Gehaltsreport Elektronikindustrie 2015 Gute Zeiten für Applikationsingenieure

Die Automatisierungstechnik führt mit 3,9 Prozent plus den diesjährigen Gehaltsreport an.

Fast 4 Prozent Gehaltssteigerung in der Automatisierung und drei weitere Bereiche nur knapp dahinter: hier ist er, der neue Gehaltsvergleich für die Elektronikindustrie 2015. Für wen lohnt sich der Gehaltspoker?

Wie so oft in der Vergangenheit führt die Automatisierungstechnik den diesjährigen Gehaltsreport von Interconsult an, den karriere.elektroniknet.de wie immer exklusiv vorab in Auszügen vorstellt. Über 3,9 Prozent mehr im Säckel können sich die Beschäftigten hier inklusive aller Boni freuen, im letzten Jahr waren es 3,4 Prozent plus.

Spielen dabei Themen wie IoT oder Industrie 4.0 schon eine aktive Rolle? »Nicht wirklich«, bescheinigt Dietrich Graf von Reischach, Geschäftsführer von InterconsuIt. »Aber die Fachkräfte für diesen Bereich sind natürlich heute schon gesucht.«

 

Bilder: 18

Gehaltsreport Elektronikindustrie 2015

Gehaltsreport Elektronikindustrie 2015

Das führt dazu, dass ein Entwicklungsingenieur Hardware im Bereich speicherprogrammierbare Steuerungen, elektronische Antriebstechnik, Sicherheitstechnik oder Industrierobotik bereits frisch von der Uni mit 51.000 bis 58.000 Euro Jahresgesamtgehalt einsteigen kann. Bei Softwareentwicklungsingenieuren liegt die Spanne bei 50.000 bis 57.000 Euro. Hat der Absolvent Robotik oder Informatik mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz absolviert, kann er – gute Noten vorausgesetzt – mit 60.000 bis 72.000 Euro Einstiegsgehalt inklusive aller Gratifikationen rechnen.

Akut müht sich die Industrie aber mehr damit ab, Applikationsingenieure zu finden, die die gute Auftragslage abarbeiten. »Wir registrieren hier einen enormen Engpass«, sagt Reischach.

Gesucht sind vor allem qualifizierte Ingenieure, aber auch erfahrene Techniker haben gute Chancen, sofern sie sofort einsetzbar sind. Denn eines hat sich auch angesichts der guten Konjunktur nicht geändert: Unternehmen sind nicht bereit, viel Zeit in Ausbildung zu investieren. Gesucht ist, wer sofort loslegen kann.

Das immer stärker kundenspezifische Geschäft verlangt Vertriebsleuten einiges ab. Vorbei die Zeiten, als Vertriebler »erst mit unserer Technik« Rücksprache halten mussten, wenn der Kunde eine bestimmte Lösung suchte.

»Heute erwarten unsere Kunden, dass wir ihnen Kandidaten bringen, die das Geschäft und die Problemstellung beim Kunden alleine verstehen und sofort bewerten können«, erklärt der Personalberater diese Form der Rationalisierung. »Diese Entwicklung beobachten wir seit etwa anderthalb Jahren, und sie wird immer stärker.«

Das birgt Potenzial für Techniker mit Vertriebs-Gen: »Applikationsingenieure haben sehr gute Chancen, sich in Richtung Vertrieb weiterzuentwickeln und dadurch auch am Umsatz beteiligt zu werden«, so Reischach. Vor allem in der Distribution (1,8 Prozent Gehaltsplus für 2015) seien Applikationsingenieure Mangelware und stark gesucht.

Aber gibt es da nicht die Sackgasse »Einmal Distri, immer Distri«, die besagt, dass der Weg zurück zum Hersteller damit ein für allemal versperrt ist, weil man sich ja »weg von der Technik« bewege?

»EBV ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wohin der Weg für die Distribution geht«, so Reischach. Applikationsingenieure bei EBV hätten aufgrund ihrer technischen Expertise auch beim Hersteller gute Chancen. »Und in diese Richtung, technische Kompetenz aufzubauen, versucht sich momentan die gesamte Distribution zu bewegen«. Die Übernahmen von MSC durch Avnet und die geplante von Data Modul durch Arrow seien ein Hinweis.

Wie beurteilt Graf Reischach aktuell die Wechselmöglichkeiten? Kommt auf den Bereich an. Aus der chronisch kranken Solarbranche beispielsweise in die Halbleiterei führt dann ein Weg heraus, »wenn die Bewerber technisch gut sind«. Doch müsse allen klar sein, dass das Anforderungsprofil, dass die Kunden hinsichtlich des gewünschten Kandidaten stricken, »immer straffer umrissen wird«.

Das heißt umgekehrt, dass wer gut ist, auch verhandeln sollte. Reischach: »Firmen können sich den Weggang eines guten Applikationsingenieures heute nicht leisten.« Der Gehaltspoker kann sich also lohnen.