Studium »Das Elektrotechnik-Studium ist ein Vollzeit-Job!«

Der Akkreditierungsrat der Hochschulen veranschlagt für ein Vollzeitstudium Elektro- und Informationstechnik rund 1800 Stunden im Jahr – was einem Vollzeitjob entspricht. Zu viele fachfremde Nebentätigkeiten gefährden den Studienerfolg und sind nach Ansicht des VDE mit ursächlich für die hohen Abbrecherquoten.

Angesichts der immer größeren Beliebtheit des Dualen Studiums sorgt sich der VDE um die Qualität der Ingenieurausbildung: Finanzielle Unabhängigkeit dürfe kein Entscheidungskriterium sein. Auch die zunehmende Belastung vieler Studenten durch fachfremde Nebenjobs sei ein »zentrales Problem«.

Bildung wird durchlässiger, Meister und Bachelor sind gleichwertig, duale Studienmodelle liegen im Trend. Ziel: die Erhöhung der Fachkräftezahl auf allen Qualifikationsstufen. Zu diesem Zweck ziehen Verbände wie der VDE, der ZVEI und der ZVEH an einem Strang. So stand beispielsweise der gemeinsame IFA-Auftritt Anfang September in Berlin ganz unter dem Motto Fachkräftenachwuchs, Qualifizierung und Berufsbildung.

Während jedoch Elektrotechnik und Informationstechnik in Deutschland als Studienfach immer beliebter wird - 17.700 Beginner verzeichnete der Studiengang Elektrotechnik letztes Jahr, Tendenz steigend vor allem dank ausländischer Studierender – plagen die Elektrohandwerke Nachwuchssorgen. »Noch wird die Karriere im Handwerk nicht als lohnenswerte Alternative zur akademischen Ausbildung gesehen«, klagt der Präsident des ZVEH, Lothar Hellmann.

Einig Ziel von Politik, Wirtschaft und Verbänden ist es daher, Potenziale zu heben und mehr Durchlässigkeit innerhalb der Qualifikationsstufen zu schaffen. Zum Beispiel Studienabbrechern Perspektiven im Handwerk aufzuzeigen.

Wer mehr Durchlässigkeit will, braucht zunächst mal einen Vergleichsrahmen. Diesen liefert der »Deutsche Qualitätsrahmen« (DQR), der 2012 unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz verabschiedet worden war, unter maßgeblicher Mitarbeit durch den VDE.

Er dient als Übersetzungsinstrument, mit dessen Hilfe alle schulischen, akademischen und beruflichen Qualifikationen des deutschen Bildungssystems den acht Niveaus des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) zugeordnet und verglichen werden können.

Seitdem sind die Abschlüsse Bachelor und Meister als gleichwertig anerkannt. »Gleichartig«, so Prof. Michael Berger, Vorsitzender des Ausschusses »Studium, Beruf und Gesellschaft« im VDE, seien die beiden Abschlüsse freilich keineswegs: »der Meister hat in der Regel theoretische Defizite, etwa in Mathe oder Physik. Der Bachelor hingegen kann nicht mit dem Meister mithalten, wenn es um praktische Kompetenzen geht. Aller Vergleichbarkeit zum Trotz muss für Aufstiegsfortbildung individuell berücksichtigt werden, welche Vorkenntnis da ist, auch wenn das Mehraufwand bedeutet«.

Denn an der Qualität der Ingenieurausbildung mag der VDE nicht rütteln. Im Gegenteil, angesichts der zunehmenden Belastung vieler Studenten durch Nebenjobs hält Prof. Michael Berger die Qualitätssicherung in der Ingenieurausbildung für ein »zentrales Problem«.