Karriere im Elektrohandwerk »Der Meister gilt weltweit als Qualitätssiegel«

Lothar Hellmann, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).
Lothar Hellmann, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Der Bedarf an Akademikern in der Elektro- und Informationstechnik kann aktuell gedeckt werden, vor allem dank des ungebremsten Zustroms ausländischer Studierender an die Hochschulen. Ganz anders beurteilt Lothar Hellmann, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), die Nachwuchssituation.

Herr Hellmann, der Zustrom an die Hochschulen ist ungebrochen. Wie muss die berufliche Bildung auf den anhaltenden Akademisierungstrend reagieren?

Lothar Hellmann: Es müssen Anreize geschaffen werden, dass die akademische Ausbildung nicht als das Non-Plus-Ultra angesehen wird. Zuletzt lag der Anteil der Schulabsolventen, die sich für ein Studium entscheiden, erstmals über 50 Prozent. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Attraktivität der e-handwerklichen Berufe noch stärker in den Köpfen der potenziellen Auszubildenden verankert wird, damit sie eine Karriere im Handwerk als lohnenswerte Alternative ansehen.

Welche Rolle spielen Internationalisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt für die Berufsbildung?

Die Ausbildungsordnungen müssen regelmäßig angepasst werden und auf solche Megatrends reagieren. Dies ist aktuell auch bereits geschehen, da die Berufsbilder durch die genannten Entwicklungen einen komplexen Wandel erfahren haben.

Was bedeutet die zunehmende Heterogenität in den Ausbildungsvoraussetzungen (vgl. auch Zuwanderer, Flüchtlinge, Studienabbrecher?) für die Zukunft der dualen Berufsausbildung?

Ziel muss es sein, allen die Möglichkeit der dualen Ausbildung mit den damit verbundenen Karriereoptionen zu eröffnen. An dieser Stelle ist aber auch die Politik gefragt: Sie muss im Vorfeld generell die Möglichkeit schaffen, dass beispielsweise Zuwanderer die sprachlichen Kenntnisse erlangen können, um eine bessere Ausbildungsreife zu erlangen. In der Praxis findet auch schon das Modell des »assistierten Ausbildung« Anwendung: Intellektuell Schwächere und Menschen mit körperlichem Handicap erhalten eine Begleitung, die ihnen hilft, die Herausforderungen zu bewältigen.

ZVEH, VDE und ZVEI ist daran gelegen, die Durchlässigkeit zwischen Studium und beruflicher Bildung zu erhöhen. Für den ZVEH bedeutet das sowohl Aufstiegsfortbildung als auch das »Auffangen« von Studienabbrechern, um mehr qualifizierte E-Handwerker zu bekommen. Wie erfolgreich gestaltet sich das?

Fachkräfte müssen für Herausforderungen wie die Energiewende, die Gebäudeautomatisierung und die fortschreitende Digitalisierung in ausreichender Zahl vorhanden und gewappnet sein – vor allem auch, um die Qualität der Arbeit weiterhin gewährleisten zu können. Die Anforderungen an die e-handwerklichen Berufsbilder und das Image der Tätigkeiten haben sich zudem in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Es handelt sich um hochtechnisierte Berufe.

Studienabbrecher bringen in der Regel eine große Qualität mit. Sie merken oft nach wenigen Semestern, dass ihr Talent mehr im praktischen als im theoretischen Bereich liegt. Ihnen müssen Perspektiven aufgezeigt werden, wie sie über die duale Ausbildung auch im Handwerk Karriere machen können, z.B. über die Option der Meisterfortbildung mit der Aussicht, später als selbstständiger Unternehmer tätig zu sein. Das E-Handwerk bietet aber auch attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten neben der Selbständigkeit an, so dass die Fachkräfte auch sehr verantwortungsvolle Tätigkeiten in einem Angestelltenverhältnis ausüben können.

Erfreulich ist, dass die Anzahl der Auszubildenden mit Hochschulreife im E-Handwerk seit 2003 von unter vier Prozent auf knapp zehn Prozent angestiegen ist und sich damit mehr als verdoppelt hat.

Woran entzündet sich die Diskussion auf bildungspolitischer Ebene aktuell konkret?

Man sollte nicht eilfertig etablierte und bewährte Bezeichnungen wie den »Meister« aufgeben. (Vgl. die Diskussion um einen möglichen Meister-Ersatz »Bachelor Professional«, Anm. d.Red.) Er gilt weltweit als Qualitätssiegel. Ich erinnere an die Diskussionen um die Bezeichnung »Diplom-Ingenieur«. Auch dieser Begriff war international anerkannt. Durch die Einführung einer englischen Alternative, wurde diese erfolgreiche »Marke« verwässert.

Welche Rolle spielt für den ZVEH das Duale Studium, das Berufsausbildung und Bachelor-Abschluss vereint?

Gerade für hochqualifizierte Personen ist dies eine hervorragende Option, um den Grundstein für eine Karriere im E-Handwerk zu legen. Letztlich ist es ein Parallelweg zur dualen Ausbildung – also der Kombination von Lehre und Berufsschule –, die sich ebenfalls sehr bewährt hat und zu ausgezeichneten Ergebnissen führt.

Im September haben Sie einen gemeinsamen IFA-Auftritt. Wie sieht die gemeinsame Marschrichtung von VDE und ZVEH in Sachen Nachwuchsgewinnung aus?

Der gemeinsame IFA-Auftritt, an dem als weiterer Verband auch der ZVEI beteiligt ist, steht unter dem Motto »Fit für die digitale Welt!«. Wir rücken die Themen Fachkräftenachwuchs, Qualifizierung und Berufsbildung in den Mittelpunkt, da sie für alle drei Verbände von großer Bedeutung sind. Auf der IFA sind die Themen in erster Linie eingebettet in die Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung.

VDE/DKE beteiligen sich auch aktiv an der Förderung des Nachwuchses in den E-Handwerken. Beispielsweise ist die DKE Mitglied des Vereins zur Berufs- und Nachwuchsförderung in den elektro- und informationstechnischen Handwerken e.V.

Auch beim Bundesleistungswettbewerb des elektrohandwerklichen Nachwuchses, der jedes Jahr in Oldenburg stattfindet, ist sie sehr engagiert: Dort lobt sie einen Sonderpreis für den besten Teilnehmer im Ausbildungsberuf Elektrotechniker, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, aus.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck