Digitalisierung Bosch: »Wir brauchen dringend Spezialisten«

Tausende Experten fehlen nach Ansicht von Bosch-Geschäftsführer Dr. Werner Struth für die vernetzte Fertigung.
Tausende Experten fehlen nach Ansicht von Bosch für die vernetzte Fertigung.

»Wir brauchen dringend Spezialisten, die einerseits Produkte und Fertigungslinien kennen und andererseits große Datenmengen analysieren können«, sagt Bosch-Geschäftsführer Dr. Werner Struth. Viele deutsche Unternehmen könnten das große Potenzial der Industrie 4.0 nicht ausschöpfen, weil tausende Experten für die vernetzte Fertigung fehlen.

»Industrie 4.0 erfordert Experten, die über ihr Fachgebiet hinausblicken«, ergänzte Struth mit Blick auf den Nationalen IT-Gipfel in Berlin, der heute begonnen hat.

Struth verantwortet bei Bosch unter anderem die Fertigungskoordination in den weltweit mehr als 250 Werken. Beim IT-Gipfel wird unter anderem eine Online-Landkarte mit 100 deutschen Industrie-4.0-Beispielen präsentiert, 15 davon stammen von Bosch.

Einer Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau zufolge ist der Mangel an Experten eine große Hürde in der Entwicklung neuer Informations- und Automatisierungstechnik. Hochgerechnet auf die Branche seien demnach mehr als 4 000 Stellen unbesetzt. Und der Bedarf an solchen Fachkräften werde den Angaben zufolge bis 2018 noch deutlich steigen.

Beim Bewältigen dieser Herausforderung könne eine breit angelegte und frühzeitig ansetzende Bildungsoffensive helfen, sagte Struth. »Die Grundlagen für den souveränen Umgang mit der digitalen Welt müssen in jungen Jahren gelegt werden. Es reicht nicht, dass junge Leute die Apps auf ihrem Smartphone lediglich bedienen. Sie sollten auch eine Programmiersprache beherrschen. Nur mit diesem Werkzeug können sie eigene Ideen umsetzen.«

Vernetzung sei ein universeller Trend:

Um diese grundlegenden Fertigkeiten vermitteln zu können, müssten Schulen und Lehrer mit dem nötigen Wissen und der passenden technischen Infrastruktur ausgestattet werden. Dies trage auch dazu bei, das Bewusstsein für die Bedeutung des Datenschutzes zu stärken, sagte der Bosch-Geschäftsführer. »Klare Regeln für den Datenschutz und den Umgang mit Informationen aus der Fertigung sind Voraussetzung dafür, dass Unternehmen vertrauensvoll miteinander kooperieren.«

Änderungen seien auch in der universitären Ausbildung nötig, sagte Struth: »Studenten sollten in der Lage sein, sich und ihr Wissen miteinander zu vernetzen. Dazu muss nicht jeder ein Experte in dem jeweiligen Fach sein. Es reicht in den meisten Fällen aus, wenn Anforderungen an den jeweiligen Fachexperten klar formuliert werden können. Dafür müssen Ingenieure zunehmend IT-Kenntnisse mitbringen – etwa um die Datenströme von Sensoren an den Fertigungslinien nutzbringend auszuwerten«, ergänzte Struth.