Job wechseln oder nicht?

Ingenieure gehen zurzeit weg wie warme Semmeln. Die Unternehmen stellen wieder ein, und die Zeichen der Konjunktur stehen auch weiterhin günstig. Wann ist es Zeit für einen neuen Job? Und wie wählt man den richtigen aus, damit man nicht schon nach kurzer Zeit aufs Neue suchen muss?

Ganze 12 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland finden ihren Job richtig gut. So lautet das niederschmetternde Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Jeder dritte Beschäftigte sei mit den Bedingungen an seinem Arbeitsplatz sogar extrem unzufrieden. Etwas über die Hälfte (54 Prozent) mosert zwar herum, hält es nach eigenem Bekunden aber gerade noch aus. Mehr als jeder zweite hat sich für die Note »durchschnittlich« entschieden.

Das bedeutet aber auch: Fast jeder zweite Arbeitnehmer ist, sei es erst vage im Hinterkopf oder schon aktiv mit den Hinterbeinen, auf dem Sprung. Manche nutzen die Gunst der Stunde, um mit einem Wechsel ihre Aufstiegsperspektiven zu erhöhen oder auch nur, um Ihr Einkommen zu steigern. Andere lassen sich von der sattsam bekannten Ingenieurnachfrage dazu verführen, nur mal zu testen, ob sie anderswo einen höheren Marktwert haben. Und dann gibt es eine große dritte Gruppe derer, die meinen, es nun wirklich lange genug ertragen zu haben. Die wirklich nur noch eines wollen: weg.

Echter Wechselwilliger oder Flüchter?
Erfahrene Personalberater wie Thomas Schonschek von der Frankfurter Manpower-Division, die Mitarbeiter auf Zeit vermittelt, lesen schon aus der Bewerbung heraus, wer welches Ziel verfolgt. Die »Markttester« beschreiben ihre Aktiva in leuchtenden Farben und legen es offensichtlich auf ein Vorstellungsgespräch an. Das wollen die »echten Wechselwilligen « natürlich auch, aber sie bemühen sich stärker um eine Balance zwischen den Anforderungen der Firmen und dem, was sie glauben, dazu beitragen zu können. Die »Flüchter« hingegen wiederholen oft stereotyp, was in der Anzeige oder auf der Internetseite unter Voraussetzungen aufgeführt ist. Sie glauben, je deckungsgleicher ihr Profil mit den genannten Muss- und Soll-Bedingungen ist, desto größer seien ihre Chancen. Irrtum. Die Kandidaten, deren Adressen sofort aus dem großen Stapel gefischt werden, bringen meist noch einiges mehr mit, als verlangt wird. Und das beschreiben sie dann auch.

Wenn dann aber die Gretchenfrage im Raum steht, ob ein ernsthaft wechselwilliger und mehrfach nachgefragter Kandidat nun zur Müller GmbH, zur Meier Ltd. oder zu Schulze & Co. geht, dann entscheiden die meisten Bewerber eher spontan und mit eingeschränktem Kriterienkatalog. Das ist umso merkwürdiger, weil der Entschluss für einen bestimmten Arbeitgeber in aller Regel mit beträchtlichem Aufwand und Tragweite verbunden ist. »Beim Kauf einer Hifi-Anlage wälzen viele Menschen wochenlang Testhefte und überlegen sich genau, was sie wollen«, sagt Stefan Wolf, Geschäftsführer des Wiesbadener Rekruiting-Dienstleisters TMP Communications & Services GmbH. »Die Wahl des Arbeitgebers ist eine viel weiter reichende ’Kaufentscheidung’. Trotzdem treffen die meisten diese Entscheidung spontan und wenig systematisch. Das hat Folgen: Wer nicht genau weiß, was er von seinem Job erwartet und Arbeitgeber-Angebote nicht systematisch daraufhin überprüft, trifft meist nicht die beste Wahl.«

Tatsächlich: Wer einen Musikberieseler oder ein Auto kauft, geht zunächst den eigenen Wünschen auf den Grund. Worauf legt er besonderen Wert? Was ist ihm wichtig? Dann erkundigt er sich über die Angebote, die seinen Vorstellungen am besten entsprechen. Bei der Wahl ihres Arbeitgebers verzichten Bewerber meist darauf, ihre Entscheidung derart strukturiert vorzubereiten. Zugegeben: Lange Zeit hat die schlechte Lage am Arbeitsmarkt diese Akribie verwehrt. Zumindest für Techniker und Ingenieure ist das aber vorbei. Jetzt sollte bei einem Wechsel jeder Hinweis auf die Qualität des künftigen Arbeitsplatzes beachtet werden.

Ein guter Arbeitgeber
Die Wahl des Arbeitgebers gezielt vorbereiten hört sich schwieriger an, als es ist. Am Anfang steht die Frage, was überhaupt einen guten Arbeitgeber ausmacht. Das ist nur nach individuellen Ansprüchen und Kriterien zu entscheiden. Was bedeutet mir am meisten: Gehalt, Work-Life-Balance, Unternehmenskultur, Arbeitsinhalte, Entwicklungsperspektiven, Sicherheit oder Internationalität? »In dieser Welt lassen sich nicht alle Wünsche an einen Arbeitgeber erfüllen«, sagt TMP-Chef Wolf. »Zum Beispiel finden in einem kuscheligen Betriebsklima kaum internationale Turbokarrieren statt. Bewerber müssen sich daher ihre Prioritäten bewusst machen - und sich danach für einen Arbeitgeber entscheiden.«

Die Leitfrage dabei: Unter welchen Bedingungen wäre das Arbeitsleben für mich selbst zufriedenstellend? Über diese individuelle Priorisierung im Kriterienkatalog hinaus gibt es eigentlich nur ein einziges, allgemeingültiges Kriterium: Wie zuverlässig ist der Zielarbeitgeber, wie authentisch sind seine Botschaften? Dieses Kriterium ist wertfrei, die Botschaften müssen einfach nur die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegeln. Wenn ein Arbeitgeber sagt: »Bei uns herrscht eine Uporout-Kultur«, dann kann das für den Einzelnen genau so viel wert sein wie die Botschaft: »Bei uns ist noch nie jemand entlassen worden«.

Wie überprüfen Jobsucher ihre persönlichen Kriterien am konkreten Arbeitgeber? Sicherlich ist die Qualität als Arbeitgeber für Firmenfremde nur schwer zu durchschauen. Es gibt aber dennoch einige Indikatoren: Wie intensiv setzen sich Arbeitgeber auf ihrer Unternehmens-Homepage mit dem Thema »Arbeitswelt« auseinander? Wie erklären sie Bewerbern die Jobwelt in ihrem Unternehmen? Ist die Darstellung transparent, konkret und nachvollziehbar, dann können Jobsucher davon ausgehen, dass das Unternehmen das Thema ernst nimmt.

Risiko für Bewerber
»Wenn Bewerber nur die typischen Floskeln à la ’dynamisches Team in einem innovativen Unternehmen’ präsentiert bekommen, dann können sie diesen Arbeitgebern wenig trauen«, verrät Wolf. »Derartige Stereotype haben mit der Wirklichkeit in der Regel nichts zu tun.« Das Versprechen im Urlaubskatalog, der Ort sei »schön«, reicht Urlaubern in spe nicht aus, um wirklich ihre Sommerwochen dort zu verbringen. Genau so aber lesen sich noch immer viele Selbstdarstellungen von Arbeitgebern: »Bei uns ist Arbeiten schön«. Hinter klischeehaften Formulierungen verbirgt sich kommunikatives Ungeschick oder eine gezielte Täuschungsabsicht. Das macht die Beliebigkeit in der Selbstdarstellung von Arbeitgebern zum Risiko für Bewerber. Jobsucher sollten sich bei der Zusammenstellung ihrer persönlichen Kriterienliste nicht auf das Bild verlassen, das der Arbeitgeber von sich vermittelt, sondern selbst herausfinden, ob das Unternehmen die eigenen Ansprüche erfüllen kann. Dazu können sie  einen Online-Backgroundcheck durchführen: Was liest man über das Unternehmen im Allgemeinen und die dortige Arbeitswelt im Besonderen? In Blogs, Foren und Online-Netzwerken hinterlassen ehemalige Mitarbeiter Spuren und Hinweise zur Qualität von Arbeitgebern. Derartige Äußerungen sind jedoch kritisch zu lesen, denn bisweilen handelt es sich um Hämeattacken von einzelnen, enttäuschten Mitarbeitern. Sie müssen nicht unbedingt etwas mit den tatsächlichen Verhältnissen im Unternehmen zu tun haben.

Kniffligere Fragen wie konkrete Entwicklungsperspektiven sollten Bewerber deshalb sehr intensiv im Vorstellungsgespräch klären. Das Gespräch selbst liefert einen sehr wichtigen Eindruck im Hinblick auf die Menschen im Unternehmen. Letztlich erkennen Jobsucher die Qualitäten eines Arbeitgebers aber erst dann richtig, wenn sie länger für ihn gearbeitet haben. Wie bei allen wichtigen Kaufentscheidungen bleibt also auch bei der Wahl des Arbeitgebers ein Restrisiko. Christine Demmer


Die Bewerbung 2007
IN

• Online
• Foto
• Stichpunkte zu den einzelnen Tätigkeiten
• Handynummer angeben
• Vorstellung vom künftigen Arbeitsplatz
• prägnant
• gutes Bild
• Kurzüberblick der Fähigkeiten auf dem Deckblatt
• Stichpunkte der Tätigkeit im Lebenslauf

OUT
• Print
• Nur die Adresse
• umständliche Klemmmappen
• Bewerbungen mit 5 MB
• alle Unterlagen einzeln in Klarsichtfolien
• übersichtlich handgeschriebene Lebensläufe (es sei denn, es wird explizit erwähnt)
• lange Anschreiben, die bei Adam und Eva beginnen
• Standardtexte ohne individuelle Note
• schlecht eingescannte Bilder
• viele und unnötige Zertifikate
• nicht auf die Ausschreibung angepasst
• Verweise auf Homepage
• Schreibfehler
• Religion
• Hobbies
• Powerpoint-Bewerbung

Quelle: Manpower Personaldienstleistungen, Frankfurt/Main