Arbeitswelt 4.0 braucht neue Entlohnungskonzepte Digitalisierung: Wer kriegt die Dividende?

Schon auf der Automatica 2014 erstmals vorgestellt, aber immer noch hochaktuell ist der einarmige Leichtbauroboter »LBR iiwa« von Kuka - iiwa steht für »Intelligent Industrial Work Assistant«. Hier ist er bei der Montage von Geschirrspülern tätig.
Wer streicht die Dividende durch den Produktivitätsgewinn ein, wenn Maschinen künftig Menschen ersetzen? Hier der einarmige Leichtbauroboter »LBR iiwa« von Kuka bei der Montage von Geschirrspülern - iiwa steht für »Intelligent Industrial Work Assistant«.

Der Einsatz moderner Technologien wird nicht nur die Arbeit stark verändern, sondern auch die Produktivität in nie da gewesenem Ausmaß steigern. Wer bekommt die Dividende? Reicht es, dass Betriebsräte faire Regeln im Umgang mit Arbeiten 4.0 aushandeln, oder brauchen wir angesichts steigender Produktivitäts- und Renditeversprechen auch radikal neue Entlohnungskonzepte?

Phoenix Contact regelt die Transformation zu Industrie 4.0 in engem Austausch zwischen Betriebsrat und Management, so berichtet es Geschäftsführer Prof. Gunther Olesch.

Das dürfte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gefallen: Denn um zumindest Teilaspekte der digitalen Umwälzungen zu regeln, rät sie Betriebsräten, sich so früh wie möglich gestaltend einzubringen.

Dazu müssten sie aber auch mit mehr Rechten ausgestattet werden, fordert die Stiftung: Das sei eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Untersuchung, die Dr. Manuela Maschke und Nils Werner aus der Mitbestimmungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt hat.

»Faire, transparente Regeln sind nicht nur im Interesse der Beschäftigten«, betont Maschke. »Sie sind Voraussetzung für motivierte, selbstverantwortliche Arbeit, ohne die moderne Unternehmen gar nicht funktionieren können.«

Dem von Maschke geleiteten Archiv für Betriebsvereinbarungen liegen insgesamt rund 2.500 Abkommen vor, die auf sehr unterschiedliche Weise den Einsatz von Technik regeln, wie etwa die Nutzung mobiler Geräte, Social Media oder Datenschutz.

Darüber hinaus betrifft die Digitalisierung Themen wie Arbeitszeit, Arbeitsprozesse, Gesundheitsschutz oder Weiterbildung. Auch dazu gibt es bereits praktische Erfahrungen. Anhand von Beispielen zeigen die Experten, welche Praktiken sich bewährt haben und wo noch Handlungsbedarf besteht. Immerhin, so zeigt die Auswertung, werden Betriebs- und Personalräte heute tendenziell früher beteiligt als noch vor zehn bis 15 Jahren.

Die neuen technischen Möglichkeiten erlauben auf der einen Seite mehr Freiheiten und Flexibilität, auf der anderen Seite verlangen sie dem einzelnen Beschäftigten mehr ab: »Arbeiten ist zu jeder Zeit und an allen Orten möglich, wachsende Leistungsverdichtung und ständige Erreichbarkeit erzeugen so viel Druck, dass individuell Grenzen kaum gesetzt werden können«, so die Autoren.

Aber sind elektronische Abwesenheitsassistenten für ein Recht auf Nichterreichbarkeit (wie »Mail on Holiday« bei Daimler) zu Ende gedacht? Der Service löscht alle E-Mails, die während des Urlaubs eingehen, automatisch.

Bei BMW und Bosch sollen Beschäftigte die Vorteile flexibler Arbeitszeiten und -orte nutzen können, ohne dass darunter die Freizeit leidet, eigenverantwortlich und aufgabenbezogen. Bedingung ist, dass die Arbeitszeit aufgezeichnet und entsprechend vergütet wird.

Das findet Lob bei der Stiftung: »Wenn die allgegenwärtige Erreichbarkeit eingehegt wird und über die vereinbarte Arbeitszeit hinausgehende Leistung auch bezahlt wird, dann wird der Nutzen des Arbeitens unabhängig von Zeit und Ort wachsen«, erklärt Maschke.

Sind also mehr Rechte für Betriebsräte das Gebot der Stunde, oder sollte man die Mitarbeiter nicht besser gleich zu Mitunternehmern machen?