unaufgeregt zurückkommen. Ohne Vorwürfe, Anklagen oder gar Drohungen. Denn in dem Moment, wo sich der andere, Chef oder Kollege, nun seinerseits düpiert fühlt, wird rasch aus einer Mücke ein Elefant. Also, sagt Weegen, »Kontaktbrücken zum anderen bauen, ihn nicht abwerten, den Ball flach halten.«