»Der Ingenieur der Zukunft ist ein Kreativ-<br>arbeiter, der kosmopolitisch orientiert ist«

Wie sieht die Zukunft Deutschlands im Jahr 2020 aus? Welche Standorte sind dafür gerüstet? Antworten gibt die Studie »Zukunft Deutschland 2020« vom Zukunftsinstitut. 13 deutsche Top-Standorte wurden anhand 18 Indikatoren bewertet, darunter München, Berlin, Hamburg, Dresden und Nürnberg. Oliver Dziemba, einer der drei Autoren, erläutert die Ergebnisse.

Neben Daten und Zahlen zur Wirtschaftskraft, sozialen Innovation, technologischen Exzellenz und Sozio-Demgrafie greift die Studie auch zurück auf relevante Megatrends, Konsum- und Gesellschaftstrends sowie auf die zentralen Lebensstilveränderungen. Welche Standorte in Deutschland werden für Technologieunternehmen künftig zu den Spitzenregionen gehören? Welche Kriterien sind dabei entscheidend?

Oliver Dziemba: In unserer Studie »Zukunft Deutschland 2020« haben wir 13 Top-Standorte ausfindig gemacht. Jeder von ihnen verfügt über sogenannte Leuchtturmprojekte im Technologie-Sektor. Bestes Beispiel dafür ist Dresden. Dort ist im vergangenen Jahr der Anschluss an die Weltklasse in der Mikroelektronik geglückt. Mehr als 200 Unternehmen mit weit über 20.000 Beschäftigten sind im Freistaat allein in dieser Zukunftsbranche tätig. Im gesamten Sektor Informationstechnologie arbeiten in Sachsen 1.500 Firmen mit rund 43.000 Mitarbeitern und sorgen für einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro. Bestätigt wurden Dresdens Bemühungen in diesem Bereich vor kurzem vom BMBF mit der Ernennung zum europäischen Spitzencluster. Unter den Gewinnern waren auch Forschungscluster in der Rhein-Neckar-Region und Hamburg, wo wir mit unseren Studienergebnissen ebenfalls großes Potenzial erkannt haben.

Entscheidet für die Zukunftsfähigkeit von Standorten wird sein, alte Gegensätze zu überwinden, also nicht bedingungslos auf die »ehernen Traditionen« zu setzen. Beispielhaft dafür sind auch die Regionen Freibug – die Solar-Hauptstadt Deutschland – und Oberschwaben, die trotz ländlicher Idylle und vielen Traditionsunternehmen den Sprung in die Moderne nicht verpasst haben.

Welche Kriterien sind dem angehenden Ingenieur bei der Wahl seines Arbeitgebers in Zukunft sehr wichtig? Was wird unwichtiger?

Die bekannte Globalisierungsthese »die Welt sei ein Dorf, es ist egal, wo mal lebt und arbeitet« zieht nicht mehr. Mehr denn je ist es den Menschen heute wichtig, wo sie leben und arbeiten. Die Lebensqualität am Standort spielt dabei eine zentrale Rolle. In der Vergangenheit wurde zu stark nur auf die wirtschaftlichen Kennziffern geschaut. Wer jedoch in Zukunft an seinem Standort für Aufschwung und Innovationen sorgen will, der muss sich auch um das Wohlbefinden vor Ort sorgen: Von der Kinderbetreuungssituation über leichte Wiedereinstiegsmöglichkeiten für Mütter in den Job bis hin zur gesunden und regionalen Lebensmittelversorgung – all das sind Faktoren, die stärkere Beachtung finden müssen, um die High Potentials für seinen Standort zu begeistern.