Erfolgreich als Frau im Ingenieurberuf

»Frauen in Ingenieur-Berufe« ist ein immer wiederkehrender Appell, wenn über den »Ingenieur-Mangel« in unserer Gesellschaft geklagt wird. Frauen sind rar – sowohl während des Studiums als auch im Berufsleben. Doch es gibt auch Beispiele dafür, dass Frauen diesen Beruf mit Freude ausüben, Erfolg haben und ihren Beruf mit Familie verbinden können – wie Dr.-Ing. Andrea K. Bör, Geschäftsführerin der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU München. Elektronik-Redakteurin Christine Rosette sprach mit ihr über ihre Erfahrungen.

Was hat eigentlich den Ausschlag gegeben, dass Sie dieses Fach wählten? Waren es Ihre Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern, Freunde, Eltern?

Dr.-Ing. Andrea K. Bör: Als Leistungskurse in der Oberstufe belegte ich Mathematik und Französisch, ich spielte mehrere Instrumente, meine Eltern waren im sozialen Bereich tätig (Erzieher bzw. Krankenschwester). Eigentlich wusste ich nur, dass ich ein Studium aufnehmen wollte, zwischen Medizin und Betriebswirtschaft war alles denkbar. Privat ergab sich zufällig der Kontakt zu Maren Heinzerling, einer Maschinenbauingenieurin, die 1990 den ersten Münchner Mädchen-Tag initiierte. Da ich schon immer gerne organisierte und kurz vor dem Abitur stand, durfte ich als »Schülervertreterin« bei den Vorbereitungen mithelfen. Dieser Kontakt und weitere Gespräche mit Ingenieurinnen und Ingenieuren ergab schließlich den Ausschlag, sich für das Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU München einzuschreiben.

Wie empfanden Sie Ihr Studium, wurden Sie als Frau – es waren sicherlich nicht sehr viele in Ihren Vorlesungen – akzeptiert, eher belächelt oder wurden Sie sogar eher bewundert?

Sicherlich beides. Insbesondere im privaten Umfeld musste man sich häufiger rechtfertigen, warum es gerade ein technisches Studium sein sollte. Bei den Studienkollegen wurde ich jedoch immer voll und ganz akzeptiert – im Gegenteil: Frauen in den (Lern-)Gruppen waren äußerst beliebt, so kamen auch die anderen Aspekte des Lebens beim Lernen und Arbeiten, zum Beispiel die Nahrungsmittelversorgung, nicht zu kurz.
Eindrucksvoll ist ja, dass Sie Karriere machen konnten, obwohl Sie in dieser Zeit vier Kinder bekamen – das jüngste ist ja immerhin erst vier Jahre alt.

Ihre Lebenslauf zeigt ja eine durchgängige Berufstätigkeit auf – wie ist es Ihnen gelungen, ihre Arbeit und Ihre Mutterschaft zu verbinden?

Die ersten beiden Kinder bekam ich bereits während des Studiums – allerdings immer in den Semesterferien – so dass ich einfach weiterstudiert habe. Die ersten Monate habe ich die Kinder dann einfach mitgenommen und mit jeweils circa einem Jahr in der studentischen Kinderkrippe an der Hochschule unterbringen können. Die beiden weiteren Kinder kamen während der Promotionszeit. Da ich parallel als Wissenschaftliche Mitarbeiterin Vollzeit am Lehrstuhl beschäftigt war, konnte mein Mann, der freiberuflich tätig ist, in den ersten Monaten sich vorrangig um die Kinder kümmern.