Forschung&Entwicklung Denken auf Bestellung

Großes Potenzial sehen die Forscher von Rent a Scientist zum Beispiel in gedruckter Elektronik basierend auf Silbernanodrahtoberflächen.
Großes Potenzial sehen die Forscher von Rent a Scientist zum Beispiel in gedruckter Elektronik basierend auf Silbernanodrahtoberflächen.

Denken auf Bestellung ist seit 20 Jahren die Geschäftsgrundlage des Regensburger Forschungsunternehmens "Rent a scientist". Die Wissenschaftler helfen Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte. Großes Potenzial sehen die Forscher zum Beispiel in gedruckter Elektronik basierend auf Silbernanodrahtoberflächen.

Der Firmenname "Rent a Scientist" (Miete einen Wissenschaftler) verrät auch schon das Geschäftsmodell: Wenn sich kleine und mittelständische Unternehmen keine eigenen Forschungsabteilungen leisten können oder Großkonzerne auf externe Querdenker setzen, können sie gegen Honorar auf den Einfallsreichtum der Regensburger Forschungs-Dienstleister zurückgreifen. Von den zahlreichen Erfindungen, die das »Rent a Scientist«-Team im Auftrag seiner Klienten bisher entwickelte wurden bereits weit über 100 patentiert.

Eine Fülle neuartiger Produkte haben die Regensburger Entwickler zum Beispiel mit Nanosilber ermöglicht, das sie im eigenen Labor herstellen: Schutzanzüge und chirurgische Implantate, aber auch Textilien und zahlreiche Gebrauchsgegenstände können mit dem antibakteriell wirkenden Material auf Silberbasis verlässlich keimfrei gehalten werden. "Im Bereich der Nanosilberforschung dürfte "Rent a Scientist" heute weltweit die Führungsrolle besitzen, sagt ein Unternehmenssprecher.

Nanosilber ist heute ein ganz wesentlicher Baustein in der Forschertätigkeit der Regensburger Wissenschaftler, die auch im Netzwerk Nanosilber in Deutschland eine wichtige Rolle spielen. "Nanosilber" mit seinen antimikrobiellen Fähigkeiten, seiner besonderen Leitfähigkeit und dem Potential für optische Effekte.

Großes Potenzial sehen die Forscher zum Beispiel in gedruckter Elektronik basierend auf Silbernanodrahtoberflächen. Auch an infektionsresistentem Knochenzement auf Basis von Nanosilber wird derzeit gearbeitet, ebenso an Fasern auf Polymerbasis etwa als Grundlage zur Gewebezüchtung oder als antimikrobielle Wundauflagen.

Grundlage des Erfolgs, so sagen die Unternehmensgründer sei das Querdenken, das in eingefahrenen Unternehmensstrukturen oft ins Hintertreffen gerät. »Wir haben das Know-how, wir haben eben diese wissenschaftlichen »Querdenker« und wir haben eigene Labors und Werkstätten, um Unternehmen bei der Umsetzung von Ideen zu unterstützen. Zahlreiche befreundete Professoren aus den umliegenden Hochschulen können wir dabei on demand in die Ideensuche einbinden", sagt ein Unternehmenssprecher.

Da die Querdenker aus Regensburg mit unterschiedlichsten Spezialisten interdisziplinär tätig sind, sind für alle Branchen offen. Chemiker, Physiker, Biologen, Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler versorgen die Auftraggeber mit neuen Ansätzen und Ideen. Das Dienstleistungsspektrum der Regensburger Denkfabrik reicht dabei von ersten Konzepten über Machbarkeitsanalysen bis zur Entwicklung von Prototypen und der Hilfe bei der Beschaffung von Fördermitteln.

Angefangen hat diese ostbayerische Erfolgsgeschichte vor genau 20 Jahren: 1995. Damals hatten sich die Studienfreunde und Chemie-Doktoranden Raimund Brotsack, Georg Maier und Robert Nusko aus dem etablierten Forschungsbetrieb verabschiedet, weil ihnen das Theoretische nicht so lag. Sie wollten an Handfestem arbeiten und richteten sich ein Labor in einem Mietshaus-Keller ein. Weitere Chemiker, Biologen, Physiker und auch Textil Ingenieure stießen im Lauf der Zeit zum Team. Heute besteht das Unternehmen aus 20 fest angestellten und rund 30 freien Wissenschaftlern, vorwiegend Professoren und Mitarbeiter aus den umliegenden ostbayerischen Hochschulen.

Einer der ersten Entwicklungsaufträge wurde auch schon zu einem durchschlagenden Erfolg: Ein Schrotthändler suchte nach einem schnellen Trennverfahren für Aluminium-Legierungen. Die angemieteten Erfinder konnten ihm rasch helfen - mit einer Schwerkraft-Sortieranlage. Meilensteine in der Firmengeschichte war auch die Entwicklung elastischer gleitfähiger Garne.

Das Forschungsergebnis wurde mit dem bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet. Eingesetzt wird das Material heute zum Beispiel in Autoinnenräumen sowie in der Textilindustrie. Pro Jahr können Auftraggeber der Regensburger Forscher rund 10 neue Schutzrechte für erdachte Neuheiten angemeldet.

Zum Kundenstamm gehören und gehörten Unternehmen wie Audi, EON-Energie und Siemens.

Für ihre Erfindungen sind die Forscher von "Rent a Scientist" mit dem bayerischen und dem hessischen Innovationspreis ausgezeichnet worden. Zudem wurden sie in die Bundesinitiative "Land der Ideen" und in das vom Bundesforschungsministerium geförderte Nachschlagewerk "Services made in Germany" aufgenommen. "Dass ein nach Innovationen suchendes Unternehmen alles aus einer Hand bekommt, das gibt es nur bei uns", sagt Adi Parzl, einer der Manager des Unternehmens.