Wissenschaft, Minenfeld oder Dschungel Herausforderung: Kommunikation

Kommunikation ist eine Wissenschaft
Kommunikation ist eine Wissenschaft

Kommunikation ist eindeutig eine Wissenschaft. Für viele, insbesondere Ingenieure, ­sicher eine Wissenschaft für sich. Fakt ist: Wir kommunizieren immer. Egal wo, sei es verbal oder nonverbal. Sobald wir einen Raum betreten, ist es passiert.

„Ingenieurinnen und Ingenieure gestalten die Zukunft“, so das diesjährige Grußwort im Bewerbungshandbuch des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) zur Hannover-Messe 2015. Das klingt vielversprechend und das ist es auch. Denn laut VDI gibt es in Deutschland rund 1,6 Millionen Ingenieure und Ingenieurinnen mit besten Berufsaussichten. Viele steigen ins Management auf. Allein 40 Prozent der HDAX-Unternehmen haben einen Vorstandsvorsitzenden mit einem technisch-naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss. Und das sind immerhin 140.000. Die Tätigkeitsfelder von Ingenieuren sind: forschen, entwickeln, kon­struieren und produzieren. Andere arbeiten in Beratung oder Lehre. Doch wie gestalten sie die Kommunikation?

Kommunikation – ein Wahlmodul

Die Ausbildung zum Ingenieur braucht Zeit und fordert neben Intelligenz Fleiß und Ausdauer. Inklusive Promotion dauert so ein Studium gerne vier bis acht Jahre. Die Inhalte des Studiums sind komplex und umfangreich, sodass kaum Zeit für andere Themen oder Fragestellungen bleibt. Wie kommuniziere ich? Wie sehe ich mich selbst und wie sehen mich die anderen? Fragen, die unbeantwortet bleiben, solange man sie sich nicht stellt. Wenn es überhaupt Angebote für Kommunikationstrainings während des Studiums gibt, tauchen sie als Wahl­module auf. Inhaltlich geht’s meist um das Erlernen einer Vortrags- oder Präsentationstechnik. Antworten auf die gestellten Fragen werden kaum geboten und mit Persönlichkeitsentwicklung hat das rein gar nichts zu tun. Das heißt, während die Ausbildung darauf ausgerichtet ist, die Studenten mit so viel Lehrstoff wie möglich zu füttern, bleibt die Kommunikation auf der Strecke. Unabhängig davon, wo und wie man sich im Leben positionieren möchte – immer ist Menschenkenntnis gefragt. Sie entwickelt sich allerdings nur in dem Maß, in dem das Verständnis der eigenen Persönlichkeit wächst.

Kommunikation – ein Minenfeld?

Wie bei allen anderen Disziplinen steckt auch bei der Kommunikation der Teufel im Detail. Ein falsches Wort, eine unglückliche Geste, ein schräger Blick, der unpassende Ton – alles vorbei. Solche Situationen sind bekannt.

Was ist passiert? Möglicherweise wurden die Bedürfnisse des anderen ignoriert, verletzt oder nicht richtig wahrgenommen. Der Mensch fühlt sich unverstanden und zurückgewiesen. Wie heißt es so schön? Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Ob das wirklich so ist, sei einmal dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass selbst bei einer Korrektur oder Wiedergutmachung immer ein Nachgeschmack zurückbleibt. Statt Vertrauen herrscht Skepsis und die Beziehung ist von vorneherein belastet. Das sollte nicht sein. Stellt man sein eigenes Verhalten einmal auf den Prüfstand, erkennt man es selbst schnell oder holt sich Hilfe. Das bedeutet, Selbst- oder Fremdkritik zuzulassen. Zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Wer lässt sich schon gerne in die Karten schauen oder kritisieren? Dabei ist der Umgang mit Kritik leichter zu lernen, als viele glauben. Bei den Teilnehmern von Kommunikationsseminaren ist stets zu beobachten, dass sie die Regeln für Kritik – geben und nehmen – sehr schnell verinnerlichen und praktizieren. Damit ist Minenfeld Nummer eins entschärft.

Neben Gestik, Mimik und Körpersprache kommt es zusätzlich auf die richtige Sprach- und Wortwahl an. Mark Twain bringt es treffend auf den Punkt: „Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“

Nur, was ist das richtige Wort? Auch wenn es für den ein oder anderen Leser jetzt etwas hart oder überzeichnet klingen mag:

Die meisten Menschen spielen aus Sicht der Kommunikation allenfalls in der Kreisliga. Der aktive Wortschatz ist klein. Benutzt werden immer dieselben Wörter und Kombinationen, obschon das passive Vokabular deutlich größer sein dürfte. Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörter, die Gesamtgröße des deutschen Wortschatzes wird je nach Quelle und Zählweise auf 300.000 bis 500.000 Wörter geschätzt. Da gibt es also jede Menge Entwicklungspotenzial.