Job- und Gehaltsperspektiven in der Krise

2,7 Prozent mehr Gehalt zahlt die Elektronikbranche dieses Jahr im Schnitt – die Spanne reicht von Nullrunden bis hin zu 3,5 Prozent mehr für einige Bereiche. Die Aussichten sind schlecht, die Stimmung ist allerdings noch viel schlechter. Anstatt in Schreckstarre zu verfallen, sollte man jetzt die Ärmel hochkrempeln und gegebenenfalls auch einen Branchenwechsel in Erwägung ziehen.

Mit üppigen Gehaltszuwächsen ist erstmal Schluss. Das hat man sich denken können, nun gibt es Zahlen dazu: Im Schnitt 2,7 Prozent mehr Gehalt zahlt die Elektronikbranche in diesem Jahr, so der neueste Branchenreport von Interconsult. So wenig wie seit langem nicht mehr.

Zu den Verlierern gehören zum Beispiel Hardwaretechniker, die dieses Jahr ohne Gehaltserhöhung auskommen müssen: »Plus null Prozent«, schätzt Interconsult-Chef Dietrich Graf v. Reischach. Überdurchschnittlich wie auch in den Jahren zuvor profitieren Ingenieure im Bereich ASICs, Mikroprozessorsysteme, EDA, ATE, Automatisierungstechnik sowie Diplomierte, Bachelor und Master in Marketing und Vertrieb. Sie können immer noch mit einem Plus von etwa 3,5 Prozent rechnen.

Gehaltsentwicklungen interessieren immer, doch noch viel brennender die Arbeitsplatzsicherheit: Muss ich mit Arbeitslosigkeit rechnen, oder bleibe ich hoffentlich verschont? Laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends fürchten 37 Prozent der Deutschen um ihren Job – die Bundesagentur für Arbeit rechnet dagegen »nur« mit bis zu 1 Million neuen Arbeitslosen, das wären 2,7 Prozent der 27 Millionen sozialversicherten Beschäftigten in Deutschland.

Die gefühlte Krise ist also deutlich schlimmer als die echte. Einer Analyse des Internetportals jobturbo.de zufolge sind hochqualifizierte Berufe, darunter Ingenieure, ohnehin kaum betroffen. Die Firma hat dazu die Stellenausschreibungen aus 25 Online-Jobbörsen und überregionalen Zeitungen ausgewertet. Dirk Berweiler, Geschäftsführer bei jobturbo.de, kommt zu dem Schluss: »Hochqualifizierte werden, so unsere Beobachtung, tendenziell relativ unbeschadet durch die Wirtschaftskrise kommen.«

Firmen versuchen alles, um Fachkräfte zu halten

Tatsächlich gibt es im Bereich der Hochqualifizierten noch vergleichsweise wenig Jobabbau, die Firmen versuchen alles, um ihre Fachkräfte zu halten. Rohde & Schwarz etwa prüft Sparpotenziale, wo es geht, stellt derzeit auch nicht ein, hält aber Jobabbau nach Auskunft des erst kürzlich in Rente gegangenen Personalleiters Dr. Hubert Amend für die allerletzte Konsequenz, die es um jeden Preis zu vermeiden gelte. »Auch nach dieser Krise wird es schließlich wieder aufwärts gehen!«, sagte er vor ein paar Tagen auf einer Veranstaltung in München.

Nicht mal das hauseigene Gesundheitsprogramm mit Training, Sauna und Physiotherapie, das Mitarbeiter von Rohde & Schwarz für nur 25 Euro im Monat nutzen können, steht zur Disposition. Und nicht überall stehen die Zeichen auf Sturm, wie man nach täglichem Studium der Schlagzeilen annehmen könnte: Das junge Unternehmen Congatec zum Beispiel verkauft seine Computermodule vorwiegend an Kunden aus den Bereichen Medizintechnik, POS/POI und Automatisierung.