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Gehaltsprognose 2016: Was die Elektronikindustrie nächstes Jahr bezahlt

Werden die Gehälter in der Elektronikindustrie auch im nächsten Jahr weiter steigen? Hier ist unsere Herbstprognose auf die Elektronik-Gehälter 2016, die Interconsult exklusiv für Markt&Technik abgegeben hat.

Kurz gesagt: im Schnitt geht es 3,7 Prozent nach oben. Am höchsten sind die Steigerungen in der Computersoftware, plus 4 Prozent werden 2016 erwartet.

Am geringsten mit 0,4 Prozentpunkten dürfte der Sprung nach oben in der Automatisierungstechnik sein, denn hier herrscht in diesem Jahr bereits ein vergleichsweise hohes Gehaltsniveau vor: 3,9 Prozent mehr gab es heuer.

Die Gehälter sind vor allem durch zwei Konstanten getrieben: Den Mangel an Spezialisten (Vertrieb, Applikation, Entwicklung), sichtbar auch an einer hohen Anspruchshaltung der Bewerber. Und zum anderen durch die gute Konjunkturentwicklung, die dabei hilft, die Ziele und Boni zu erreichen, die das Fixgehalt ergänzen.

Eher zähneknirschend würden die Unternehmen die fälligen Gehaltsrunden mitgehen, sagt Personalexperte Dietrich Graf von Reischach, denn »sie haben schlichtweg keine andere Wahl«. Kandidaten treten heute selbstbewusst auf, wüssten, was sie wert seien.

Gleichzeitig müssen sie aber ins Gehaltsgefüge passen. Ein Dilemma, dass HR-Verantwortliche unter Druck setzt, marktübliche Gehälter anzubieten. »Sie bekommen sonst eben keine guten Leute mehr«, so Reischach.

Der Fachkräftemangel, doch keine Schimäre? »Natürlich gibt es attraktivere und unattraktivere Kandidaten«, erklärt der Graf, der vor seiner Zeit als Managementberater Personalchef bei Texas Instruments war. »Und daraus entsteht auch immer wieder der Zweifel am ‚Buzzword‘ Fachkräftemangel.«

Aber kann ein Ingenieur per se für den Arbeitsmarkt unattraktiv sein, angesichts des kolportierten Mangels?

Reischach sieht durchaus Ausschlusskriterien. So seien Menschen, die seit vielen Jahren in der Komfortzone in ein und derselben Firma verharrten, womöglich noch in einer technologischen Nische, im Falle eines Jobverlustes wenig attraktiv für Arbeitgeber.

Denn die Firmen wollten zwar einerseits Kontinuität, erklärt Reischach, aber eben auch Expertise auf dem neuesten Stand der Technik und am liebsten sofort einsetzbar.

»Somit haben die Unternehmen zwar einerseits hohen Einstellungsbedarf, schauen aber gleichzeitig noch genauer und strenger aufs Kandidaten-Profil als früher, weil sie unter Entwicklungs- und Margendruck im Tagesgeschäft stehen und für lange Einarbeitung keine Zeit ist.«

Denn der Kunde, so beobachtet Reischach, verlasse sich zunehmend auf die Lösungskompetenz der Hersteller. Und der müsse liefern.

Für gesuchte Leute gebe es weiterhin einen Bewerbermarkt. Das Gehalt ist mehr denn je ein Hygienefaktor, der als selbstverständlich angenommen wird und »stimmen muss«, aber nicht etwa zur Zufriedenheit beiträgt.

Stattdessen entscheiden andere Faktoren über »Bleiben oder Gehen«: die Arbeitsatmosphäre, die Unternehmenkultur, Spaß und Gewinn bei der Arbeit, Kollegen und - vor allem - der direkte Vorgesetzte.

Die Chancen auf ein Gehaltsplus stehen für 2016 also nicht schlecht, vor allem wenn man einen Jobwechsel plant: »10 Prozent sind für gute Leute eigentlich immer drin«, sagt Dietrich Graf von Reischach, »je nach Expertise sogar mehr«.

(Anm. d. Red.: Den nächsten Gehaltsreport gibt es im Markt&Technik-Trendguide "Die besten Arbeitgeber 2016", Redaktionsschluss 31.01.15).