Weltweiter Vergleich Angestellte sprechen besser Englisch als ihre Chefs

Nord-Süd-Gefälle: Dänen, Niederländer und den Schweden sprechen am besten Englisch, auch im Ingenieurwesen. Beschäftigte in Frankreich und Italien hingegen weisen ein ähnlich schlechtes Ergebnis vor wie Entwicklungsländer. Überraschend: In den Top-Führungsetagen gibt es erhebliche Defizite.

Deutschland nimmt im neuen Ranking den zehnten Platz ein (2013: Rang 14) und konnte sich damit seit Beginn der Erhebung vor sieben Jahren verbessern. Beim Vergleich der Englischkenntnisse in der Arbeitswelt, die erstmals in einer Sonderauswertung erhoben wurden, schneiden die Mitarbeiter besser ab als ihre Chefs.

Dies sind die Ergebnisse der vierten Ausgabe des EF English Proficiency Index (EF EPI), einer in 63 Ländern durchgeführten Studie von Education First (EF). Für die Studie wurden die Daten von zwei verschiedenen Englischtests ausgewertet, die jedes Jahr von rund 750.000 Erwachsenen absolviert werden.

Da Englisch als Sprache der Wirtschaft weiterhin an Bedeutung gewinnt, wurde zum ersten Mal auch der Schwesterbericht EF EPI-c erstellt, für den die Testergebnisse von insgesamt 105.093 Beschäftigten bei Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz zwischen 100 Millionen und 100 Milliarden Dollar in 32 Industrieländern ausgewertet wurden. Der Index unterteilt die Ergebnisse nach Industriezweig, Land, Unternehmensgröße und Dauer der Betriebszugehörigkeit. Er soll Unternehmen einen Anhaltspunkt für ihre kommunikative Wettbewerbsfähigkeit liefern und nimmt eine Einschätzung dazu vor, warum einige Firmen in bestimmten Ländern und Industriesektoren besser abschneiden.

»Die Mitarbeiter kommunizieren zum Teil auf der internationalen Ebene sehr gut, aber auf der Top-Führungsebene gibt es einen alarmierenden Engpass bei den Englisch-Kenntnissen«, fasst Niklas Kukat, Geschäftsführer von EF in Deutschland, die Studienergebnisse zusammen. Zudem bestehe eine große Lücke zwischen den Mitarbeitern mit den besten und schlechtesten Englischkenntnissen weltweit: Unternehmen aus Skandinavien rangieren an der Spitze, während Beschäftigte in Frankreich und Italien ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie Entwicklungsländer vorzuweisen haben.

Bei der Führungsebene von Unternehmen und in der Beraterbranche liegen die Niederlande und Schweden an der Spitze, gefolgt von weiteren nordeuropäischen Ländern. In den High-Tech-Branchen dominieren auf der Führungsebene zwar die Europäer, doch Indonesien und Vietnam sind weltweit unter den Top-10-Ländern platziert.

Im Ingenieurwesen sind ebenfalls die Skandinavier Spitze, während Lateinamerika weit hinten rangiert.

Auch beim globalen Vergleich der Englischkenntnisse der Gesamtbevölkerung schneiden die nordischen Länder Europas am besten ab, während Nordafrika und der Mittlere Osten im Ranking ganz hinten liegen. Deutschland rangiert auf Platz 10 mit 60,89 Punkten – hinter Belgien (61,21) und vor Slowenien (60,60). Schlusslichter des internationalen Rankings sind der Irak (38,02), Libyen (38,19) und Kambodscha (38,25).

Beim erstmals ermittelten Städteranking für Deutschland führt Frankfurt/M. vor Köln und München, während die Hauptstadt Berlin auf dem letzten Platz rangiert.