Frauenquote in der Metall- und Elektroindustrie »Finde den Fehler«

Die Meldung vom 11. Dezember des Arbeitgeber-Verbandes Gesamtmetall: »Finde den Fehler«, twitterte Pressesprecher Martin Leutz, dazu zwei Grafiken über die Berufswahl von Frauen und Männern.
Die Meldung vom 11. Dezember des Arbeitgeber-Verbandes Gesamtmetall: »Finde den Fehler«, twitterte Pressesprecher Martin Leutz, dazu zwei Grafiken über die Berufswahl von Frauen und Männern.

Es ist ja kein Geheimnis, dass die Industrie kein Freund der beschlossenen Frauenquote ist, die ab 2016 gelten soll. Im Fall der Elektroindustrie kommen dazu auch handfeste Argumente: Woher sollen die technisch versierten Frauen so plötzlich kommen?

Die Meldung des Arbeitgeber-Verbandes Gesamtmetall vom 11. Dezember klang sarkastisch: »Finde den Fehler«, twitterte Pressesprecher Martin Leutz, dazu zwei Grafiken über die Berufswahl von Frauen und Männern.

Auf Platz 1 bei Männern: Kraftfahrzeugmechatroniker, bei Frauen: Verkäuferin. Erst auf Platz 47 der Ausbildungsberufe 2013 (Neuabschlüsse) von Frauen folgt einer mit technischem Background, Industriemechanikerin. Auf Platz 43, immerhin, die technische Produktdesignerin. Bei den Männern hingegen sind gleich fünf Berufe mit technischem Fokus unter den Top 15.

Leutz‘ Chef Rainer Dulger ist Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, einer Branche mit 3,7 Millionen Beschäftigten. Der 50-Jährige hat Maschinenbau studiert und leitet mit seinem Bruder den Familienbetrieb ProMinent Dosiertechnik in Heidelberg.

In einem Interview mit der Zeitung »Welt« klagt Dulger über die Schwierigkeiten, denen sich die Branche nun gegenüber sieht. »Wir bemühen uns seit Jahren darum, den Frauenanteil insgesamt zu erhöhen. Das ist die Basis dafür, auch mehr Frauen in Führungspositionen zu haben. Bei den Mädchen sind die Berufe aus unserer Branche aber leider nicht so beliebt wie bei den Jungen.«

Im akademischen Bereich sieht es nur wenig besser aus. In der Industrie haben laut Dulger mehr als die Hälfte aller Manager einen Abschluss als Ingenieur. Es werde schwer, dafür ausreichend Frauen zu finden, wenn der Frauenanteil bei Studienanfängern weiterhin so niedrig sei. Im Fach Elektrotechnik lag er im vergangenen Jahr bei 13 Prozent, beim Maschinenbau bei 20 Prozent.

Familienunternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie haben angesichts der beschlossenen Frauenquote für Aufsichtsräte also Handlungsbedarf, das zeigt auch eine neue Untersuchung von Kienbaum: In 15 untersuchten Familienunternehmen fehlen 29 weibliche Aufsichtsräte, um die Frauenquote von 30 Prozent zu erfüllen. Das sind im Schnitt zwei Frauen je Aufsichtsrat.

Die Familienunternehmen liegen mit zwei fehlenden Frauen je Rat genau im Durchschnitt aller betroffenen Unternehmen. Denn insgesamt fehlen 230 weibliche Aufsichtsräte in den 114 betroffenen Börsenunternehmen, hat die Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag des Bundes berechnet. Auch der aktuelle Frauenanteil von rund 17 Prozent in den Aufsichtsräten der Familienunternehmen entspricht etwa dem Durchschnitt.

»Nur eines der betroffenen Familienunternehmen erfüllt derzeit die Quote: der Konsumgüterhersteller Henkel aus Düsseldorf. Bei den restlichen Familienunternehmen fehlen zwischen einer und vier Frauen in den Kontrollgremien. Ein Vorteil dieser Firmen ist, dass sie häufig auf erfahrene Managerinnen aus der Familie zurückgreifen können, um vakante Aufsichtsposten zu besetzen«, sagt Monika Berane, Partnerin bei Kienbaum und als Personalberaterin spezialisiert auf die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen.