Arbeitswelt »Industrie 4.0« Die Arbeit der Zukunft? Steht längst noch nicht fest.

Eine von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanzierte Forschungsarbeit zeigt, dass noch längst nicht ausgemacht ist, wie die Arbeit der Zukunft im Zuge der vierten industriellen Revolution aussehen wird. Das heißt: der Wandel ist noch (mit-)gestaltbar.
Eine von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanzierte Forschungsarbeit zeigt, dass noch längst nicht ausgemacht ist, wie die Arbeit der Zukunft im Zuge der vierten industriellen Revolution aussehen wird. Das heißt: der Wandel ist noch (mit-)gestaltbar.

Wie die Zukunft der Produktionsarbeit aussehen wird, ist alles andere als klar. Das zeigt ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt an der Technischen Universität Dortmund. Wissenschaftler haben dazu die aktuellen Prognosen zur »Industrie 4.0« untersucht. Ergebnis: Die Prognosen widersprechen sich teilweise sogar.

Meistens, so die Forscher von der TU Dortmund, sei in der wissenschaftlichen Literatur die Rede von einer zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung der Produktion, von der »smarten Fabrik« oder der Vernetzung von Mensch und Maschine. Manche sprechen auch von der »vierten industriellen Revolution«, einem »zweiten Maschinenzeitalter«.

Und manchmal ist sogar die Rede von einem »digitalen Tsunami«. Letzteres lässt nicht unbedingt Gestaltungsspielraum vermuten, doch eine aktuelle Analyse der TU Dortmund zeigt: Die Bandbreite der Erwartungen an »Arbeitsmarkt und Industrie 4.0« ist noch sehr breit; der Wandel somit keineswegs vorgegeben, sondern noch gestaltbar. Denn was sich genau hinter den verschiedenen Schlagworten zu »Industrie 4.0« verbirgt, bleibt noch weitgehend unklar.

Es existiere eine »nahezu unüberschaubare Flut von Publikationen, Projekten und Veranstaltungen« zum Thema. Die Bandbreite reiche von »idealisierenden Zukunftsvisionen« bis hin zu »pessimistischen Trendaussagen«.

Einig seien sich diese Einschätzungen zumindest darin, dass die neuen Technologien erhebliche Veränderungen nach sich ziehen werden. Eine Interpretation, die die Dortmunder Wissenschaftler teilen: »Es ist davon auszugehen, dass Industrie-4.0-Systeme im Fall ihrer breiten Durchsetzung die bisherigen industriellen Arbeitswelten nachhaltig verändern werden.«

Doch was heißt das konkret? Wie soll sich etwa das Personalmanagement darauf einstellen?

Die Forscher nennen erste Beispiele aus der Praxis: So wird etwa bei der Würth-Gruppe die Materialversorgung von Arbeitsplätzen mithilfe von Werkzeugkästen gesteuert, die selbstständig Schrauben nachbestellen. Im BMW-Werk in Landshut kommt bei der Qualitätsprüfung von Stoßfängern ein System zum Einsatz, das bestimmte Gesten der Arbeiter deuten kann: Erachtet ein Mitarbeiter ein Teil für gut, wird es nach einer Wischgeste von Robotern weitertransportiert. Beim Maschinenbauer Trumpf steuern Mitarbeiter die Fertigung, ohne direkt danebenstehen zu müssen. Auf Tablets sehen sie Videobilder vom Zustand der Maschinen.

Auch wenn sich die Anwendung der neuen Technologien bislang noch auf wenige Projekte oder Modellfabriken beschränkt, gehen die Forscher davon aus, dass ihre Verbreitung rasch zunehmen dürfte – mit Auswirkungen auf zahlreiche Berufsbilder.

Aus Arbeitnehmersicht stellen sich dabei zentrale Fragen: Wie viele und welche Arbeitsplätze könnten durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung der industriellen Produktion wegfallen? Und welche könnten neu entstehen? Welche Qualifikationen könnten künftig gefordert sein? Und wie kann sichergestellt werden, dass die Rechte der Beschäftigten gewahrt bleiben?

Zwar erwarten die Forscher der TU zum jetzigen Zeitpunkt noch keine eindeutigen Antworten, die Wissenschaftler haben aber aus der Fülle der erschienenen Publikationen wesentliche Trends herausgearbeitet: