Vergütungsstudie Gehälter sollen nächstes Jahr steigen

Nächstes Jahr sollen die Gehälter insgesamt um bis zu 3 Prozent steigen, prognostiziert eine Studie der Hay Group. Unsicher ist, ob auch die Automobilindustrie daran festhalten kann.

Einer aktuellen Vergütungsstudie der Unternehmensberatung Hay Group zufolge konnten sich Mitarbeiter im vergangenen Jahr über deutlich höhere Bonuszahlungen freuen: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Boni branchenübergreifend um acht Prozent. 

Im Branchenvergleich zeigt sich, dass vor allem die Chemiebranche ihre Mitarbeiter 2014 mit einem kräftigen Plus belohnte. So stiegen die Bonuszahlungen in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent. Die Bonuswerte in dieser Branche erreichten damit nach einem deutlichen Rückgang während der durch Sparprogramme geprägten Jahre 2012, 2013 bzw. 2014 wieder ihr Niveau von 2011.

Boni sind laut Hays nach wie vor bei fast allen Unternehmen ein unverzichtbarer Bestandteil des Vergütungspakets, trotz der kritischen Stimmen, die hierzu in letzter Zeit laut geworden sind.

Zum einen liege dies daran, dass in den Boni auch Erfolgsbeteiligungen erfasst werden; zum anderen seien Boni, wenn sie gut gemacht sind, »neben dem Grundgehalt das wichtigste Instrument, um individuell differenziert und damit auch gerecht zu vergüten.«, so Thomas Gruhle, Mitglied der Geschäftsleitung der Hay Group.

Obwohl die Bonuszahlungen in absoluten Zahlen branchenübergreifend stiegen, wurden die Ziele und somit die Ziel-Boni aber häufig nicht erreicht. Gruhle führt das darauf zurück, dass die Ziele in vielen Unternehmen »zu anspruchsvoll« sind. Auch die Messung der falschen Ziele oder der komplette Verzicht auf Zielvereinbarungen könnten Gründe für diese Entwicklung sein.

Mit welcher Gehaltsentwicklung rechnet Hay im kommenden Jahr? Der Pfeil geht nach oben: Unternehmen verschiedener Branchen rechnen laut Hay derzeit mit einem Plus von 2,9 Prozent. Bei der derzeit niedrigen Inflationsrate blieben Arbeitnehmern so real rund zwei Prozent mehr.

Geplante Nullrunden nehmen weiter ab: Während im Vorjahr noch 5,7 Prozent der Unternehmen eine solche planten, sind es in diesem Jahr nur noch 1 Prozent.

Als Grund für die steigenden Gehälter nennt Vergütungsexperte Thomas Gruhle die stabile Wirtschaftslage. »Gründe hierfür sind die gute Geschäftsentwicklung der Unternehmen sowie die durchaus positiven gesamtwirtschaftlichen Prognosen. Auch die anhaltend hohen Produktivitätssteigerungsraten und die individuellen Leistungen der einzelnen Mitarbeiter in vielen Unternehmen beeinflussen diesen Trend maßgeblich«.

Im Branchenvergleich stehen Pharmaunternehmen mit einer geplanten Gehaltssteigerung von 3,2 Prozent an der Spitze. Dahinter folgen die Chemiebranche, Industrieunternehmen und der Handel, die alle mit einem Plus von 3,0 Prozent rechnen. Das Schlusslicht bilden die Dienstleistungsbranche (+2,4 Prozent), die Öl- und Gaswirtschaft (+2,3 Prozent) und die Energieversorger (+2,1 Prozent).

Auch die Automobilbranche geht bislang von einem Anstieg der Gehälter aus: Laut der aktuellen Vergütungsstudie der Hay Group planen die Unternehmen mit einem Plus von 3,0 Prozent.

»Angesichts des aktuellen Abgasskandals ist nicht klar, ob sich diese Prognose bewahrheiten wird. Nach herben Kursverlusten bei vielen europäischen Automobilherstellern – 40 Prozent innerhalb von anderthalb Wochen allein bei Volkswagen – lässt sich allerdings erahnen, dass Konsequenzen für die Unternehmen der Branche und somit für deren Gehaltsentwicklung folgen werden«, sagt Thomas Gruhle.