Neue Zahlen zum demographischen Wandel Deutschland ergraut immer schneller

Der demographische Wandel wirkt schneller und stärker als erwartet, trotz Zuwanderung: Bereits in den nächsten 20 Jahren verschiebt sich die Altersstruktur der Bevölkerung kräftig, die Anzahl der Erwerbstätigen sinkt im Vergleich zu heute drastisch. Zu diesen Ergebnissen kommt eine bislang unveröffentlichte Studie der Universität Köln.

Deutschlands Bevölkerung wird immer schneller immer älter, gleichzeitig sinkt die Einwohnerzahl - weil die Lebenserwartung stetig steigt und immer weniger Kinder geboren werden. Bis zum Jahr 2060 wird jede zweite in Deutschland lebende Person mindestens 51 Jahre alt sein und die Einwohnerzahl um zehn Millionen auf 71 Millionen zurückgehen.

Bereits bis 2035 wird dadurch, dass die Generation der Babyboomer aus dem Erwerbsleben ausscheidet, der Umfang der Bevölkerung im Erwerbsalter um fast acht Millionen sinken .

Zu diesen Ergebnissen kommt eine bislang unveröffentlichte Studie von Professor Dr. Eckart Bomsdorf von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

»Unsere Berechnungen zeigen, dass der demographische Wandel stärker ausfällt als nach den Ergebnissen des Zensus 2011 vielfach angenommen. Das wird gravierende Auswirkungen haben, wie in der Vergangenheit bereits das Beispiel Sachsen zeigt. Dort sind in den vergangenen 20 Jahren rund 1000 Schulen geschlossen worden, weil der Nachwuchs fehlte. Derartige Entwicklungen wird es in Zukunft vermehrt geben.«, kommentiert Bomsdorf die Studie, die unter Mitarbeit von Dipl.-Kfm. Dipl.-Volksw. Jörg Winkelhausen entstand.

Für die Untersuchung wurden für Deutschland erstmals auf der Basis der Volkszählung 2011, des sogenannten Zensus 2011, und der Bevölkerungsstruktur von Ende 2013 Bevölkerungsvorausberechnungen bis 2060 vorgenommen.

Die Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis 65 Jahre) nimmt der Basisvariante der Studie nach sowohl relativ als auch absolut deutlich ab, nämlich von heute knapp 50 Millionen bis 2060 auf 36 Millionen. Auf 100 Personen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren kommen dann fast genauso viele, die entweder noch nicht oder nicht mehr im Erwerbsalter sind (also jünger als 20 oder älter als 65 Jahre alt sind), und von den Erwerbstätigen finanziert werden müssen. »Wenn unser derzeitiges Rentensystem bei zunehmend älterer Bevölkerung leistungsfähig bleiben soll ist ein späteres Renteneintrittsalter unabdingbar,« erklärt Bomsdorf.

Es liegt vor allem an der Babyboomergeneration, also denen, die zwischen 1950 und 1970 geboren wurden, dass es bereits in den nächsten 20 Jahren eine kräftige Verschiebung in der Altersstruktur der Bevölkerung geben wird und die Anzahl der Erwerbstätigen im Vergleich zu heute drastisch abnimmt.

Diese Jahrgänge sind nämlich selber geburtenstark, haben aber relativ wenige Kinder bekommen, so dass die nachfolgende Generation wesentlich kleiner ist als die, die demnächst in Rente geht. Bis 2060 wird es zudem viel mehr sehr alte Menschen geben als heute.

Während es aktuell in Deutschland 650 000 Männer und Frauen gibt, die älter als 90 Jahre sind, werden es 2060 rund fünfmal so viele sein, nämlich 3,3 Millionen oder fast fünf Prozent der Bevölkerung.

Selbst die aktuell hohe Zuwanderung kann das demographische Problem nicht lösen. Deutschland bräuchte dauerhaft mehr Zuwanderung, um seinen Bevölkerungsumfang aufrechtzuerhalten. Da die Geburtenzahlen auf niedrigem Niveau verharren bzw. sogar zurückgehen werden, kann Deutschland seinen Bevölkerungsumfang von gegenwärtig rund 81 Mio. Einwohnern bis 2060 nur stabilisieren, sofern der jährliche Wanderungsüberschuss nahezu 350 000 Personen beträgt.