IT-Spezialisten gründen Genossenschaft »Der Freelancer wird teilweise unter seinen Satz gedrückt«

"Wir hoffen, dass sich uns viele Freelancer anschließen, damit wir schnell zu einer starken Gemeinschaft werden. Nur dann können wir am Markt wirklich etwas bewegen und die jetzige Situation zugunsten der Freelancer ändern."
"Wir hoffen, dass sich uns viele Freelancer anschließen, damit wir schnell zu einer starken Gemeinschaft werden. Nur dann können wir am Markt wirklich etwas bewegen und die jetzige Situation zugunsten der Freelancer ändern," sagt Peter Monien, neben Timo Bock zweiter Vorstand der 4freelance eG.

IT-Freiberufler kritisieren mangelnde Transparenz bei Vermittlungsagenturen: Ob diese 20%, 30% oder sogar 50% auf ihren Tagessatz aufschlagen, bleibt dem Freelancer meist verborgen. IT-Freelancer aus München wollen das ändern und haben eine Genossenschaft gegründet.

Auf die Idee kam Gründer und Vorstand Timo Bock, als er in seinem Recruiter-Vergleichsportal »4freelance« überwiegend negative Bewertungen sah.

»Ich war überrascht, wie negativ die meisten Freelancer ihre Vermittlungsagenturen bewerten. Für den überwiegenden Teil der Freelancer scheint ihre Agentur ein ungeliebter Partner zu sein, der ihnen zwar Geschäft verschafft, dafür aber das Gefühl zurück lässt, einen zu hohen Aufschlag zu nehmen und dafür zu wenig zu leisten«, so Bock.

Es sei das jetzige System einiger großer Agenturen und die rechtlich unklare Gesetzgebung zu »Scheinselbstständigkeit«, welche Freelancer zu teuer machten und die Beteiligten zu kostspieligen Ausweichbewegungen zwinge. »Und dieser schlägt sich in noch höheren Preis nieder«.

Als Freelancer wisse man häufig nicht, ob der Vermittler 20%, 30% oder sogar 50% auf ihren Tagessatz aufschlägt - und damit ordentlich mitverdient, zu Lasten des Kunden.  Auch Ausreißer von 100% seien durchaus schon vorgekommen, das lasse ein gewisses Augenmaß der Vermittler vermissen.

»Unsere größte Kritik gilt den Freelancer-Agenturen, die als reine Händler auftreten und sich darauf fokussieren, ihre Marge zu maximieren«, sagt  Peter Monien, neben Timo Bock zweiter Vorstand der 4freelance eG. Dadurch werde der Freelancer teilweise unter seinen für ihn nachhaltigen Satz gedrückt und auch der Kunde zahle oft unnötig viel.

Da sei es nicht verwunderlich, wenn der Freelancer bei nächster Gelegenheit in ein anderes Projekt wechselt, dass ihm einen besseren Stundensatz bietet.

»Projekte müssen finanzierbar sein. Jeder Euro mehr, den wir als Recruiter aufschlagen, macht es unwahrscheinlicher, dass eine Projektposition zu finanzieren ist«.

Der Kunde erwarte schließlich, dass der Freelancer sein Geld wert ist. Monien: »Wenn ein Großteil der Kosten aber aus Vermittlungskosten besteht, klaffen Erwartungshaltung des Kunden und Können des Freelancers tendenziell weiter auseinander.«

Abhilfe soll die Genossenschaft bringen. »Als Genossenschaft stehen unsere Mitglieder im Fokus und nicht der Gewinn. Wir machen deren Arbeit bezahlbarer in dem wir eine sehr geringe Provision von 10% nehmen. Das können wir uns leisten, da wir als Genossenschaft nur kostendeckend arbeiten müssen« erklärt Vorstand Monien.

Um tatsächlich im Sinne der Freelancer handeln zu können, ist es den beiden wichtig gewesen, deren Ideen einfließen zu lassen. Daher habe man sich für die Genossenschaft entschieden. Diese Rechtsform mache auch die Aufnahme weiterer Anteilseigener einfach.

Derzeit bietet die Münchner Genossenschaft nur die Vermittlung von IT-Spezialisten an. Eine Vermittlung für andere Fachbereiche ist geplant.