Arbeitgeberattraktivität Internes Unternehmertum würde punkten

Immer mehr Unternehmen geben ihr Bestes, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Aber geben sie auch das Richtige für jeden? Was zerstört die Arbeitsatmosphäre? Eine Trendstudie von Top Job zeigt auf, was Mitarbeiter an ihr Unternehmen bindet und was sie wegtreibt.

Im Auftrag des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität, zeag GmbH, wertete das Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen  die Befragungsergebnisse von 16.274 Führungskräften und Mitarbeitern aus 96 Unternehmen aus. Die Unternehmen haben im Rahmen des Arbeitgeber-Bechmarkings “TOP JOB“  ihre Attraktivität messen lassen.

Eines der überraschenden Ergebnisse: Männer legen besonderen Wert auf eine Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben sowie auf eine Kultur des Vertrauens. Frauen und die Generation Y hingegen erwarten vor allem inspirierende Führung. Eine überhöhte Beschleunigung, also Stress, in Unternehmen zerstört die Arbeitgeberattraktivität messbar. Die Studie belegt überdies, dass sich Arbeitgeberattraktivität wirtschaftlich auszahlt: sie misst eine 16 Prozent höhere Unternehmensleistung bei attraktiven Arbeitgebern.
Aufgrund der demografischen Entwicklung benötigen Unternehmen Mitarbeiter allen Alters und Geschlechts. Wollen sie in ihrer Personalstrategie zielgruppenspezifische Besonderheiten berücksichtigen, müssen sie deren Bedürfnisse genau kennen. Die Studie deckt hier ebenfalls Überraschendes auf: Männern ist die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf besonders wichtig. Auch legen sie erhöhten Wert auf eine Kultur des Vertrauens. Frauen hingegen wünschen eine inspirierende Führung und die Möglichkeit, internes Unternehmertum zu leben.

Eine weitere Erkenntnis: es braucht nicht allzu viele unterschiedliche Strategien für die einzelnen Zielgruppen – die Erwartungsprofile der Generationen X ähneln sehr stark denen der Männer, jene der Generation Y denen der Frauen. Ein Blick darauf, inwieweit die Unternehmen die wichtigsten Attraktivitätsförderer bereits bieten, zeigt klaren Handlungsbedarf im Ausbau des internen Unternehmertums. Ausgerechnet das wichtigste Attraktivitätsmerkmal ist bei den untersuchten Arbeitgebern noch nicht hinreichend stark ausgeprägt.

„Viele Konzepte des Personalmanagements konzentrieren sich sehr stark auf die bekannten Förderer von Arbeitgeberattraktivität.  Die Faktoren jedoch, die blitzschnell einreißen, was zuvor mühsam aufgebaut wurde, werden häufig stiefmütterlich behandelt. Deshalb haben wir gezielt diese Attraktivitätskiller untersucht“ erläutert Silke Masurat, Geschäftsführerin des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität .

Bei allen in der Studie definierten Gruppen wirken die gleichen destruktiven Kräfte. Die mächtigsten Zerstörer sind die „Beschleunigungsfalle“, eine starke „Zentralisierung“ und „korrosive Energie“. Beschleunigungsfallen liegen vor, wenn die Mitarbeiter Überbelastung in Form zu vieler Aufgaben in zu kurzer Zeit mit zu wenigen Ressourcen erleben. Der gleiche Effekt tritt zudem bei einer Mehrbelastung durch zu viele verschiedene Aufgaben oder durch eine Dauerbelastung ein.  Korrosive Energie ist gekennzeichnet durch interne Machtkämpfe und Mikropolitik.

Die Studie offenbart akuten Handlungsbedarf: korrosive Energie, resignative Trägheit, also Gleichgültigkeit, innerer Rückzug und Frustration, sowie die Beschleunigungsfalle sind in den befragten Unternehmen alarmierend stark ausgeprägt. „Weil diese Faktoren immens wichtig sind für eine nachhaltige Arbeitgeberattraktivität, messen wir bei der „Top Job“-Bewertung auch diese so genannte „Oganisationale Energie“ – also beispielsweise resignative Trägheitsmomente und korrosive Energien. So motivieren und befähigen wir die Unternehmen, auch in diesen Aspekten zielgenau zu handeln“, kommentiert Masurat die Studienergebnisse. Dass sich das lohnt, belegen folgende Daten: eine um 16 Prozent höherer Unternehmensleistung und 12 % höhere Innovationsraten förderte die Analyse bei den attraktivsten Arbeitgebern zu Tage. Auch die gemessene Kundenbegeisterung liegt hier um  12 % höher.

Die Autoren der Studie, Prof. Dr. Heike Bruch, Jessica Färber und Josef Fischer,  warten mit Handlungsempfehlungen auf. Ausgesuchte Praxisbeispiele veranschaulichen eindrücklich erfolgreich umgesetzte Maßnahmen mittelständischer hoch attraktiver Arbeitgeber. Führungskräfte und Personalverantwortliche können die Ergebnisse der Studie unmittelbar nutzen. Sie können prüfen, wie gut ihr Unternehmen bei den Attraktivitätsförderern und Attraktivitätskillern bereits aufgestellt ist und in welchen Bereichen sie sich dringend verbessern sollten.

Die Studie ist kostenfrei erhältlich auf www.topjob.de.