Ingenieur-Promotion: für kühle Rechner

Als Trägerrakete ins Management hat der Doktorhut ausgedient. Der MBA-Abschluss einer namhaften Kaderschmiede und gute Beziehungen führen schneller zum Ziel. Wer den langen Marsch dennoch auf sich nimmt, muss künftig mehr davon haben, fordert die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. Vor allem mehr Zeit für seine Doktorarbeit.

An deutschen Universitäten promovieren jährlich rund 2200 Ingenieure und Ingenieurinnen, fast 90 Prozent von ihnen als wissenschaftliche Mitarbeiter an einem Hochschulinstitut. Im Rahmen der sogenannten Assistenzpromotion bearbeiten sie wissenschaftliche Fragestellungen mit Relevanz für die industrielle Praxis – eine entscheidende Voraussetzung für Wissens- und Technologietransfer, der viele Innovationen erst möglich macht.

Wissbegierde und der Wunsch, später in Forschung und Lehre oder in der Entwicklung zu arbeiten, sollten denn auch die Hauptmotive für junge Ingenieure sein, sich nach dem Examen noch einmal auf die Ochsentour zu begeben: Thema suchen, Doktorvater oder -mutter suchen, eine Teilzeitstelle in einer Universität oder Forschungseinrichtung suchen, Zeit für die Arbeit an der Dissertation suchen.

Gut, dafür lässt sich das ungezwungene und vermeintlich so lustige Studentenleben noch ein paar Jahre lang fortsetzen. Doch Extra-Bonuspunkte für eine pfeilschnelle Teamleiter-Abteilungsleiter-Bereichsleiter-Direktor-Vorstand-Karriere in der Wirtschaft liefert der Titel nicht mehr.

Keine wertvollen Jugendjahre mit einer unüberlegten Promotion vergeuden!

Im Gegenteil: Human Resources Manager wie Barbara Hilse vom Medizintechnikkonzern Abbott in Wiesbaden warnen junge Ingenieure eindringlich davor, wertvolle Jugendjahre mit einer unüberlegten Promotion zu vergeuden. »Gefragt wird entweder ein Einsteiger, der noch keine Berufserfahrung hat, jung ist und auch im Gehalt niedrig liegt«, begründet Hilse. »Da schadet die Promotion sogar, da trotz höherer Gehaltsvorstellung und höherem Lebensalter noch keine praktische Erfahrung vorliegt.«

Alternativ suchten die Unternehmen Ingenieure mit praktischer Erfahrung. Hilse: »Auch hier bringt die Promotion keinen Zusatznutzen, da sich die Erfahrung auf ein Thema in der Tiefe bezieht und akademischer Natur ist. Gesucht wird aber eigentlich die Erfahrung durch Umgang mit Fragestellungen im praktischen Alltag.«