MINT-Studienanfänger Elektrotechnik verliert, Allzeithoch in der Informatik

Im Wintersemester haben sich so viele Studierende wie noch nie an den Hochschulen eingeschrieben. Die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in der Informatik ist auf 34.300 gestiegen, ein neuer Rekord und ein Anstieg um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hingegen hat Elektrotechnik 4,6 Prozent eingebüßt.

Nach ersten vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben sich 2.698.000 Studierende im aktuellen Wintersemester an einer deutschen Hochschule immatrikuliert.

Damit erhöhte sich die Zahl im Vergleich zum Wintersemester 2013/2014 um 81.500 (+ 3,1 %).

Das ist ein neuer Höchststand, so viele Studierende gab es in Deutschland bisher noch nie.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Studierenden um mehr als ein Drittel angestiegen. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts zum Wintersemester 2014/15 hervor.

Im Studienjahr 2014 gab es knapp 500.000 Studienanfängerinnen und -anfänger. Gegenüber dem Vorjahr ist diese Zahl wie erwartet leicht zurückgegangen (minus 1,9 Prozent), da die Effekte der doppelten Abiturjahrgänge aus den Vorjahren abklingen.

Mit 40.900 Studierenden im ersten Hochschulsemester begannen etwas weniger ein Studium in Maschinenbau/Verfahrenstechnik als im Vorjahr (– 1,9 %). 34.300 Personen schrieben sich in ihrem ersten Hochschulsemester im Studienbereich Informatik (+ 2,6 %) ein, 17.700 in Elektrotechnik (– 4,6 %) und 12.300 im Bereich Bauingenieurwesen (+ 3,6 %).

Beim VDE ist man nach einer ersten Einschätzung überrascht: "Das scheint eine neue Tendenz zu sein", kommentiert Experte Dr. Michael Schanz. "Die Elektrotechnik war in den letzten Jahren beliebter geworden - nun ein Rückgang im Vergleich zu den anderen Studiengängen, das ist schwer zu erklären."

Möglicherweise ziehe die Energiewende nicht mehr so als "medialer Teaser, da die jungen Leute scheinbar kaum Fortschritte bei dem Thema verspüren, sondern nur endlose Diskussionen und politisches Wirrwar."

Zumal die informationstechnischen Fächer innerhalb des Studiums der Elektrotechnik ohnehin immer unbeliebter würden und damit als Zugpferd ebenfalls nicht taugten.

Freude hingegen beim BITKOM. »Bei jungen Menschen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Informatik hervorragende Berufsperspektiven bietet«, kommentiert BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder die Zahlen. »Die Digitalisierung fast aller Lebens- und Arbeitsbereiche macht professionelles IT-Know-how unverzichtbar.«

Die öffentliche Debatte um IT-Sicherheit, Cloud-Anwendungen, Mobile Services und Industrie 4.0 hätten dazu beigetragen, dass die Informatik bei den Studienanfängerzahlen von bereits hohem Niveau aus nochmals zulegen konnte.

Frauen scheint das ebenfalls anzusprechen, sehr zur Freude des BITKOM: Während die Zahl der männlichen Studierenden nur um 1,8 Prozent zulegte, wurden 5,6 Prozent mehr Frauen im Vergleich zum Vorjahr registriert.

Die knapp 7.700 Frauen im ersten Hochschulsemester repräsentieren damit knapp 22,5 Prozent aller Erstsemester. »Der positive Trend zu mehr Frauen in der ehemaligen Männerdomäne IT hält damit nun schon im dritten Jahr an«, so Rohleder. »Trotzdem sehen wir noch viel Luft nach oben.«