Innovationskultur Chefsache!

Sabine Rings (r. ) und Jørn Rings sind Geschäftsführer des Düsseldorfer Innovationsspezialisten NEU – Gesellschaft für Innovation mbH. Sie begleiten mittelständische Unternehmen im Bereich der Ideenfindung und Innovationskultur.
Sabine Rings (r. ) und Jørn Rings sind Geschäftsführer des Düsseldorfer Innovationsspezialisten NEU – Gesellschaft für Innovation mbH. Sie begleiten mittelständische Unternehmen im Bereich der Ideenfindung und Innovationskultur.

Wie rettet man Geistesblitze vor Totschlag-Argumenten? Auf welchem Nährboden wachsen erfolgreich vermarktbare Innovationen? Sabine und Jørn Rings beraten mittelständische Unternehmen dabei, wie man Innovationen nicht auf gut Glück, sondern geplant entstehen lässt.

Gute Beispiele für innovative Unternehmen gibt es nach Ansicht von Jørn und Sabine Rings viele: Google, Apple, ja das ganze Silicon Valley, 3M. »Und die bayerische Zollner Elektronik AG, die für seine Innovationskultur bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.«

Wie unterscheiden die beiden innovative Unternehmen von weniger innovativen?

»Innovation bedeutet nicht, sich den Kopf am Schrank zu stoßen und eine gute Idee zu haben. Die kreativsten Unternehmen verfügen über eine gut strukturierte Sensorik, mit der sie Marktveränderungen, Trends und Änderungen im Kundenverhalten erkennen. Die Ergebnisse dieser Erkenntnisse werden innerhalb einer offenen und nach vorne gerichteten Unternehmenskultur aufgefangen und in den Köpfen zu Ideen weiterverarbeitet.«

Denn ohne eine passende Innovationskultur bleibe auch bei guten Impulsen von außen der langfristige Innovationserfolg aus, behauptet Sabine Rings.

Zollner sei ein gutes Beispiel: »Dieses Unternehmen zeichnet sich vor allem durch Aktivität in den Bereichen aus, in die Kunden involviert sind. Die Nähe zum Kunden ist der Schlüssel, um praxisgerechte Lösungen zu erdenken, für sie es später auch einen Markt gibt. Zollner ist vor allem in den Bereichen aktiv, in die Kunden involviert sind«, erklärt die Beraterin.

Zollner habe früh verstanden, dass zwischen externen und internen Ideengebern ein enges Verhältnis bestehen müsse, um auch radikale Innovationen realisieren zu können. So wurde beispielsweise ein Schulungszentrum geschaffen, in dem Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten gemeinsam ausgebildet werden und ins Gespräch kommen.

So entstünden Partnerschaften, die allen Seiten nützen. Das prominenteste Ergebnis sei »Tradinno«, der größte vierbeinige Schreitroboter der Welt, den Zollner für die Festspiele in Furth entwickelte.

Doch gehen gute Ideen unter, wenn sie auf keinen geeigneten Nährboden fallen. Welche Fehler passieren am häufigsten?

»Man muss hier zwischen dem einfachen ‚Versanden‘ von Ideen unterscheiden und dem Erkennen, was überhaupt eine gute bzw. lukrative Idee ist«, erklärt die Beraterin.

Einem Versanden könne man mit einem stringenten Projektmanagement und klaren Meilensteinen entgegentreten. Wenn aber die Bewertungsmatrix nicht ausreiche, um das Marktpotential von Ideen handfest prüfen zu können, ließen sich die Beteiligten im Unternehmen vor allem von ungewöhnlichen Ansätzen nicht überzeugen.

Die häufigsten und massivsten Stolpersteine sind Widerstände durch Mitarbeiter in Schlüsselpositionen. Das Ergebnis seien dann gewohnte Totschlag-Argumente wie »Das wird nicht funktionieren«, »Das braucht kein Mensch« oder »Es gibt momentan Wichtigeres«.

»Die Zweifler werden die Idee wortwörtlich kaputtreden. Wenn die Idee dann keinen starken Fürsprecher hat, geht sie unter«, erklärt Rings.

Dabei sei eine ausgeprägte Innovationskultur auch für das Recruiting von Mitarbeitern von Vorteil, wie Rings erklärt: »Eine Umfrage unter Studierenden ergab, dass die »Innovationsfähigkeit eines Unternehmens« zu den Top-Entscheidungsgründen für eine Bewerbung zählt.